- 02.11.2026, 09:00:32
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Equal Pay Day in Niederösterreich: Frauen arbeiten 58 Tage unbezahlt
AK Niederösterreich fordert rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie
Am 4. November ist in Niederösterreich Equal Pay Day: Ab diesem Tag arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern statistisch gesehen für den Rest des Jahres ohne Gehalt. Der durchschnittliche Einkommensnachteil von Frauen beträgt 15,9 Prozent bzw. 11.124 Euro pro Jahr. „Es braucht daher die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser.
Die Berechnung des Equal Pay Days basiert auf den aktuellsten verfügbaren Daten der Lohnsteuerstatistik 2024 für ganzjährig vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Niederösterreich. Während Männer im Schnitt 70.020 Euro brutto jährlich verdienen, sind es bei Frauen lediglich 58.896 Euro. Daraus ergeben sich rechnerisch 58 unbezahlte Arbeitstage für Frauen.
Bundesländer und Bezirke: Große Einkommensunterschiede
Der österreichweite Equal Pay Day findet am 5. November statt – einen Tag nach dem niederösterreichischen – und basiert auf einem bundesweiten Pay Gap von 15,5 Prozent. Im Bundesländervergleich zeigen sich starke Unterschiede:
· Vorarlberg: Höchster Abstand mit 21,7 Prozent (Equal Pay Day bereits am 13. Oktober).
· Wien: Geringster Abstand mit „nur“ 10,6 Prozent (Equal Pay Day am 23. November).
Auch innerhalb Niederösterreichs gibt es große Unterschiede: Im Bezirk Mödling ist der Gender Pay Gap mit 22,6 Prozent am größten, im Bezirk Horn mit 12,1 Prozent am geringsten. Allerdings sagt der Abstand allein nichts über das Einkommensniveau aus: Während der Rückstand der Horner Frauen gegenüber den Horner Männern geringer ist, liegt ihr durchschnittlicher Bruttojahresbezug mit 55.934 Euro deutlich unter jenem der Mödlinger Frauen (69.648 Euro).
AK Niederösterreich fordert Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie
„Es ist höchste Zeit, dass die EU-Lohntransparenzrichtlinie endlich auch in Österreich umgesetzt wird“, sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser. „Das sollte bereits seit Juni 2026 erfolgt sein. Das Informations- und Auskunftsrecht steht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aber schon jetzt zu und sollte auch aktiv eingefordert werden.“ Bereits im Bewerbungsprozess können Sie Informationen zu Einstiegsgehalt und Gehaltsspanne einfordern, erfahren, wie Ihre Einstufung und deren Kriterien festgelegt wurden, und Auskunft über Ihr eigenes sowie das durchschnittliche Einkommen vergleichbarer Beschäftigter verlangen. Das schafft Transparenz, ermöglicht faire Vergleiche und hilft, mögliche Ungleichheiten frühzeitig zu erkennen.
Ursachen für die Lohnlücke
Die Ursachen für die Einkommens-Unterschiede sind vielfältig: Sie reichen von der Branchenstruktur bis hin zur sozialen Infrastruktur, die maßgeblich beeinflusst, ob und in welchem Ausmaß Frauen am Arbeitsmarkt partizipieren können. Frauen arbeiten nach wie vor überdurchschnittlich oft in schlechten bezahlten und gesellschaftlich niedrig bewerteten Branchen, Berufen und Positionen.
Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich erklärt, dass sich aber auch Diskriminierung beim Entgelt aufgrund des Geschlechts hartnäckig hält: „Bereits seit 1979 verbietet das Gleichbehandlungsgesetz in Österreich ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit grundsätzlich und dennoch existiert diese auch noch heute fast ein halbes Jahrhundert später!“ Diese entsteht häufig bereits durch falsche teils auf Geschlechterstereotype basierende Einstufung und bleibt häufig unbemerkt, da in Österreich eine Kultur der Verschwiegenheit rund ums Gehalt dominant ist.
ÖGB NÖ: Gender Pay Gap hat gesamtgesellschaftliche Folgen
Dass der Gender Pay Gap letztlich gesamtgesellschaftlichen Schaden anrichtet, betont Didem Strebinger, Frauenvorsitzende des ÖGB Niederösterreich: „Es bringt nicht nur Frauen nachhaltig in finanzielle Schwierigkeiten, der Schaden ist noch viel größer. Das müssen alle verstehen, auch die Männer", stellt Strebinger klar. „Es geht ja nicht nur um zu niedrige Einkommen und in der Folge auch Pensionen der Frauen und deren finanzielle Unabhängigkeit. Es geht auch um Einkommen von Ehefrauen, Partnerinnen und Töchtern. Es geht um Familieneinkommen. Es geht um Geld, dass fehlt und niemand, der halbwegs bei Trost ist, kann das gut finden oder gar verteidigen. Man muss ja nicht herausragend mathematisch begabt sein, um zu erkennen, welchen Unterschied teils weit über 10.000 Euro mehr oder weniger im Jahr ausmachen können", so Strebinger weiter.
Rückfragen & Kontakt
Gernot Buchegger, Pressesprecher des Präsidenten
Kammer für Arbeiter und Angestellte für Niederösterreich
M: 0664/8134801; E: [email protected]
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