- 19.10.2026, 11:28:32
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Mehr Power für den Überflutungsschutz: Europas größte Regenwasserpumpe auf der Donauinsel ist einsatzbereit
Planungsauftrag für unterirdisches Speicherbecken und zweite Abwasserleitung unter der Donau.
Das Pumpwerk Donauinsel ist das größte und leistungsfähigsten Abwasserpumpwerke Europas. Es wurde im Zuge der Errichtung der Donauinsel als Teil eines großen Abwasserinfrastrukturprogramms zwischen 1970 und 1980 errichtet und zählt zu den wichtigsten Bausteinen im Wiener Abwassersystem. Nach dem erfolgreichen Einsatz gegen das verheerende Unwetter im September 2024 erhielt es nun ein umfassendes Update. Neben der baulichen und energetischen Sanierung des Gebäudes wurde auch die Anlagentechnik des Pumpwerks ausgebaut. Mit 15.000 Litern pro Sekunde installierte Wien Kanal Europas leistungsstärkste Regenwasserpumpe dieser Bauart. Das 18 Millionen Euro Projekt, das von der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme in nur 22 Monaten umgesetzt wurde, rüstet die Stadt für die Herausforderungen des Klimawandels.
„Verantwortungsvolle Politik bedeutet heute schon, an Übermorgen zu denken. Deshalb haben wir sofort nach dem verheerenden Hochwasser im September 2024 mit den Ausbauplänen für diesen Abwasserknoten begonnen. Wir stärken unsere Infrastruktur, um die Menschen in Floridsdorf und Donaustadt in Zukunft noch besser vor Starkregenereignissen zu schützen. Mit der Investition in das Pumpwerk Donauinsel erhöhen wir die Abflusskapazität bei Regen, und schaffen so mehr Sicherheit für den 21. und 22. Bezirk“, erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky die Maßnahmen.
Mehr Power für den Überflutungsschutz
Das Pumpwerk Donauinsel ist mit einer installierten elektrischen Leistung von knapp 10 Megawatt der wichtigste Knoten bei der Abwasserentsorgung der Bezirke 21 und 22. An einem trockenen Tag werden zwischen 600 und 2.000 Liter Abwasser pro Sekunde unter der Donau zur Kläranlage nach Simmering transportiert. Bei Regen ist es ein Vielfaches mehr, dann lässt das Pumpwerk seine „Muskeln“ spielen.
Bei Starkregen kann über besonders leistungsstarke Regenwasserpumpen Mischwasser in die Donau ausgeleitet werden. Mischwasser bedeutet: Bei Regen vermischt sich das Abwasser aus den Haushalten stark mit dem Niederschlagswasser von Straßen und Dächern. Dieses Wasser muss rasch abgeleitet werden, um Überschwemmungen auf den Straßen zu vermeiden. Dazu wird das Kanalnetz über Pumpwerke wie eben jenes auf der Donauinsel in die Donau entlastet.
Bisher war die Anlage mit drei Schmutzwasserpumpen und sechs Regenwasserpumpen mit einer Leistung von 45.000 Litern pro Sekunde ausgerüstet. Durch die neue Hochleistungspumpe wurde die Spitzenleistung nun auf 60.000 Liter pro Sekunde erhöht. Das bedeutet mehr Schutz bei Starkregen für die Bezirke Floridsdorf und Donaustadt. Die vertikale Rohrgehäusepumpe, so der Fachbegriff, ist mit 15.000 Litern pro Sekunde die größte ihrer Art im europäischen Raum. Zudem wurde die bestehende Anlage elektrisch aufgerüstet. Zwei 6.000-Volt-(6 kV) - Frequenzumrichter bieten nun die Möglichkeit, die Drehzahl der beiden bestehenden Regenwasserpumpen mit jeweils 10.000 Litern pro Sekunde zu steuern. Damit kann je nach Zufluss die Geschwindigkeit des Motors an die jeweilige Fördermenge angepasst werden. Das hilft nicht nur, Energie zu sparen, sondern wirkt sich auch positiv auf die Lebensdauer des Motors aus und stimmt die Leistung besser auf die Bedürfnisse des Systems ab. Für die neue Motorenkühlung wurde auf eine stromfressende Kältemaschine verzichtet. Stattdessen werden die Aggregate über einen Wärmetauscher mit Brunnenwasser gekühlt.
Bezirksvorsteher Georg Papai: „Ich begrüße diese Investitionen für die Menschen in unserem Bezirk. Für Floridsdorf ist das Pumpwerk Donauinsel von großer Bedeutung. Es verbessert nicht nur den Schutz vor Überflutungen, sondern sichert auch die Entsorgung der Abwässer für die nächsten Generationen.“
Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Melanie Poukar-Neppach: „Das Team von Wien Kanal hat beim letzten Unwetterereignis Unglaubliches geleistet und unsere Stadt vor Schlimmerem bewahrt. Deshalb ist dieses Projekt entscheidend für die Donaustadt. Mit der zusätzlichen Leistung der neuen Pumpe können wir noch besser auf Starkregenereignisse reagieren und die Infrastruktur unseres Bezirks schützen.“
Update für die Kanalnetzsteuerung
Um bei Regen die rasch steigenden, gewaltigen Wassermassen sicher durch die Stadt zu leiten, wird das gesamte Wiener Kanalnetz digital über die Leitwarte auf der Donauinsel gesteuert. Sie ist das Herzstück des 2.500 Kilometer langen Kanalnetzes unserer Stadt. „Aufgabe der Leitwarte ist es, jederzeit dafür zu sorgen, dass Wasser dort ankommt, wo es hingehört: an trockenen Tagen in die Kläranlage, bei Regen in die unterirdischen Speicher oder über unsere Pumpen rasch aus der Stadt“, erklärt Wien-Kanal-Direktor Andreas Ilmer eine weitere Funktion des Standortes.
Täglich wird eine halbe Milliarde Liter Abwasser von 2 Millionen Menschen, 180.000 Gebäuden und 7 Umlandgemeinden sicher und umweltgerecht durch das Kanalnetz transportiert. Es sind gewaltige Abwassermengen – rund 6.000 Liter pro Sekunde –, die an trockenen Tagen in der Stadt anfallen. Eine ausgeklügelte Software verarbeitet die aktuellen Durchflussdaten von 700 Messstellen im Leitungsnetz und Wetterereignisse im Umland. Auf Monitoren sind die Schemata von Kanälen, Pumpen, Schieber- und Speicherbauwerken abgebildet. 40.000 Datenpunkte kommen hier über ein 100 Kilometer langes Glasfasernetz an und werden laufend zu rund 1.000 Anlagenbildern verarbeitet. Regenmengen werden an 35 Niederschlagsmessstellen erfasst und in Echtzeit an die GeoSphere Austria übertragen. Dort wird ein Prognosemodell errechnet und als Grundlage für die Steuerung an die Wien-Kanal-Leitwarte geliefert.
Mit dem Ausbau des Pumpwerks erhielt auch die gesamte digitale Infrastruktur ein Update. Die Leistungsfähigkeit des Systems wurde durch neue Hard- und Software abgesichert. Damit wird man den zukünftigen Anforderungen an die Netz- und Informationssicherheit gerecht. Auch die Arbeitsplätze wurden zukunftsfit gestaltet. Die Übersiedlung in einen Raum mit Tageslicht, neueste Monitor-Technik und ergonomisch anpassbare Tische und Sessel unterstützen künftig das konzentrierte Arbeiten im Schichtbetrieb.
Gebäude ist klimafit
Neben dem erweiterten Überflutungsschutz und neuester IT wurde das gesamte Bauwerk klimafit gemacht. Das Gebäude wurde thermisch optimiert, Dachflächen isoliert, Isolierglasfenster montiert und ein außen liegender Sonnenschutz angebracht. Auf dem Dach wachsen wasserspeichernde Pflanzen, Kräuter und Gräser und kühlen damit die Decke. Ab sofort wird das Dach für die Sonnenstrom-Offensive der Stadt Wien genutzt. Auf der rund 3.000 Quadratmeter großen Dachfläche arbeitet eine Solarstromanlage mit einer Spitzenleistung von 260 Kilowatt. Damit können je nach Verbrauch der Strombedarf von 50 bis 100 Haushalten gedeckt werden.
Ein weiterer wichtiger ökologischer Schritt war der Umstieg von der Ölheizung auf Wärmepumpentechnik. Ein 17 Meter tiefer und 1,2 Meter großer Brunnen liefert bis zu 45 Liter Grundwasser pro Sekunde. Dieses Grundwasser ist im Vergleich zu Luft oder Erde die effektivste Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Da das Grundwasser ganzjährig Temperaturen von 10 bis 16 Grad aufweist, startet die Wärmepumpe ihre „Wärmeveredelung“ von einem höheren Temperaturniveau als bei Erd- oder Luftnutzung. Die aufbereitete Wärme wird zum Heizen des Gebäudes und zur Warmwasserbereitung verwendet. Damit spart Wien Kanal 300 Tonnen CO2 und rund 50.000 Euro pro Jahr.
Weiterer Ausbau: Gigantisches Speicherbecken und zweite Donauquerung geplant
„Das Unwetter von 2024 hat gezeigt, dass die Maßnahmen der Stadt Wien zum Schutz vor Überflutungen wirken. Abwasserkanäle sind zwar nicht primär für den Hochwasserschutz ausgelegt, aber mit der gezielten Steuerung des Kanalnetzes, großen unterirdischen Speichern und leistungsstarken Pumpen konnten wir damals Schlimmeres verhindern“, erinnert Stadtrat Jürgen Czernohorszky an die Ereignisse. „Gleichzeitig müssen wir unsere kritische Infrastruktur gegen neue Bedrohungen wie Cyberangriffe und Sabotage absichern. Unsere Infrastruktur muss auch bei anhaltendem Krisendruck und gleichzeitig auftretenden Extremwetterereignissen funktionsfähig bleiben. Mit dem weiteren Ausbau dieses wichtigen Abwasserknotens stärken wir daher zwei Bereiche: den Schutz vor den Folgen von Starkregen und Überflutungen sowie die Redundanz und Ausfallsicherheit der Abwasserentsorgung“, so Czernohorszky weiter.
Wien Kanal plant dazu zwei miteinander verbundene Bauvorhaben: ein unterirdisches Speicherbecken auf der Donauinsel und eine zweite Verbindungsleitung unter der Donau zur Kläranlage in Simmering. Durch die Einbindung der neuen Bauwerke in das bestehende Kanalnetz soll insbesondere die Sicherheit der Abwasserentsorgung in Floridsdorf und der Donaustadt weiter erhöht werden.
Das Speicherbecken soll ein Fassungsvermögen von rund 100 Millionen Litern Abwasser haben und zwei wesentliche Funktionen erfüllen. Bei einem Ausfall eines Pumpwerks kann es Schmutzwasser vorübergehend aufnehmen und dadurch eine direkte Entlastung in die Donau verzögern. Bei Regenwetter trägt das Becken außerdem dazu bei, Mischwasserentlastungen in die Donau deutlich zu reduzieren. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz und zur Absicherung der Abwasserentsorgung bei Extremwetterereignissen.
Die zweite Donauquerung wird als redundante Verbindungsleitung errichtet. Die rund 500 Meter lange Rohrleitung wird unter der Donau verlaufen und schafft eine zusätzliche Transportmöglichkeit zur Kläranlage in Simmering. Sollte die bestehende Verbindung nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sein, kann dadurch die Entsorgungssicherheit für den 21. und 22. Bezirk aufrechterhalten werden.
Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter https://presse.wien.gv.at/bilder abrufbar. (Schluss)
Rückfragen & Kontakt
Michaela Zlamal
Mediensprecherin StR Jürgen Czernohorszky
Telefon: +43 1 4000 81446
E-Mail: [email protected]
Josef Gottschall
Leiter Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit Wien Kanal
Telefon: +43 1 4000 30021
E-Mail: [email protected]
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