• 29.10.2026, 10:32:03
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Eine andere Schönheit - Sonderausstellung zu Meisterwerken japanischer Keramik ab 17.11. im KHM

Die Kunst, das Unvollkommene zu schätzen

Wien (OTS) - 

Ab 17. November widmet sich die Ausstellung „Eine andere Schönheit“ im Kunsthistorischen Museum einem über Jahrhunderte entwickelten Schönheitsideal in der japanischen Keramikkunst. Historische und zeitgenössische Werke aus der bedeutenden Sammlung Heinz Slunecko zeigen, wie Unregelmäßigkeit, Asymmetrie und Spuren des Feuers über Generationen als ästhetische Qualitäten geschätzt werden und weitergegebenes Wissen über Materialien und Brenntechniken bis heute bewahrt und weiterentwickelt wird.

Wenn das Unvollkommene schön ist

Während in Europa im 17. und 18. Jahrhundert von Sammler*innen wie Kurfürst August der Starke von Sachsen und Kaiserin Maria Theresia makellose, durchscheinende Porzellane hochgeschätzt wurden, entwickelte sich in Japan in Kennerkreisen – insbesondere im Umfeld der Teezeremonie (chanoyu 茶の湯) – eine Ästhetik, die das scheinbar Unvollkommene würdigt. Im 20. Jh wurde diese Ästhetik wabi-sabi (侘び寂び) genannt. Aber sie geht auf viel ältere Traditionen in der japanischen Tee-Zeremonie und die Haikus des 17. Jahrhunderts zurück. Besonders geschätzt werden Unregelmäßigkeit, Unvollständigkeit und Vergänglichkeit. Zeitgenössische Meistertöpfer steuern den komplexen Herstellungsprozess bewusst und bringen die Eigenschaften des Tons und die Spuren des Feuers zur Geltung.

Drei Zentren, drei keramische Welten

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen drei bedeutende Produktionszentren der japanischen Keramik: Bizen (備前), Hagi (萩) und Shigaraki (信楽). Ihre Keramiken unterscheiden sich durch die Beschaffenheit des lokalen Tons, die Formgebung und die Oberflächenwirkung.

Bizen ist für weitgehend unglasierte Gefäße bekannt, Hagi für feine Haarrisse in der Glasur, Shigaraki für groben Ton und raue, mineralisch gesprenkelte Oberflächen. Ergänzend sind Werke aus Iga zu sehen.

Die japanische Keramiktradition ist auch von kulturellem Austausch geprägt. So beeinflussten aus Korea stammende Töpfermeister die Produktion ab dem späten 16. Jahrhundert wesentlich. Im Umfeld der Teezeremonie entwickelten sich weitere Formen und ästhetische Vorstellungen, die insbesondere im japanischen Hochadel geschätzt wurden. Im 20. Jahrhundert trug die japanische Arts-and-Crafts-Bewegung (mingei 民芸) zur Wiederentdeckung und erneuten Wertschätzung dieser Traditionen bei und stärkte ihre Bedeutung innerhalb der zeitgenössischen japanischen Kultur.

Meisterschaft über Generationen

Die Keramikkunst genießt in Japan einen besonderen Stellenwert als traditionsreiche Kunstform, in der handwerkliches Können und individuelle Gestaltung eng verbunden sind. In Künstlerfamilien wird bis heute das Wissen über Ton, Brennöfen und Brenntechniken weitergegeben. Herausragende Vertreter dieser Kunst sind in Japan hoch angesehen und werden mit der Auszeichnung „Lebender Nationalschatz“ gewürdigt. Dazu zählen Kaneshige Tōyō (1956) und Miwa Kyūwa (1970), die als erste Keramikmeister aus Bizen beziehungsweise Künstler aus Hagi geehrt wurden. Zeitgenössische Meistertöpfer führen die Traditionen fort und entwickeln sie künstlerisch weiter.

Die Sammlung Heinz Slunecko wurde über mehr als drei Jahrzehnte bei Aufenthalten in Japan zusammengetragen. Sie umfasst Werke des 15. bis 21. Jahrhunderts und zählt zu den bedeutendsten ihrer Art außerhalb Japans.

Diese Ausstellung wird im Rahmen der Jahrespressekonferenz des KHM-Museumsverbands am 16. November, 10 Uhr, vorgestellt.

Anmeldungen unter: [email protected]

EINE ANDERE SCHÖNHEIT

MEISTERWERKE JAPANISCHER KERAMIK

Kunsthistorisches Museum

17. November 2026 bis 4. April 2027

Presseunterlagen

Rückfragen & Kontakt

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Mag. Dr. Wolfgang Lamprecht (ext. Leitung)
Mag. Sarah Aistleitner
Tanja Stigler

Telefon: +43 1 525 24 -4025/ -4019
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.khm.at/

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