• 17.10.2026, 09:30:33
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LIFE VienNATURA – neues Leben für ein altes Bahnareal

Wiens größtes Renaturierungsprojekt, gefördert von der EU

Wien (OTS) - 

In der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde mit dem Bau des Verschiebebahnhofs in Breitenlee begonnen. Das Projekt wurde jedoch im Jahr 1926 eingestellt und das Gelände anderweitig verwendet, etwa als Lagerplatz. 100 Jahre später ist es Zeit, dem Gebiet neues Leben einzuhauchen, was mit dem EU-Life-Projekt namens „LIFE VienNATURA“ in Angriff genommen wird. Das Areal, das inzwischen Natura 2000-Schutzstatus genießt, wird umfassend renaturiert, das bedeutet, dass wertvolle Lebensräume für dort vorkommende seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten erhalten und wiederhergestellt werden.

Am Projekt beteiligt sind die Stadt Wien mit den Abteilungen für Umweltschutz, dem Forst- und Landwirtschaftsbetrieb, der Abteilung für Abfallwirtschaft und die Partner-Organisationen Birdlife, das Naturhistorische Museum Wien, das internationale Städtenetzwerk ICLEI Europe sowie die auf EU-Projekte spezialisierte Agentur EuroVienna.

„Wien ist eine lebenswerte Stadt, nicht zuletzt durch ihren hohen Grünanteil. Lebensräume wie jener, der hier geschützt und gefördert wird, sind wertvoll für die Artenvielfalt und gut für die Seele der Wiener*innen, die hier ein wunderbares Stück Stadtnatur erhalten“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.

„Dieses Gebiet der Natur zurückzugeben, die ursprünglichen pannonischen Trockenrasen für die vielen hier lebenden seltenen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, ist ein großer Schritt, um die Biodiversität in Wien für die nächsten Generationen zu sichern“, ergänzt Ferdinand Schmeller, LIFE VienNATURA-Projektleiter der Wiener Umweltschutzabteilung.

Informationen für Anrainer*innen und Interessierte vor Ort

Am 14. Oktober 2026 luden die Projektverantwortlichen zur Informationsveranstaltung ein. Bei einer von Expert*innen begleiteten Führung auf dem Areal und in einer Präsentation wurde den zahlreich erschienenen Anwohner*innen die aktuellen und zukünftigen Pflegemaßnahmen für das Areal vorgestellt. Im Fokus standen dabei die Besonderheiten des Gebiets und die vorherrschende Artenvielfalt. Bei einer gemeinsamen Pflanzaktion wurden dem Standort angepasste heimische Pflanzen gesetzt, die den Lebensraum weiter aufwerten werden.

Fragen zum Projekt LIFE VienNATURA und der weiteren Entwicklung des Areals wurden abends in gemütlicher Heurigen-Atmosphäre von den am Projekt mitwirkenden Expert*innen beantwortet. Dabei konnten Unklarheiten und Vorbehalte beseitigt werden, die etwa die Wegeleitung oder naturschutzfachliche Arbeiten am Areal betrafen.

Standorttypische Pflanzen statt invasive Arten

Renaturierung bedeutet, dass stark von menschlicher Kultur geprägte Landschaftsteile wieder zu naturnahen Lebensräumen werden sollen. Das Areal sich selbst zu überlassen, erscheint nur auf den ersten Blick als eine Möglichkeit für die Natur, sich die Gegend zurückzuerobern. Von brachliegenden Flächen profitieren nicht zuletzt invasive Arten. Diese vermehren sich rasch und verdrängen die standorttypischen Pflanzen, was den Standort auch als Lebensraum für viele heimische Arten unwirtlich macht.

Um diesen Schwund der Biodiversität zu verhindern, werden in Breitenlee invasive Arten wie die Goldrute oder der Götterbaum gezielt bekämpft und gegen standorttypische Pflanzen, etwa Eichen, ersetzt. Das bedeutet auch, dass kurzfristig die etablierten Gstätten bearbeitet und gerodet werden, langfristig aber naturschutzfachlich wertvoller Naturraum neu entstehen bzw. wiederhergestellt werden kann.

In Zukunft wird es hier wieder pannonisches Flair geben, blütenreiche Trockenrasen und Lebensraum für Neuntöter, Zauneidechse, Riemenzunge oder Helmknabenkraut. Damit die Wiesenlebensräume ungestört gedeihen können, wird es ein sanftes Wegeleitsystem geben. In Schutzgebieten dürfen die ausgewiesenen Wege grundsätzlich nicht verlassen werden, damit geschützte Pflanzen und Tiere unbeschadet bleiben. Auskunft zur Fauna und Flora auf dem Gebiet werden demnächst ein Lehrpfad und ein in einem ausgedienten Eisenbahnwagon eingerichteter Informations-Hub geben.

Vom Bahnhof zum Naturjuwel

Das alte Bahnhofsareal umfasst etwa 90 Hektar, das ist vergleichbar mit der Größe des Bezirks Josefstadt. Im weitgehend der Natur überlassenen Bereich haben zahlreiche besondere Arten, wie der Neuntöter, der Wiedehopf, die Zauneidechse, diverse Orchideen und über 140 Wildbienenarten einen Lebensraum gefunden.

Das Areal wurde von der Stadt Wien, unterstützt vom Biodiversitätsfonds des Bundes angekauft und wird im Rahmen des Projekts LIFE VienNATURA zum bisher größten Renaturierungs-Gebiet der Stadt Wien entwickelt. Das Projekt plant die Wiederherstellung einer pannonischen Landschaftsstruktur, die den etablierten Arten den Lebensraum erhält. Darüber hinaus entsteht wertvoller Raum für Erholung und Naturerlebnis für alle Wiener*innen.

Biodiversität ist lebensnotwendig

Wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen sind in einer Großstadt wie Wien nicht selbstverständlich, aber durchaus wichtig. Viele Tiere erfüllen bedeutsame Aufgaben im Ökosystem, nicht zuletzt Insekten, die durch die Bestäubung unserer Kulturpflanzen unsere Obst- und Gemüseversorgung sichern. Und wie wäre es, in einer Stadt ohne naturnahe Erholungsräume, ohne Naturerlebnisse, wie Vogelgezwitscher, Igelgetrappel, blühenden Wiesen oder bunten Schmetterlingen zu leben? Biodiversität bedeutet auch Lebensqualität.

Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter https://presse.wien.gv.at/bilder abrufbar. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt

Silvia Kubu
Stadt Wien-Umweltschutz
Telefon: 01 4000 73426
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.umweltschutz.wien.at

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