- 20.10.2026, 14:40:32
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Wenn die Arbeitswelt schneller ist als der Lehrplan: Warum Bildungsqualität neue Maßstäbe braucht
Schule ist keine Produktionsstraße: Expert:innen aus Wissenschaft, Bildungspolitik und Zukunftsforschung diskutierten zukunftsweisende Wege für die Schulen von morgen.

Wie bereitet man junge Menschen auf Berufe vor, die heute noch gar nicht existieren? Angesichts von Künstlicher Intelligenz, demografischem Wandel und wirtschaftlichen Umbrüchen verändern sich die Anforderungen des Arbeitsmarktes rasant – oft schneller, als Lehrpläne angepasst werden können. Dass es darauf neue Antworten braucht, zeigte das 4. BarCamp des Partnerschulen-Netzwerks Berufsbildung am 19. Oktober 2026 in Wien.
Unter dem Motto „Qualität macht (Hoch-)Schule“ trafen wissenschaftliche Perspektiven auf die schulische Praxis. Der Tenor: Die Vermittlung rein technischer Fähigkeiten reicht längst nicht mehr aus.
Futures Literacy: Zukunft als Unterrichtsfach?
„Wer Zukunft lediglich als Fortschreibung der Gegenwart versteht, beschränkt seine eigenen Gestaltungsmöglichkeiten“, pointierte Zukunftsforscher Klaus Kofler (FDA) in seinem Impuls zu Futures Literacy. Er forderte dazu auf, „Zukunftszeit“ bewusst in den Schulalltag zu integrieren. Jugendliche müssen lernen, Unsicherheiten auszuhalten und sich in verschiedenen, noch völlig offenen Zukunftsszenarien zurechtzufinden. Technologischer Wandel verlangt vor allem menschliche Entwicklungsfähigkeit.
Dass sich Bildung nicht wie am Fließband abarbeiten lässt, betonte auch Dr. Michaela Jonach (BMB): „Lernen lässt sich nicht wie ein technischer Prozess standardisieren.“ Es brauche neben verbindlichen Rahmenbedingungen vor allem Freiräume und Eigenverantwortung für die Schulen, um auf die komplexe Lebensrealität der Schüler:innen reagieren zu können.
Berufsbildung unter Druck: Der Wettlauf mit der Realität
Wie dynamisch die Lage tatsächlich ist, untermauerte Mag. Julia Bock-Schappelwein (WIFO). Die Berufsbildung steht vor der paradoxen Aufgabe, punktgenau auf aktuelle berufliche Anforderungen vorzubereiten (Stichwort: Fachkräftemangel), aber gleichzeitig Resilienz und Kompetenzen für eine völlig ungewisse Zukunft zu vermitteln.
Hier setzt das Partnerschulen-Netzwerk Berufsbildung als Brückenbauer:in an, wie Vizerektor HS-Prof. Mag. Dr. Norbert Kraker zur Eröffnung betonte. Hochschulen bringen die Forschung ein, die Schulen die unmittelbare Erfahrung gesellschaftlicher Veränderungen. „Schule muss Hochschule verstehen – und Hochschule Schule“, so Kraker.
Einigkeit herrschte bei der abschließenden Podiumsdiskussion darüber, dass die österreichische Berufsbildung – nicht zuletzt sichtbar durch die Erfolge bei den EuroSkills und WorldSkills – enormes Potenzial hat. Qualität darf jedoch nicht mehr nur an standardisierten Tests gemessen werden. Echte Bildungsqualität zeigt sich heute daran, ob junge Menschen Selbstwirksamkeit erfahren und den Mut entwickeln, in einer „wilden Welt“ eigene Wege zu gehen.
Über das Partnerschulen-Netzwerk Berufsbildung:
Das Partnerschulen-Netzwerk Berufsbildung verbindet das Institut Sekundarstufe Berufsbildung (I:SBB) der Pädagogischen Hochschule Wien mit berufsbildenden Schulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Ziel ist eine nachhaltige Zusammenarbeit in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrerpersonen der Berufsbildung. Es ist ein zentraler Baustein des bundesweiten Schwerpunkts „Duale Professionalisierung in der Berufsbildung (Aus-, Fort- und Weiterbildung)“ der PH Wien.
Weitere Informationen und Details zum Netzwerk finden Sie unter:
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