- 02.11.2026, 09:29:32
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Ericsson ermöglicht Drohnenerkennung mit Mobilfunknetzen

Düsseldorf (ots)
- Ericsson präsentiert das neue Ericsson ISAC System (Integrated Sensing and Communication).
- Die Lösung ermöglicht die präzise Erkennung und Verfolgung von Objekten wie Drohnen über große Flächen, auch ohne Verbindung zum Mobilfunknetz.
- Erste kommerzielle Pilotprojekte mit ausgewählten Kunden sind für 2027 geplant, ein breiterer Einsatz soll ab 2028 erfolgen.
Bestehende Mobilfunknetze können dabei helfen, eine Lücke bei der großflächigen Erkennung von tief fliegenden, schnellen Objekten wie Drohnen zu schließen. Nach erfolgreichen Tests der sogenannten "Integrated Sensing and Communication"-Technologie (ISAC) in den vergangenen Monaten, stellt Ericsson heute das Ericsson ISAC-System vor. Die neue Lösung erweitert das Mobilfunknetz um Sensing-Funktionen. Dies ermöglicht es Betreibern kritischer Infrastrukturen sowie Akteuren aus den Bereichen Verteidigung und öffentliche Sicherheit, bewegliche Objekte zu erkennen und zu verfolgen - selbst wenn diese nicht mit dem Netz verbunden sind.
Die kommerzielle Einführung des Ericsson ISAC-Systems erfolgt schrittweise: Den Anfang machen im Jahr 2027 kleinere kommerzielle Pilotprojekte mit ausgewählten Kunden, die sich zunächst rein auf die Sensorik konzentrieren. Ab 2028 folgen breiter angelegte Einsätze. Integrierte Kommunikationsfunktionen werden im Zuge der Weiterentwicklung der Lösung in Richtung 6G ergänzt.
Kleine, kostengünstige Drohnen werden zunehmend für illegale Überwachung, organisierte Kriminalität, Sabotage oder in bewaffneten Konflikten eingesetzt. Durch ihre geringe Größe und ihr Flugverhalten in niedrigen Höhen sind sie schwer aufzuspüren. Dies stellt die nationale Sicherheit, den Schutz kritischer Infrastrukturen und die öffentliche Sicherheit vor neue Herausforderungen. Spezialisierte Sensoren bleiben zwar für den Schutz sensibler Standorte wichtig, doch eine flächendeckende Skalierung bleibt eine Herausforderung, da hierfür eine umfangreiche neue Infrastruktur aufgebaut werden müsste.
Das Ericsson ISAC-System schließt die Überwachungslücke in geringen Höhen über große Flächen hinweg, indem es das Mobilfunknetz um eine neue Ebene der Situationserfassung erweitert. Mithilfe von 5G-Mobilfunkanlagen mit Sensing-Fähigkeiten, Edge Computing, Künstlicher Intelligenz und Signalverarbeitung erkennt das System Objekte, die nicht mit dem Netz verbunden sind, und verfolgt sie über das gesamte Abdeckungsgebiet. Dabei ergänzt es Radar und andere Sensoren, anstatt diese zu ersetzen.
Funktionsweise
Das Ericsson ISAC-System erkennt und verfolgt Objekte, indem es analysiert, wie Funksignale von Objekten in der Umgebung reflektiert werden. Es arbeitet als multistatisches System - das bedeutet, dass das Senden und Empfangen der Sensorsignale auf mehrere, geografisch voneinander getrennte Mobilfunkstandorte verteilt ist. So können Objekte aus mehreren Blickwinkeln gleichzeitig erfasst werden. Dies sorgt für eine hohe Genauigkeit, welche die Zuverlässigkeit der Erkennung, die Ortung, die nahtlose Verfolgung sowie die Abdeckungssicherheit erhöht.
Für die Bereitstellung der Tracking-Daten und der KI-gestützten Klassifizierung nutzt das Ericsson ISAC-System Teile der bestehenden 5G-Mobilfunkinfrastruktur - etwa Sendemasten, Backhaul-Verbindungen und Frequenzen - die in Städten, entlang von Verkehrskorridoren und an strategischen Orten ohnehin vorhanden ist. Diese Daten können über standardisierte Schnittstellen sicher an autorisierte externe Systeme, wie etwa Einsatzleit- und Kontrollsysteme, übermittelt werden. In Kombination mit den Daten anderer Sensoren und Abwehrsystemen entsteht so ein umfassenderes operatives Lagebild, das schnellere Reaktionen und fundiertere Entscheidungen emöglicht.
Bei Validierungstests hat das System Mikrodrohnen über Entfernungen im Kilometerbereich zuverlässig erkannt und mit präziser 3D-Ortung verfolgt. Die Tests zeigten eine konstante Erkennung und Nachverfolgung unter verschiedensten Betriebsbedingungen, Systemkonfigurationen und Drohnen-Flugmustern. Die tatsächliche Leistung hängt von Faktoren wie den Eigenschaften und dem Flugprofil des Ziels, der Sensorgeometrie, dem Gelände, der Umgebung und der jeweiligen Systemkonfiguration ab.
In Live-5G-Demonstrationen evaluiert
Bei Tests mit AT&T in Arlington, Texas, wurden Sensor-Dashboards verwendet, um Drohnenaktivitäten in Echtzeit anzuzeigen. Durch die Kombination der Ericsson-Technologie mit der Netz-Expertise von AT&T konnten in dem Versuch mehrere Drohnen erkannt, geortet und ihre Bewegungen verfolgt werden. Dies veranschaulicht, wie die drahtlose Infrastruktur zum Schutz von Großveranstaltungsorten, kritischen Infrastrukturen und anderen wichtigen Standorten beitragen kann.
Eine weitere Demonstration mit Erillisverkot in Helsinki zeigte, wie mehrere 5G-Standorte Drohnen erkennen und verfolgen. Dies demonstrierte, wie Netz-Sensorik die öffentliche Sicherheit und Maßnahmen zur Drohnenabwehr (Counter-UAS) unterstützen und dabei die Abdeckung klassischer Sensoren erweitern kann.
In Polen zeigten Ericsson, Asseco und Play, wie die Integrated Sensing and Communication-Technologie von Ericsson, das Mobilfunknetz von Play und das akustische Erkennungssystem PUSZCZYK von Asseco eine präzisere Erkennung und Ortung von tief fliegenden Drohnen unterstützen können.
Mögliche Einsatzgebiete
- Verteidigung und öffentliche Sicherheit: Verbesserte Luftraumüberwachung an Grenzen, Küstenlinien und rund um strategische Einrichtungen.
- Kritische Infrastruktur: Verstärkter Schutz für Häfen, Kraftwerke und andere wichtige Anlagen.
- Transport und Industrie: Unterstützung eines sichereren Betriebs im Straßen- und Schienenverkehr sowie in industriellen Umgebungen.
- Drohnen- und Luftraumwirtschaft ("low-altitude economy"): Drohnen-Verkehrsmanagement, Luftraumüberwachung im städtischen Raum sowie digitale Zwillinge für die Smart-City-Planung und Kartierung der Umgebung.
Freddie Södergren, Global Head of Mission Critical Networks and Defense bei Ericsson, sagt: "Niedrig fliegende Drohnen sind besonders schwer zu erfassen, da ein einzelner Sensor keine lückenlose Abdeckung gewährleisten kann. Mit dem Ericsson ISAC System können mehrere 5G-Standorte koordiniert zusammenarbeiten, um Objekte großflächig zu erfassen und kontinuierlich zu verfolgen. Die gewonnenen Daten lassen sich in klassische Sensortechnologien und operative Systeme integrieren. Zugleich eröffnet die Lösung Netzbetreibern die Möglichkeit, auf Basis ihrer bestehenden Netzinfrastruktur neue Dienste anzubieten."
Joe Madden, Principal Analyst bei Mobile Experts, sagt: "Das ISAC-System von Ericsson zeigt, dass die Sensorik über Mobilfunknetze die Erwartungen vieler bei Weitem übertreffen kann. Komplexe Funkreflexionen werden so in ein bemerkenswert präzises Tracking von tief fliegenden, unkooperativen Objekten übersetzt. Da Ericsson auf ein umfangreiches Netz an bestehenden Standorten aufbauen kann, hat das Unternehmen das Potenzial, eine großflächige Drohnenerkennung schneller und kostengünstiger bereitzustellen als durch den Aufbau einer völlig neuen, eigens dafür vorgesehenen Sensorinfrastruktur."
Carl Lundqvist, Chief Architect im Hauptquartier der schwedischen Streitkräfte, sagt: "Die Erkennung kleiner Drohnen über große Flächen hinweg ist eine wachsende operative Herausforderung. Die Möglichkeit, eine verteilte Infrastruktur zur Ergänzung bestehender Sensoren zu nutzen, könnte eine wichtige zusätzliche Ebene für das Lagebild schaffen."
"Bei der nächsten Entwicklungsstufe der Konnektivität geht es um Netze, die nicht nur Daten übertragen, sondern Organisationen auch mit Erkenntnissen versorgen, damit sie Ereignisse in der realen Welt besser verstehen und darauf reagieren können", sagt Shawn Hakl, SVP & Head of Product bei AT&T Business. "Die Integration von Integrated Sensing and Communication (ISAC) in bestehende 5G-Infrastrukturen kann Telemetrie und Daten in Situationen liefern, in denen es nicht möglich oder gewünscht ist, vorab Sensoren oder Kameras zu installieren. Der Einsatz dieser Technologie in einem komplexen Umfeld wie einem Stadion ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie intelligente Netze für mehr Sicherheit sorgen können - und das allein mit der bereits vorhandenen Infrastruktur."
Antti Kauppinen, CTO bei Erillisverkot, sagt: "Das Ericsson ISAC-System zeigt, dass Dual-Use-Technologie die nationale Sicherheit stärken kann, indem Sensing-Fähigkeiten ausgebaut werden, die den Behörden beim Schutz von Menschen und kritischen Infrastrukturen helfen. Gemeinsam mit Ericsson untersuchen wir, wie diese Funktion verantwortungsvoll weiterentwickelt werden kann, um Finnlands Widerstandsfähigkeit, Sicherheit und Einsatzbereitschaft zu verbessern."
Mehr zum Ericsson ISAC System und zur Erkennung niedrig fliegender Drohnen
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