- 30.10.2026, 12:21:32
- /
- OTS0071
Armenische Gemeinde begrüßt Absage der JKU-Konferenz und fordert weitere Aufarbeitung
Die Armenische Gemeinde in Österreich begrüßt die Entscheidung des Rektorats der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), den für den 29. und 30. Oktober 2026 geplanten Kongress „Science Diplomacy“ abzusagen. Wir danken dem Rektorat für die Prüfung unserer Einwände und das rasche Handeln.
Die Absage war notwendig. Unter den vorgesehenen Vortragenden befanden sich Personen, die die Propaganda des autoritären aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev verbreiten. Sie verwenden Begriffe wie „West-Aserbaidschan“ und „Zangezur-Korridor“, die Teil einer gezielten politischen Strategie sind: Mit „West-Aserbaidschan“ wird die gesamte heutige Republik Armenien bezeichnet und damit deren Existenz infrage gestellt. Der sogenannte „Zangezur-Korridor“ soll eine Verbindung durch armenisches Staatsgebiet schaffen, das dadurch unter aserbaidschanisch-türkische Kontrolle geraten soll. Hinzu kommen die Leugnung des Völkermords an den Armeniern, die Negierung armenischer Geschichte und die Delegitimierung der armenischen Identität in Arzach (Bergkarabach) – während die Vertreibung und ethnische Säuberung von mehr als 120.000 Armeniern aus ihrer jahrtausendealten Heimat verschwiegen und die fortschreitende Zerstörung armenischer Kulturgüter systematisch ignoriert wird.
Besonders skandalös war die vorgesehene Präsentation von Vertretern der Heydar-Aliyev-Stiftung. Die Stiftung trägt den Namen des ehemaligen autoritären aserbaidschanischen Präsidenten Heydar Aliyev, der seinen Sohn, den heutigen autoritären Präsidenten Ilham Aliyev, vor 23 Jahren die Macht übergab.
Unter Ilham Aliyev werden seit der Vertreibung der armenischen Bevölkerung 19 armenische Kriegsgefangene in Baku festgehalten und gefoltert. Auch aserbaidschanische Journalisten, Menschenrechtsverteidiger und Oppositionelle werden verfolgt und inhaftiert. Freedom House stuft Aserbaidschan in seinem Bericht „Freedom in the World 2026“ mit lediglich 6 von 100 Punkten als „nicht frei“ ein. Damit liegt das Land sogar hinter Russland. Reporter ohne Grenzen führt das Land im Pressefreiheitsindex 2026 auf Platz 171 von 180 Staaten.
Von unabhängigen NGOs und freien Medien kann unter diesen Bedingungen nicht die Rede sein. Umso wichtiger ist es, genau zu prüfen, welchen Organisationen eine Bühne geboten wird. Regimenahe Organisationen und Akteure des autoritären aserbaidschanischen Präsidenten nutzen unter dem Deckmantel von NGOs, Wissenschaft und internationalem Dialog internationale Hochschulen als Plattform, um staatliche Propaganda zu verbreiten. Aserbaidschan ist zudem für seine sogenannte „Kaviar-Diplomatie“ bekannt, bei der einflussreiche Personen und Organisationen durch Geld, Geschenke und andere Vorteile für die Interessen des Regimes gewonnen werden sollen.
Aus diesen Gründen wurde auch der Vorschlag abgelehnt, sich auf der JKU gemeinsam mit Vertretern solcher Kreise über die armenische Geschichte und Identität rechtfertigen zu müssen. Die Leugnung des Völkermords, die Infragestellung der Republik Armenien sowie die Zerstörung armenischen Kulturerbes sind keine legitimen Gegenpositionen, die man im Namen einer vermeintlichen Ausgewogenheit auf eine akademische Bühne heben darf.
Mit besonderer Sorge stellen wir fest, dass auch an der JKU eine Mitarbeiterin solchen Akteuren und Positionen bereits in der Vergangenheit und bis heute eine Plattform bietet. Auf die konkreten Bedenken der armenischen Gemeinde ist sie mit keinem Wort eingegangen, zeigt sich jedoch nach der Absage der Konferenz lautstark empört.
Wir begrüßen die Absage und erwarten, dass sie Anlass für eine umfassendere Überprüfung an österreichischen Hochschulen wird – auch durch das Wissenschaftsministerium und das Bildungsministerium. Es muss sichergestellt werden, dass Universitäten Orte freier Wissenschaft und kritischer Auseinandersetzung bleiben. Demokratie, Menschenwürde und die Achtung der Menschenrechte müssen dabei unantastbare Grundwerte sein.
Rückfragen & Kontakt
Armenische Gemeinde in Österreich
E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF






