- 27.10.2026, 08:00:32
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Gefährliche Bronchiektasen: Wenn Husten zum Dauerzustand wird
ÖGP-Kongress: Chronische Lungenerkrankung Bronchiektasen - lange unterschätzt, oft spät erkrannt, heute aber behandelbar
Chronischer Husten, zähflüssiger oder eitriger Auswurf, wiederkehrende, oft schwere Atemwegsinfekte: Immer mehr Menschen leiden an Bronchiektasen, einer chronischen Lungenerkrankung, die bisher als „Orphan Disease“, also als seltene Erkrankung, galt.
Internationale Studien zeigen: Die Zahl der diagnostizierten Fälle steigt weltweit. Auch in Österreich wird mit einer Zunahme gerechnet – darauf wiesen Expert*innen im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, (22. bis 24. Oktober 2026 in Salzburg) hin.
Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, aber behandelbar. Entscheidend ist eine frühzeitige Diagnose, um weitere Krankheitsschübe und Lungenschäden möglichst zu verhindern. Und die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in jüngster Zeit erweitert: Neben den bewährten Therapien steht nun auch ein Medikament zur Verfügung, das gezielt in den Entzündungsprozess der Bronchien eingreift.
Keine Seltenheit – aber häufig übersehen
Die Erkrankung wird weltweit immer häufiger diagnostiziert. In Deutschland sind mehr als 100.000 Menschen betroffen, das entspricht rund 120 von 100.000 Einwohner*innen. „Bronchiektasen kommen häufiger vor als gedacht, sie werden jedoch zu selten erkannt. Viele Betroffene leben jahrelang mit Husten und Auswurf, ohne dass jemand der Ursache auf den Grund geht“, erklärt Prim. Clin. Ass. Prof. DDr. Klaus Hackner, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems und Medienreferent der ÖGP, anlässlich der ÖGP-Jahrestagung.
„Schleimfalle“ Bronchien
Die Ursachen für Bronchiektasen sind vielfältig. Doch unabhängig davon, wodurch die Erkrankung ausgelöst wird, entsteht in den Bronchien stets ein ähnlicher Ablauf.
„Bei Bronchiektasen sind einzelne Äste der Bronchien, also der Atemwege, dauerhaft krankhaft erweitert und können auch Aussackungen bilden. Diese Veränderungen stören die natürliche Selbstreinigungsfunktion der Lunge und bilden sich nicht mehr zurück. Es sammelt sich darin Schleim an, der nur schwer abgehustet werden kann, wodurch Krankheitserreger ideale Bedingungen vorfinden“, erläutert Lungenspezialist Hackner.
Ein Teufelskreis entsteht: Der Schleimstau begünstigt das Entstehen von Infektionen, diese lösen Entzündungen aus, die wiederum die Bronchialwände weiter schädigen.
Jeder Krankheitsschub kann Lunge weiter schädigen
„Besonders problematisch sind akute Krankheitsschübe, sogenannte Exazerbationen, bei denen Husten, Auswurf und Atemnot innerhalb kurzer Zeit deutlich zunehmen. Jeder dieser Schübe kann die Lunge weiter schädigen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen“, betont Hackner.
Alarmzeichen: Husten, Auswurf und immer wieder Infekte
Typisch für Bronchiektasen ist ein über Wochen oder Monate anhaltender Husten, meist verbunden mit regelmäßigem, oft reichlichem Auswurf („maulvoller Auswurf“). Dazu können Atemnot bei körperlicher Belastung, wiederkehrende Atemwegsinfekte, die eine Antibiotikabehandlung erfordern, sowie ausgeprägte Müdigkeit und Abgeschlagenheit kommen. Gelegentlich findet sich auch Blut im Auswurf.
Richtige Diagnose ist entscheidend
Gerade weil diese Beschwerden auch bei anderen Atemwegserkrankungen auftreten, wird die Diagnose häufig verzögert. Sicher feststellen lassen sich Bronchiektasen mittels Computertomografie der Lunge, bei der die krankhaften Erweiterungen der Bronchien sichtbar werden.
„Entscheidend ist, dass die Erkrankung überhaupt erkannt wird. Erst mit der richtigen Diagnose können wir gezielt behandeln, und je früher wir damit beginnen, desto mehr Krankheitsschübe lassen sich vermeiden und desto höher ist die Lebensqualität, die erhalten bleibt“, betont Hackner.
Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt die ÖGP eine ärztliche Abklärung, am besten bei Lungenfachärzt*innen oder in einem spezialisierten Lungenzentrum.
Neue Therapie greift gezielt in die Entzündung ein
Im Zentrum der Behandlung steht vor allem, den Schleim aus den Atemwegen zu entfernen, Infektionen zu bekämpfen und weitere Lungenschäden möglichst zu verhindern. Basis ist die tägliche Reinigung der Atemwege mittels Atemphysiotherapie und spezieller Techniken, um den Schleim zu lösen und abzuhusten. Dazu kommt bei Bedarf die Gabe von Antibiotika. Und Begleiterkrankungen wie Asthma oder COPD müssen natürlich auch behandelt werden.
Nun gibt es eine wichtige therapeutische Neuerung: Mit dem Wirkstoff Brensocatib steht erstmals ein Medikament zur Verfügung, das gezielt an der Entzündung in den Bronchien ansetzt. In einer großen internationalen Studie konnte damit die Zahl akuter Krankheitsschübe um rund ein Fünftel gesenkt werden.
„Das ist ein wichtiger Fortschritt für Menschen, die trotz konsequenter Behandlung immer wieder Krankheitsschübe erleiden. Wir können nun erstmals gezielt in einen wesentlichen Entzündungsmechanismus eingreifen. Allerdings ist das Medikament nicht für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet. Die Entscheidung muss individuell getroffen werden“, erläutert Hackner.
Besonders erfreulich: Österreich gehörte zu den ersten europäischen Ländern, in denen diese neue Therapie bereits abseits von Studien verordnet werden kann. Österreichische Lungenfachärzt*innen haben den Stellenwert der Behandlung in einem eigenen Expert*innenstatement bewertet.
Resümee: Warnsignal Husten – immer beachten!
Abschließend fasst ÖGP-Medienreferent Hackner zusammen: „Als Faustregel gilt: Husten, der länger als acht Wochen anhält, muss ärztlich abgeklärt werden. Und: Blut im Auswurf gehört immer sofort untersucht. Entscheidend ist, dass die Erkrankung frühzeitig erkannt wird und wir möglichst früh mit der Behandlung beginnen können.“
Fotos und alle Pressemeldungen zum Kongress finden Sie hier
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