• 20.10.2026, 10:32:02
  • /
  • OTS0059

Präventionsbilanz der Sozialversicherung: Mehr Geld allein reicht nicht – Österreich braucht einen Präventionsplan mit klaren Zielen

Apothekerkammer begrüßt die gestiegenen Mittel, vermisst aber eine Gesamtstrategie. Mit bis zu 600.000 Kontakten täglich können Apotheken Prävention zu allen Menschen bringen.

Wien (OTS) - 

Die Österreichische Apothekerkammer begrüßt die erste Präventionsbilanz des Dachverbands der Sozialversicherungsträger. Dass die Ausgaben für Prävention in nur zwei Jahren um ein Fünftel gestiegen sind, ist ein wichtiges Signal. Die Bilanz zeigt aber auch, was fehlt: Es gibt viele gute Einzelmaßnahmen, jedoch keine Gesamtstrategie, die festlegt, wohin Österreich bei der Gesundheitsvorsorge eigentlich will.

Prävention darf keine Frage des Wissens und keine Frage des Geldbeutels sein

Heute profitieren vor allem jene Menschen von Vorsorgeangeboten, die davon wissen und sie aktiv einfordern. Wer wenig Informationen hat oder sich im Gesundheitssystem schwer zurechtfindet, bleibt oft außen vor.

Dazu kommt eine zweite Hürde: Die Sozialversicherung finanziert bisher keine Präventionsangebote in Apotheken. Ob gezielte Programme zur erweiterten Medikationsberatung bei der Einnahme mehrerer Medikamente (Medikationsanalyse), die Einweisung in die richtige Inhalationstechnik (z.B. bei Asthma oder COPD) oder Angebote zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes. Mit der e-card können die Menschen diese Leistungen in der Apotheke nicht in Anspruch nehmen. Wer sie nutzen will, muss selbst bezahlen.

„Die Präventionsbilanz zeigt: Es wird mehr investiert, aber es fehlt das Ziel. Und die Schere zwischen jenen, die von Vorsorge profitieren, und jenen, die sie nicht erreicht, darf nicht weiter aufgehen. Prävention muss fair sein und alle Menschen in Österreich erreichen, nicht nur die gut Informierten und nicht nur jene, die es sich leisten können“, so Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.

Nationaler Präventionsplan bis 2030

Die Apothekerkammer fordert einen mehrjährigen Präventionsplan, der drei Fragen beantwortet:

  • Welche konkreten Ziele sollen bis wann erreicht werden?
  • Mit welchen Angeboten sollen diese Ziele erreicht werden?
  • Wie kommen diese Angebote zu den Menschen?

Vom Such- zum Empfehlungssystem: das persönliche Präventionskonto

Heute müssen Menschen selbst herausfinden, welche Vorsorge für sie sinnvoll ist. Das soll sich ändern. Ein persönliches Präventionskonto auf der e-card, angebunden an bestehende eHealth-Strukturen, schlägt allen Versicherten auf Basis evidenzbasierter Kriterien die für sie passenden Maßnahmen vor. Der Datenschutz wird dabei strikt gewahrt.

Ein jährliches, zweckgebundenes Guthaben macht die Angebote einfach einlösbar: für Impfungen, Screenings, Blutzucker- und Cholesterinmessungen oder Beratung. Eingelöst wird dort, wo die Leistung qualitätsgesichert erbracht wird und für die Menschen gut erreichbar ist, in der Arztpraxis, im Labor oder in der Apotheke. Die Entscheidung bleibt immer freiwillig.

Apothekerinnen und Apotheker umfassend einbinden

Bis zu 600.000 Menschen kommen täglich in Österreichs Apotheken. Damit ist die Apotheke der meistfrequentierte Versorgungsort im niedergelassenen Bereich. Dahinter stehen ihr niederschwelliger Zugang sowie die langen Öffnungszeiten.

Dass Prävention in der Apotheke wirkt, zeigen Beispiele aus der Praxis. In Kärnten haben 2024 50 Apotheken gemeinsam mit dem Land knapp 5.200 Langzeitblutzucker-Messungen durchgeführt. Dabei wurden 1.923 Fälle von Prädiabetes und 178 Diabeteserkrankungen erkannt, die ohne dieses Angebot unentdeckt geblieben wären.

Bei den Wiener Herzwochen 2024 wurde in Apotheken das Herz-Kreislauf-Risiko von 445 Personen untersucht. Bei mehr als einem Fünftel zeigte sich ein hohes Risiko. Etwa die Hälfte der Risikopatient:innen ging innerhalb von drei Monaten zur Ärztin oder zum Arzt, bei 43 Prozent wurde danach eine Therapie neu begonnen oder angepasst.

„Präventionsangebote in den Apotheken ergänzen ärztliche Vorsorgeangebote. Die Apotheke ist der Ort, an dem Risiken früh auffallen und Menschen gezielt unterstützt werden. Wer Prävention für alle will, muss sie dorthin bringen, wo die Menschen ohnehin sind“, so Raimund Podroschko, 1. Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.

Gemeinsam umsetzen

Die Apothekerkammer fordert, dass Präventionsleistungen in Apotheken künftig von der Sozialversicherung finanziert und mit der e-card in Anspruch genommen werden können. Sie bietet an, sich aktiv an der Erarbeitung des Präventionsplans zu beteiligen und das Präventionskonto in einer Pilotregion gemeinsam mit der Sozialversicherung zu erproben. Die Apothekerschaft bringt dafür eine österreichweit einheitliche Leistungserbringung und mit der Pharmazeutischen Gehaltskasse eine zentrale Abrechnungsstelle mit.

Rückfragen & Kontakt

Österreichische Apothekerkammer
Telefon: 01 404 14 - 600
E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | APO

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel