• 29.10.2026, 14:17:03
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  • OTS0107

Anouk Lamm Anouk

Angels Never Die - And the Future Is Soft Until You Touch It

Star Schwarm & The Angels Have Become Animals, 2026
Linz (OTS) - 

In einer von visueller Überforderung und binären Strukturen geprägten Gegenwart formuliert das Werk der Künstler:in Anouk Lamm Anouk eine radikale Gegenposition: eine Ästhetik des Entzugs, der Stille und des Dazwischens. Getragen von dem programmatischen Postulat „No Age, No Gender, No Origin“ entzieht sich ihre künstlerische Praxis konsequent den Mechanismen klassischer Kategorisierungen.

So verhandelt Anouk Lamm Anouk im Malerei-Zyklus Lesbian Jazz, an dem sie seit 2019 arbeitet, queere und insbesondere lesbische Sichtbarkeit als gesellschaftliche und kunsthistorische Frage. Die Serie reagiert auf die anhaltende Unterrepräsentation lesbischer Lebensrealitäten in der bildenden Kunst und versteht Sichtbarkeit als eine Voraussetzung für Anerkennung und Normalisierung. Die Arbeiten verbinden figurative Szenen mit abstrakten Formen. Der Titel Lesbian Jazz verweist dabei auf die freie, improvisierte Qualität der Malerei: Wie im Jazz entstehen Beziehungen zwischen Formen und Körpern aus Rhythmus, Wiederholung, Verschiebung und spontaner Setzung. Die Serie verbindet so eine konkrete politische Forderung nach Sichtbarkeit mit einer offenen, nicht eindeutig festgelegten Form des Sehens.

Der zweiten malerischen Serie, die in der Ausstellung präsentiert wird, post/pre – ebenfalls seit 2019 fortlaufend –, liegt die Philosophie des Zen-Buddhismus zugrunde. Die Kompositionen bestechen durch einen beinahe asketischen Einsatz der künstlerischen Mittel, der eine Ästhetik der Leere versinnbildlicht. Dabei gelingt es Anouk Lamm Anouk, dieses Prinzip der Reduktion spirituell und emotional aufzuladen. So bleibt die ungrundierte Leinwand – das rohe, grobe Leinen – in Teilen sichtbar. Diese bewusste Freifläche ist jedoch nicht als Vakuum, sondern als Resonanzraum zu verstehen. Die Leere evoziert einen kontemplativen Zustand, der eine Verlangsamung der Wahrnehmung erfordert.

In Arbeiten wie Mother N°1, Star Schwarm und Katzenzungen (Cat Tongues) bricht Anouk Lamm Anouk die westliche, menschenzentrierte Hierarchie auf, indem sie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier neu ausrichtet. In der Darstellung von Tiergemeinschaften wie Herde oder Schwarm wird das Tier nicht als Projektionsfläche oder Metapher instrumentalisiert, sondern als gleichwertiges Subjekt begriffen. Das Individuum wird in seiner Verwobenheit mit dem Kollektiv und der Natur verhandelt – eine grundlegende Absage an die anthropozentrische Sichtweise.

Insgesamt lässt sich das OEuvre von Anouk Lamm Anouk als eine visuelle Phänomenologie des Seins begreifen. Es ist eine Einladung, das Denken in festen, binären Rastern und repressiven Strukturen zu hinterfragen. An deren Stelle setzt die Künstler:in die transformative, subversive Kraft der Weichheit, der radikalen Empathie und einer grenzenlosen Offenheit. Ein Werk, das keine dogmatischen Antworten liefert, sondern Fragen nach den Bedingungen unserer Existenz und dem kollektiven Zusammen- und Überleben überraschend neu stellt.

Anouk Lamm Anouk studierte Malerei und Bildhauerei an der Universität der Künste Berlin sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien und ist seit mehreren Jahren erfolgreich im internationalen Ausstellungs-betrieb vertreten. Die Ausstellung Angels Never Die – And the Future Is Soft Until You Touch It ist ihre erste museale Einzelausstellung in Österreich.

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OÖ Landes-Kultur GmbH
Stefanie Hintringer
Telefon: 0732/772052264

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