- 28.10.2026, 10:56:02
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Korosec und Gerstorfer pochen auf Unterstützung für ein analoges Leben, fairen Arbeitsmarkt und Sozialpartner-Status
Seniorenrat präsentiert umfassendes Forderungs- und Maßnahmenpaket für die ältere Generation
Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz präsentierten die Präsidentinnen des Österreichischen Seniorenrates, LAbg Ingrid Korosec und Birgit Gerstorfer, MBA, wegweisende Beschlüsse, die darauf abzielen, die Situation älterer Menschen in Österreich nachhaltig zu verbessern. Die Kernpunkte umfassen eine großangelegte Initiative zur Sicherung eines analogen Lebens in einer zunehmend digitalen Welt, ein konkretes Vorgehen gegen die Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt sowie die längst überfällige Gleichstellung des Seniorenrates als vollwertigen Sozialpartner.
1. Projekt „Analoges Leben“: Ein bundesweites Beratungsnetzwerk für Ältere
Der Seniorenrat hat von Anfang an ein Recht auf ein analoges Leben eingefordert, damit staatliche Leistungen und Dienste der Daseinsvorsorge dauerhaft auch z.B. auf Papier, telefonisch oder persönlich zugänglich bleiben. Um diese Forderung in die Praxis umzusetzen, bereitet der Seniorenrat nun in Kooperation mit dem Sozialministerium den Aufbau eines bundesweiten, flächendeckenden Beratungsnetzwerks vor. Es geht um Informieren, Motivieren und Schulen der Seniorinnen und Senioren, damit diese auch digital affin werden.
- Persönliche Unterstützung vor Ort: Ab 2027 stehen Fördermittel bereit, um freiwillige „Analog-Berater:innen“ auszubilden.
- Beraten, Motivieren und Schulen: Nach dem Prinzip „Ältere helfen Älteren“ sollen diese Berater:innen an fixen Anlaufstellen oder bei Hausbesuchen bei analogen und digitalen Hürden unterstützen und auch helfen, digital affin zu werden.
- Rolle des Seniorenrates: Der Seniorenrat übernimmt federführend den Aufbau der Organisationsstruktur und die Schulung der Berater:innen. Ein umfassendes Projektkonzept wird derzeit erarbeitet.
2. Arbeitsmarkt für Ältere: Chancen statt Ausgrenzung – Einführung eines Bonus-Malus-Systems
Die Situation auf dem österreichischen Arbeitsmarkt ist für ältere Menschen alarmierend. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen 50+ steigt. Das Pensionsalter für Frauen steigt schneller, als ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen. Wer mit 60 Jahren seinen Arbeitsplatz verliert, hat nahezu keine Chance auf eine Wiedereinstellung.
Um das faktische an das gesetzliche Pensionsantrittsalter heranzuführen, bedarf es konkreter Handlungen und einer stärkeren Inpflichtnahme der Unternehmen. Reine Appelle an die Wirtschaft haben bisher nicht gefruchtet.
Aus diesem Grund hat der Seniorenrat beschlossen, das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) mit der Ausarbeitung konkreter Modellvarianten für ein Bonus-Malus-System zu beauftragen. Kernpunkte der Studie:
- Anreize schaffen: Betriebe, die überdurchschnittlich viele ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (insbesondere 60+) beschäftigen oder neu einstellen, könnten durch niedrigere Sozialversicherungsbeiträge (Lohnnebenkosten) belohnt werden.
- Sanktionen bei Diskriminierung: Unternehmen, die ältere Beschäftigte systematisch abbauen oder gar nicht erst einstellen, könnten im Gegenzug mit höheren Beiträgen sanktioniert werden.
- Praxistauglichkeit: Das vom WIFO zu erarbeitende Modell soll aufkommensneutral ausfallen, transparente Beschäftigungsquoten definieren und Branchenstrukturen sowie Unternehmensgrößen berücksichtigen. Im kommenden Jahr soll das Modell der Regierung zur Umsetzung vorgelegt werden.
3. Stärkung des Seniorenrates: Volle Anerkennung als Sozialpartner gefordert
Der Österreichische Seniorenrat vertritt seit seiner Gründung vor 50 Jahren die Interessen der älteren Generation und ist seit dem Jahr 2000 gesetzlich anerkannt. Nun fordern die Präsidentinnen Korosec und Gerstorfer den nächsten logischen Schritt: die faktische und rechtliche Gleichstellung mit den klassischen Sozialpartnern.
Die Demografie Österreichs hat sich gewandelt; Seniorinnen und Senioren bilden einen zentralen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktor. Themen wie Pensionssysteme, Pflege, Gesundheit und Kaufkrafterhalt betreffen mehr als 2,5 Millionen ältere Menschen in Österreich. Daher ist die traditionelle Sozialpartnerschaft um die Perspektive der älteren Generation zu erweitern.
Konkrete Forderungen an die Bundesregierung:
- Novellierung des Bundes-Seniorengesetzes: Der Seniorenrat muss von den zuständigen Regierungsmitgliedern zwingend in Verhandlungen und Begutachtungen von Gesetzgebungsverfahren eingebunden werden.
- Novellierung des ASVG (Allgemeines Sozialversicherungsgesetz): Bei jeglichen geplanten Abweichungen von der gesetzlichen Anpassungsautomatik bei Pensionen (z.B. Einmalzahlungen, Deckelungen) muss eine zwingende Verhandlungspflicht mit dem Seniorenrat gesetzlich festgeschrieben werden, um ein Einvernehmen herzustellen.
- Sitz im Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen: Da dieser Beirat heute das maßgebliche Gremium der Sozialpartnerschaft für wirtschafts- und sozialpolitische Analysen ist, fordert der Seniorenrat die Aufnahme durch ständige Vertreterinnen und Vertreter in dieses Gremium. Ein entsprechendes Schreiben ist bereits am 12. Oktober an die Parteispitzen ergangen.
4. Schutz vor Desinformation und digitalem Betrug
Ein Problembereich, der in unserer zunehmend digitalisierten Gesellschaft stetig wächst, sind gezielte Falschinformationen, Fake News und digitaler Betrug. Diese Phänomene bestimmen leider immer mehr den Alltag und stellen nicht nur eine Herausforderung für die demokratische Gesellschaft dar, sondern führen besonders bei der älteren Generation zu großer Verunsicherung.
Um Ältere in dieser komplexen digitalen Umgebung nicht alleinzulassen, sieht der Seniorenrat auch hier dringenden Handlungsbedarf. Ziel ist es, älteren Menschen Ängste zu nehmen, ihnen Sicherheit zu vermitteln und sie widerstandsfähiger gegen digitale Bedrohungen zu machen. Dafür sollen in den Seniorenorganisationen maßgeschneiderte Schulungsprogramme nach dem "Train-the-Trainer"-Prinzip angeboten werden.
Rückfragen & Kontakt
Österreichischer Seniorenrat
Mag. Wolfgang Braumandl
Telefon: +43 1 8923465
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