• 20.10.2026, 10:00:42
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Präventionsbilanz 2025 der Sozialversicherung

Sozialversicherung legt erstmals Präventionsbilanz: Präventionsausgaben steigen stärker als Krankheitsausgaben – 4,4 Milliarden Euro für Vorsorge

Wien (OTS) - 

Der Dachverband der Sozialversicherungen legt erstmals eine „Präventionsbilanz“ mit dem Ziel vor, eine gebündelte und transparente Darstellung der Aufwendungen für Prävention und Gesundheitsförderung sowie ihrer Entwicklung zu geben. Investitionen in Prävention werden von allen drei Zweigen (KV, UV, PV) der Sozialversicherung getragen und spielen bei allen fünf SV-Trägern eine wichtige Rolle. Die Zusammenschau der Präventionsausgaben aller Sozialversicherungszweige zeigt ein Gesamtvolumen von 4,4 Milliarden Euro. Die Investitionen in den Sektor der Gesundheitsförderung und Primärprävention (Krankheitsverhütung) sind in der „Nach-Corona-Zeit“ von 2023 bis 2025 um 33 Prozent gestiegen, Investitionen in Sekundärprävention (Krankheitsfrüherkennung) um 21 Prozent. Insgesamt sind die Präventionsausgaben in diesem Zeitraum deutlich stärker gewachsen als die Krankheitsausgaben. Das zeigt, die gezielte Vorsorgepolitik der Sozialversicherung zeigt Wirkung. Die Sozialversicherung wird auch in Zukunft weitere Anstrengungen in den Präventionsausbau stecken. Mehr gesunde Lebensjahre sind sowohl aus individueller als auch aus systemischer Sicht eine Investition in die Zukunft.

Vorsorgeleistungen wachsen stärker als Krankheitsleistungen

In den Jahren 2023 bis 2025 wurden – nicht zuletzt durch den neuen Zielsteuerungsvertrag zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung – entscheidende Weichenstellungen zur Stärkung der Prävention vorgenommen. Im Bereich der Sozialversicherung schlägt das mit einer deutlichen Intensivierung der Präventionsleistungen zu Buche. Der Aufwand für Gesundheitsförderung und Prävention ist in den zwei Jahren von 2023 bis 2025 um 21 Prozent gewachsen und damit deutlich stärker als jener für die Krankenversorgung (+17 Prozent). Das ist vor allem auf die deutliche Stärkung der Gesundheitsförderung und Primärprävention (Krankheitsvermeidung) sowie den Bereich der Sekundärprävention (Früherkennung) zurückzuführen.

Gesundheitsförderung und Primärprävention seit 2023 um 33 Prozent ausgeweitet

Die deutliche Stärkung dieses Bereiches wird von Experten empfohlen und von der Gesundheitspolitik gewünscht. Prävention ist insbesondere angesichts der demografischen Entwicklung eine Investition in die Zukunft. Die Entwicklungsrichtung, in die die SV steuert, geht somit in die richtige Richtung. Strategisch werden jene Bereiche angesteuert, die der Präventionsstrategie entsprechen und die auf die Herausforderungen der aktuellen Lebenswirklichkeiten ausgerichtet sind. Konkrete Beispiele für Fortschritte in diesem Bereich zwischen 2023 und 2025 sind:

  • Ausweitung der Impfprogramme für Kinder und Erwachsene:
    Zusätzlich zum Finanzierungsbeitrag für das Kinderimpfprogramm oder die FSME-Impfung leistet die Sozialversicherung seit 2024 30 Mio. Euro jährlich für das öffentliche Erwachsenenimpfprogramm (Grippe, HPV, Herpes Zoster, Pneumokokken).
  • Betriebliche Gesundheitsförderung und Arbeitssicherheit:
    Die ÖGK betreut mittlerweile über 4.000 Betriebe bei der Umsetzung von Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung und hat damit bereits 750.000 Beschäftigte erreicht. 60 Prozent aller Klein- und Mittelbetriebe bis 50 Arbeitnehmer werden durch die AUVA arbeitsmedizinisch und sicherheitstechnisch betreut. Die Betreuungsstunden wurden seit 2023 um 10,2 Prozent ausgeweitet.
  • Bewegungsförderung im Freien:
    Sport im Freien boomt – die Initiative „Bewegt im Park" liefert die Kurse dazu. Im Vorjahr konnten 134.314 Personen für die insgesamt 714 angebotenen Kurse österreichweit gewonnen werden. Steigerung 2023 auf 2025: +16,7 Prozent.
  • Übergewicht bei Kindern:
    Aufbau des Programms „Easykids“ der ÖGK für Familien mit übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen. Ziel ist die Begleitung von Familien und ihren Kindern auf dem Weg zu einem gesunden und aktiven Lebensstil.

Sekundärprävention (Krankheitsfrüherkennung) massiv gestärkt

Der Bereich der Krankheitsfrüherkennung konnte finanziell seit 2023 um 21 Prozent aufgewertet werden. Hier sind vor allem große und bekannte Programme der Krankenversicherung wie die Vorsorgeuntersuchung, die Jugendlichenuntersuchung für Lehrlinge, die Krebsfrüherkennungsprogramme im niedergelassenen Bereich (Mammographie, PAP-Abstrich, Koloskopie, Muttermalkontrolle, etc.) oder der Eltern-Kind-Pass zu nennen.

Rekordteilnehmerzahl bei der Vorsorgeuntersuchung

Jede Österreicherin und jeder Österreicher über 18 Jahre hat das Recht auf eine jährliche Vorsorgeuntersuchung (VU). Im Jahr 2025 konnte erstmals eine Teilnahmerate von 20 Prozent der Bevölkerung erreicht werden (1,5 Millionen). Das ist nicht zuletzt durch gezielte Einladungsprogramme der Sozialversicherung unterstützt worden. Die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen des allgemeinen Programmes konnte in den letzten 2 Jahren um 13,4 Prozent gesteigert werden. Besonders erfreulich ist, dass die Inanspruchnahme des gynäkologischen Untersuchungsprogrammes der VU um 31,7 Prozent gegenüber 2023 gestiegen ist.

Mit der Jugendlichenuntersuchung für Lehrlinge konnten 27.000 Lehrlinge erreicht werden, Das entspricht einer Teilnahmerate von 73,6 Prozent der Zielpersonen und einer Steigerung gegenüber den Vorjahren.

Besonders wichtig ist die Krebsfrüherkennung bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und in organisierten Screeningprogrammen. Die Steigerungsraten beim Aufwand für Mammographie, PAP-Abstrich oder Muttermalkontrolle liegen gegenüber dem Jahr 2023 bei jeweils über 20 Prozent.

„Prävention und Gesundheitsvorsorge sind die besten Maßnahmen, um systemischen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel entgegenzuwirken und um unser Gesundheitssystem auch für zukünftige Generationen finanzierbar zu halten. Wer jetzt in Prävention investiert und Gesundheitskompetenz fördert, profitiert später vielfach. Es ist daher auch wichtig, dass wir als Sozialversicherung auf Angebotsseite entsprechende Maßnahmen bereitstellen, die die Versicherten möglichst lange gesund halten. Ein Vorzeigebeispiel ist die Vorsorgeuntersuchung, mit der wir im Jahr 2025 knapp 1,5 Millionen Versicherte erreicht haben und knapp 260 Millionen Euro investiert haben. Dabei reicht es nicht aus, nur auf Angebotsseite einen Leistungsausbau voranzutreiben, wir müssen auch alles daransetzen, die Gesundheitskompetenz der Versicherten weiter zu stärken, um auch in Zukunft mit Versichertengeldern planvoll umgehen zu können“, so der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, Peter McDonald.

Leistungsausweitung beim Eltern-Kind-Pass

Ein Meilenstein ist die Ausweitung des Programmes für den Eltern-Kind-Pass. Ab Oktober 2026 kommt ein neues Gesundheitsgespräch, eine zusätzliche Hebammenberatung, ein zusätzlicher Ultraschall, eine allgemein- und Familienmedizinische Untersuchung, eine frühere Abklärung des Diabetesrisikos oder ein gezielterer Blick auf weitere Risikofaktoren hinzu. Die finanziellen Auswirkungen auf die Präventionsbilanz der Sozialversicherung werden hier jedoch erst im Jahr 2027 sichtbar.

„Gesundheit und Lebensqualität muss allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein. Dafür ist Prävention ein wesentlicher Baustein. Denn Gesundheit darf keine Frage des Einkommens oder der Lebensumstände sein. Ein Vorzeigebeispiel für die Steigerung der Gesundheit von Kind und Mutter ist der Eltern-Kind-Pass und die darin vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen. Ebenso hervorzugeben ist zur Früherkennung von Krankheiten: das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm. Es zeigt, wie wichtig niederschwellige und qualitätsgesicherte Vorsorgeangebote sind, um Erkrankungen möglichst früh zu entdecken. Unser Anspruch als Sozialversicherung ist es, allen Menschen die Chance auf ein gesundes Leben zu geben – unabhängig von ihrer sozialen Situation. Denn wer Prävention stärkt, schützt nicht nur die Gesundheit jedes Einzelnen, sondern stärkt auch die gesamte Versichertengemeinschaft“, betont die stellvertretende Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, Claudia Neumayer-Stickler.

Dynamische Entwicklung der Prävention im internationalen Vergleich

Österreich hält bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Prävention mit den Nachbarländern Deutschland und Schweiz mit. Österreich liegt bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Prävention vor der Schweiz, hat jedoch noch Aufholbedarf gegenüber Deutschland. Die Dynamik der Entwicklung der Präventionsausgaben seit 2019 ist in Österreich jedoch deutlich stärker ausgeprägt als in der Schweiz oder Deutschland.

Ausblick: Präventionsinvestitionen sind Investitionen in die Zukunft

Prävention ist eine Investition in mehr gesunde Lebensjahr und damit auch in die Zukunft des Gesundheitssystems. Entscheidend sind jedoch zielgerichtete und zielgruppenspezifische Maßnahmen. Das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm zeigt, wie organisierte Screenings mit Einladesystem dazu beitragen können, Erkrankungen früher zu erkennen, Ressourcen gezielter einzusetzen und komplexe Krankheitsverläufe zu vermeiden. Präventionsmaßnahmen können zudem andere Bereiche entlasten: Das Toxoplasmose-Screening im Eltern-Kind-Pass bietet beispielsweise Einsparungspotenziale für die Sozialversicherung ebenso wie für das Bildungs- und Sozialwesen.

Die Präventionsbilanz der Sozialversicherung fällt positiv aus: Die Ausgaben steigen, Angebote werden ausgebaut und wichtige Vorsorgeleistungen stärker in Anspruch genommen. Der Weg zu einer gesundheitsförderlichen Gesellschaft ist dennoch weit. Umso wichtiger ist es, Präventionsangebote weiterzuentwickeln, die Gesundheitskompetenz zu stärken und die Mittel der Versicherten langfristig zielgerichtet einzusetzen.

Rückfragen & Kontakt

Dachverband der Sozialversicherungsträger (DVSV)
Caroline Göschl, BA MA
Telefon: +4366488839072
E-Mail: [email protected]
Website: http://www.sozialversicherung.at/

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