• 15.10.2026, 11:15:34
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Exportstark, innovativ, im Strukturwandel: Automotive Zulieferindustrie fordert bessere Standortbedingungen

Mehr als 3.000 Jobs weniger als im Vorjahr, Umsatz sinkt um 5,5 %, Zulieferer sichern dennoch 183.200 Arbeitsplätze in Österreich

Wien (OTS) - 

  • Die österreichische Automotive Zulieferindustrie generiert eine gesamte heimische Wertschöpfung von insgesamt 16,2 Milliarden Euro und sichert rund 183.200 Beschäftigungsverhältnisse.
  • Der Branchenumsatz der Automotiven Zulieferindustrie betrug im Jahr 2025 26,87 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2024 (28,41 Milliarden Euro) entspricht das einem Rückgang von 5,5 %.
  • Ende 2025 lag die Zahl der direkt Beschäftigten bei 73.900. Das sind rund 3.000 Arbeitsplätze weniger als 2024 und weitere 2.500 Stellen weniger als 2023.
  • Die Exportquote liegt bei rund 94 Prozent.
  • Die Branche fordert weniger Bürokratie und Berichtspflichten, Technologieoffenheit statt Verbrennerverbot, offene Märkte sowie wettbewerbsfähige Energie-, Steuer- und Arbeitskosten am Standort Österreich.

Die österreichische Automotive Zulieferindustrie zählt trotz anhaltender schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin zu den wichtigsten industriellen Wertschöpfungsbranchen des Landes. Rund 900 Unternehmen erwirtschaften 16,2 Milliarden Euro an Wertschöpfung und sichern österreichweit rund 183.200 Beschäftigungsverhältnisse. Gleichzeitig verschärfen sich die wirtschaftlichen Anforderungen für die Branche. Die Transformation zur Elektromobilität, die Absatz- und Ertragskrise europäischer Fahrzeughersteller sowie der zunehmende internationale Wettbewerb stellen die heimischen Unternehmen und die Wirtschaftspolitik vor große Herausforderungen.

Dietmar Schäfer, Vorsitzender der ARGE Automotive Zulieferindustrie: „Die österreichische Zulieferindustrie spielt europaweit in der industriellen Champions League und beweist tagtäglich ihre Innovationskraft und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch erleben wir derzeit den größten Strukturwandel seit vielen Jahren. Die rückläufigen Umsätze und der anhaltende Beschäftigungsabbau sind ein deutliches Warnsignal. Unsere Unternehmen investieren jetzt massiv in neue Technologien und in die Transformation ihrer Geschäftsmodelle, doch das Umfeld bleibt sehr volatil.“

Die Auswirkungen der Transformation spiegeln sich deutlich in den aktuellen Zahlen wider. Laut einer aktuellen Branchenanalyse des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) ist der nominelle Produktionswert der Automotiven Zulieferindustrie, nach einem bereits schwierigen Jahr 2024, im Jahr 2025 nochmals um 5,5 Prozent zurückgegangen. Besonders alarmierend ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse, die direkt der Branche zuzuordnen sind, lag im Jahr 2025 bei rund 73.900. Das sind rund 3.000 Jobs weniger als im Vorjahr (-4 Prozent). Bereits 2024 waren mehr als 2.500 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Herwig Schneider, Leiter des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI):
„Die österreichische Automotive-Zulieferindustrie bleibt ein zentraler Pfeiler der heimischen Industrie. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Ergebnisse, wie stark geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftspolitische Fragmentierung und die Krise zentraler Absatzmärkte mittlerweile auf den Standort Österreich durchschlagen. Besonders die schwache Entwicklung in Deutschland und die zunehmende Verschiebung von Marktanteilen nach China stellen viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.“

Geänderte Rahmenbedingungen erfordern eine aktivere Standortpolitik

Trotz der schwierigen Situation bleibt die Branche ein wesentlicher Motor für Wachstum und Wohlstand. Die Unternehmen der Automotiven Zulieferindustrie sicherten im Jahr 2025 gesamtwirtschaftlich Umsatzerlöse von 45,6 Milliarden Euro sowie eine Wertschöpfung von 16,21 Milliarden Euro. Jeder Euro an Wertschöpfung innerhalb der Branche löst insgesamt 2,16 Euro Wertschöpfung in Österreich aus. Ein Arbeitsplatz in der Automotiven Zulieferindustrie sichert darüber hinaus knapp 2,5 Beschäftigungsverhältnisse entlang der heimischen Wertschöpfungsketten.

Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Branche zunehmend. Immer mehr Unternehmen diversifizieren ihre Geschäftsmodelle und übertragen ihr technologisches Know-how auf andere Industriebereiche. Die Transformation zur Elektromobilität prägt die Unternehmenslandschaft dabei besonders stark. Knapp zwei Drittel der in der IWI-Studie befragten Unternehmen sind bereits direkt von der Nachfrageentwicklung im Bereich E-Mobilität abhängig.

Die Exportorientierung ist nach wie vor eine der wesentlichen Stärken der Automotiven Zulieferindustrie. Nur fünf Prozent der in der Studie befragten Unternehmen sind ausschließlich am heimischen Markt tätig. Mehr als die Hälfte erzielt über 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Die durchschnittliche Exportquote liegt bei über 70 Prozent, bezogen auf den automotiven Umsatz sogar bei rund 94 Prozent. Deutschland ist dabei mit großem Abstand der wichtigste Absatzmarkt, gefolgt von China und den USA.

Branchensprecher Dietmar Schäfer fordert angesichts dieser Transformation eine aktivere Standortpolitik: „Die Ergebnisse der IWI-Studie zeigen deutlich, wo politischer Handlungsbedarf besteht. Erstens brauchen wir weniger Bürokratie und Berichtspflichten. Unternehmen sollten ihre Ressourcen in Forschung, Innovation und neue Produkte investieren können, statt sie für zusätzliche Dokumentationspflichten aufwenden zu müssen. Zweitens braucht Europa Technologieoffenheit statt ideologischer Vorgaben. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass unterschiedliche Antriebstechnologien langfristig nebeneinander bestehen werden. Ein rigoroses Verbrennerverbot schafft zusätzliche Unsicherheit und belastet die Transformation. Drittens brauchen wir offene Märkte und stabile Handelsbeziehungen in fairen Wettbewerben, aber gleichzeitig Schutzmaßnahmen gegen unfairen Wettbewerb. Viertens müssen die Kosten am Standort Österreich wettbewerbsfähiger werden. Dazu gehören niedrigere Energiekosten, sinkende Lohnnebenkosten sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Nur so können Investitionen, Beschäftigung und Wertschöpfung langfristig abgesichert werden.“

Weitere Informationen sowie die Studie „Automotive Zulieferindustrie als Exporterfolg – in Zeiten der Krise. Berichtsjahr 2026“ stehen unter https://www.arge-auto.at/publikationen/ zum Download bereit.

Über die ARGE Automotive

Die ARGE Automotive Zulieferindustrie ist die österreichweite Branchenvertretung für die rund 900 in der WKO vertretenen Unternehmen aus dem automotiven Wertschöpfungsbereich und vereinigt somit alle wesentlichen Player dieses Sektors unter ihrem Dach. Trägerorganisationen sind die WKO, vertreten durch die Bundessparte Industrie, und die AWOADVANTAGE AUSTRIA /Außenwirtschaft Österreich sowie sechs Industrie-Fachverbände (FV-NE-Metall, FV Bergwerke & Stahl, FV Metalltechnische Industrie, FV Chemische Industrie, FV Elektro- und Elektronikindustrie und FV Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie), die Kraftfahrzeugzulieferbetriebe zu ihren Mitgliedern zählen. Oberstes Ziel ist, eine verbesserte öffentliche Wahrnehmung der Autozulieferbetriebe zu schaffen, um die industriepolitischen Rahmenbedingungen zu optimieren. Durch die Integration in die WKO ist auch für eine optimale Koordination insbesondere mit dem Fachverband der Fahrzeugindustrie als Interessenvertretung der Herstellerseite bestens vorgesorgt.

Über das IWI (www.iwi.ac.at)

Das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) ist ein gemeinnütziger Verein und finanziert sich über nationale und internationale Grundlagen- und Auftragsforschung. Das Institut wurde 1986 gegründet und zeichnet sich durch einen integrierten und umfassenden Analyseansatz aus.

Rückfragen & Kontakt

ARGE Automotive Zulieferindustrie
GF Clemens Zinkl
Telefon: 43 (0)5 90 900 3482
E-Mail: [email protected]

https://www.arge-auto.at

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