- 30.10.2026, 09:00:32
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Baustart für Wiens erstes „Low Traffic Grätzl“ in Meidling
Kostengünstiges Modell für mehr Verkehrsberuhigung im dicht bebauten Gebiet– neue FuZo Wolfganggasse, Begrünungselemente und neue Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum
Dieser Tage geht es los: Die ersten Arbeiten an Wiens erstem Low Traffic Grätzl (LTG) starten in Meidling rund um die Wolfganggasse, die bis Ende des Jahres verkehrsberuhigt umgestaltet und anschließend begrünt wird. Mit den Low Traffic Grätzln (LTG) werden Wohngebiete mit einfachen, kostengünstigen und rasch umsetzbaren Maßnahmen vom Durchzugsverkehr entlastet und gleichzeitig klimafit gestaltet. Die Stadt Wien setzt das Modell gemeinsam mit den Bezirken in den kommenden Jahren an weiteren Standorten um und fördert pro Bezirk mit 50.000 Euro.
„Wir haben uns hier von London inspirieren lassen, wo mit den ‚Low Traffic Neighbourhoods‘ seit vielen Jahren kostengünstige Maßnahmen für verkehrsberuhigte Wohngebiete mit eingeschränktem Durchgangsverkehr umgesetzt werden. In Zeiten knapper Budgets ist das auch für Wien ein tolles Konzept, um mit einfachen Mitteln für mehr Begrünung, weniger Lärm, bessere Luft und mehr Sicherheit in den Grätzln zu sorgen. Und davon profitieren die Menschen ganz unmittelbar. Ich freue mich sehr, dass wir hier nun gemeinsam mit dem Bezirk in Meidling das erste Low Traffic Grätzl umsetzen und bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis“, betont Planungsstadträtin Ulli Sima, die sich beim Bezirk für die gute Kooperation bedankt.
„In Meidling machen wir jetzt Platz fürs Grätzlleben. Rund um die Wolfganggasse nehmen wir den Durchzugsverkehr raus und schaffen neue Freiräume direkt vor der Haustür. Wie viel hier möglich ist, zeigt die Nachbarschaft längst mit ihren bepflanzten Beeten. Mit der neuen Fußgänger*innenzone geben wir diesem Miteinander noch mehr Raum“, freut sich Wilfried Zankl, Bezirksvorsteher von Meidling.
Neue klimafitte, bunt-gestaltete FuZo in der Wolfganggasse
Den Auftakt der Low Traffic Grätzl in Wien macht ein Pioniergebiet im Bereich rund um die Wolfganggasse in Meidling. Das Projekt erstreckt sich über mehrere Straßenzüge und umfasst das Gebiet zwischen Längenfeldgasse - Steinbauergasse - Siebertgasse – Arndtstraße. Das Herzstück ist die Wolfganggasse, welche sich ab Höhe der Hausnummer 14 bis zur Tichtelgasse zur Fußgänger*innenzone verwandelt. Dieser Bereich hat bereits heute durch liebevoll bepflanze Beete durch den Gartenverein Wolfganggasse eine hohe Aufenthaltsqualität, die durch neue Sitz- und Liegemöbel ergänzt wird. Die bisherige Fahrbahn wird durch bunte Bodenmarkierungen gestaltet und steht nun vorrangig den Fußgänger*innen und Radfahrer*innen zur Verfügung. Somit entsteht ein neuer Aufenthaltsbereich für Erholung, Spiel und zur Stärkung der Nachbarschaft im Grätzl.
Auch an den umliegenden Kreuzungen wird die Verkehrsführung neu organisiert. An den Kreuzungen Tichtelgasse/Fockygasse sowie Tichtelgasse/Schallergasse entstehen Diagonalfilter, die den Durchzugsverkehr unterbinden. Ergänzend werden Einbahnregelungen angepasst. Ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft werden ehemals auf der Donauinsel genutzte große Beton-Mistkübel als Pflanztröge wiederverwendet und als Diagonalfilter eingesetzt, sodass sie Verkehrsströme gezielt lenken. Gleichzeitig wird dadurch mehr Raum für Aufenthalt und Begegnung in Kreuzungsbereichen geschaffen. Das Zufahren bleibt weiterhin möglich. Neue Gehsteigvorziehungen an den Kreuzungsbereichen verbessern die Sichtbeziehungen und erhöhen damit zusätzlich die Verkehrssicherheit.
Die Mobilitäts- und Umweltsprecherin der NEOS Angelika Pipal-Leixner dazu: „Mit den Low Traffic Grätzln haben wir im rot-pinken Koalitionsabkommen den Bezirken die Möglichkeit gegeben, auch mit geringen budgetären Mitteln g’scheit was für den Hitzeschutz und die Lebensqualität weiterzubringen. Wo schattenspendende Bäume bereits vorhanden sind, machen weniger Verkehrslärm und mehr Sitzgelegenheiten die Gassen noch lebenswerter. Und das Unterbinden des Durchzugsverkehrs gibt Kindern den öffentlichen Raum zurück, den sie zum Spielen abseits der Bildschirme dringend brauchen.“
Mehr begrünte Aufenthaltsbereiche rund um die Wolfganggasse
Auch bei der Gestaltung steht die Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum im Mittelpunkt. Mobile Pflanztröge bringen zusätzliche Begrünung in das dicht bebaute Grätzl und sorgen gemeinsam mit neuen Sitzgelegenheiten für mehr Raum zum Verweilen, Ausruhen und Begegnen. Ein Hydrant wird mit einem Trinkaufsatz ausgestattet und steht damit künftig auch als Trinkmöglichkeit zur Verfügung. Neue Radbügel im Bereich Tichtelgasse/Malfattigasse schaffen zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und werten auch das Angebot für Radfahrende unmittelbar vor dem Schulstandort auf. So wird aus einem bislang stark vom Autoverkehr geprägten Straßenraum Schritt für Schritt ein grüneres, sichereres und attraktiveres Wohnumfeld.
Wie funktioniert ein „Low Traffic Grätzl“?
Im Zentrum der Low Traffic Grätzl steht die Verkehrsberuhigung. Um Schleichwege zu unterbinden, werden Einbahnen umgedreht oder sogenannte Diagonalfilter errichtet. Das heißt, dass an Kreuzungen Pflanztröge zur Umleitung des Verkehrs aufgestellt werden. Die Zufahrt für Lieferungen, Anrainer*innen, Einsatzfahrzeuge etc. bleibt bestehen, der Durchzugsverkehr wird unterbunden. Durch das Öffnen der Einbahnstraße für den Radverkehr in beide Richtungen, wird das Radfahren in alle Richtungen möglich sein.
Der dadurch neugewonnene Platz im Straßenraum kann für die Bewohner*innen genutzt werden: Mobile Bäume in Trögen, neue Sitzgelegenheiten oder Bodenmarkierungen schaffen mehr Raum zum Verweilen und attraktivieren die Wohngebiete. Als Vorbild fungieren die Londoner Low Traffic Neighbourhoods, wo ohne baulichen Maßnahmen Verkehrsberuhigung geschaffen wird. Dieser Planungsansatz nennt sich ‚Tactical Urbanism‘ – dabei werden Veränderungen im öffentlichen Raum rasch und kostengünstig umgesetzt.
Eine Voraussetzung für die Umgestaltung der Gebiete ist die Prüfung der möglichen verkehrsorganisatorischen Maßnahmen, um die Bereiche genau eingrenzen zu können. Danach werden entsprechende Gestaltungsmaßnahmen zur Aufwertung des öffentlichen Raums geplant und umgesetzt.
Die Grätzl müssen nicht gleich zur Gänze umgesetzt, sondern können auch schrittweise entwickelt werden - der Ausbau kann längerfristig erfolgen. Anhand eines Baukastensystems lassen sich die LTGs laufend sukzessive durch einzelne Maßnahmen ergänzen. Im Sinne der ressourcenschonenden und effizienten Entwicklung sind auch größtmögliche Synergien mit aktuellen und geplanten Vorhaben, wie der Radwegeausbau, Fernwärmeausbau, U-Bahnbau etc., zu nutzen.
Weitere LTG in Vorbereitung
Das erste Wiener „Low Traffic Grätzl“ in Meidling soll nicht das letzte bleiben. Für weitere Standorte in derzeit drei Bezirken laufen bereits Planungen. Als nächste sind Grätzl in Mariahilf, Rudolfsheim-Fünfhaus und Alsergrund vorgesehen. Sieben weitere Bezirke haben bisher Interesse gezeigt und werden aktuell geprüft. Für jeden Bezirk gibt es die Möglichkeit je ein Low Traffic Grätzl in dieser Legislaturperiode, d.h. bis 2030, umzusetzen, dafür steht ein Fördertopf von 50.000 Ꞓ pro Bezirk zur Verfügung.
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