- 27.10.2026, 10:53:02
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„Menschen & Mächte“-Neuproduktion über „Hermann Gmeiner und die SOS-Kinderdorf-Idee: Wie ein Retter zum Täter wurde“
Am 29. Oktober um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON
Jahrzehntelang war Hermann Gmeiner eine „Lichtgestalt“ der Zweiten Republik. Gmeiners SOS-Kinderdörfer wurden als „Inseln der Liebe“ gefeiert. Als „Retter der verlassenen Kinder“ wurde Gmeiner mehr als hundert Mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Heute erschüttern immer mehr Berichte über historische und aktuelle Missbrauchsfälle – in SOS-Kinderdörfern, auch durch Hermann Gmeiner selbst – die Öffentlichkeit. Die „Menschen & Mächte“-Neuproduktion „Hermann Gmeiner und die SOS-Kinderdorf-Idee: Wie ein Retter zum Täter wurde“ von Robert Gokl analysiert am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON die Anfänge der in mehr als 130 Ländern tätigen Kinderhilfsorganisation und die Biografie ihres Gründers Hermann Gmeiner.
„Mein Elternhaus bedeutete für mich immer Schutz und Geborgenheit.“ Hermann Gmeiner beschrieb seine Kindheit immer wieder als eine Zeit der Liebe und der Geborgenheit, trotz des frühen Tods seiner Mutter. Die Wirklichkeit sah anders aus, harte Arbeit und Armut bestimmten den Alltag. „Diese Kindheit hat eine große Leere in seinem Inneren hinterlassen, die zu füllen er nie imstande gewesen ist“, so Historiker Horst Schreiber.
Als Präsident von SOS-Kinderdorf arbeitete Gmeiner rastlos daran, die SOS-Kinderdorf-Idee zuerst in Österreich und dann in fast allen Ländern der Welt zu verbreiten. Irmgard Gries, Leiterin der SOS-Kinderdorf-Reformkommission: „Hermann Gmeiner hat Großes geschaffen und vielen Kindern eine Heimat gegeben. Und er hat gleichzeitig Kinder missbraucht, Buben im Alter zwischen sechs und zwanzig Jahren.“ Hedwig Wölfl, Mitglied der SOS-Kinderdorf-Reformkommission: „Wie Weinstein, Epstein, Teichtmeister, Mühl, Paal oder aus dem kirchlichen Bereich Hermann Groer und Abbé Pierre war auch Hermann Gmeiner ein mächtiger und berühmter Mann, dessen Opfern lange nicht geglaubt wurde.“
Jahrzehntelang war Hermann Gmeiner nach außen das Gesicht von SOS-Kinderdorf, seine Medienauftritte unverzichtbar für das außergewöhnlich erfolgreiche Spendenmarketing der Organisation. Innerhalb von SOS-Kinderdorf war er patriarchaler „Alleinherrscher“. Für Horst Schreiber ist klar: „Da gab es eine Struktur des systematischen Vertuschens.“ Auch nach seinem Tod blieb Gmeiner bis 2025 die verklärte und unbestrittene Gründerfigur von SOS-Kinderdorf.
Heute steht nicht nur SOS-Kinderdorf vor der Frage: Wie gehen wir mit einem Täter um, der nach heutigen Erkenntnissen verabscheuungswürdige Verbrechen begangen hat, aber auch einen wesentlichen Beitrag geleistet hat, dass vielen Tausenden Kindern geholfen werden konnte? Hedwig Wölfl: „Was im letzten Jahr bekannt wurde an Skandalen, das rüttelt auf. Eine Organisation, die so im Licht der Öffentlichkeit steht, hat einen besonderen Auftrag, sich zu reformieren und genau hinzuschauen, wo es Verbesserungen braucht.“
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