• 15.10.2026, 10:00:34
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VÖB-Konjunkturbarometer: Prinzip Hoffnung statt echter Aufbruchsstimmung in der Betonfertigteilbranche

73 % der Betriebe hoffen auf steigende Umsätze – 70 % beurteilen das Gesamtjahr weiterhin skeptisch

Anton Glasmaier, Geschäftsführer Verband Österreichischer
Betonfertigteilwerke (VÖB)
Wien (OTS) - 

Die österreichische Betonfertigteilbranche bleibt trotz Hoffnung auf bessere Umsätze in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die anhaltende Schwäche des Wohnbaus, belastende Finanzierungsbedingungen und die geringe Zahl neuer Baubewilligungen lassen eine rasche Erholung fraglich erscheinen. Zwar rechnen 73 % der befragten Unternehmen im zweiten Halbjahr 2026 mit steigenden Umsätzen, gleichzeitig beurteilen aber 70 % die Entwicklung der gesamten Branche im Gesamtjahr als eher weniger zufriedenstellend. Das aktuelle VÖB-Konjunkturbarometer zeigt damit ein widersprüchliches Bild: Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren wächst die Hoffnung, dass die Talsohle endlich erreicht ist. Von einer nachhaltigen Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein.

„Nach drei wirtschaftlich schwierigen Jahren ist die Hoffnung auf bessere Zeiten verständlich. Wir müssen aber zwischen Erwartungen und tatsächlicher Entwicklung unterscheiden. Die Unternehmen wünschen sich eine Trendwende, doch die Zahlen zeigen, dass wir davon noch ein gutes Stück entfernt sind“, kommentiert Michael Wardian, Vorstandsvorsitzender des Verbands Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB), die Ergebnisse der halbjährlichen Konjunkturumfrage. „Wenn nahezu die Hälfte der Betriebe weiterhin Umsatzrückgänge verzeichnet, kann von einer echten Entspannung keine Rede sein. Was wir derzeit erleben, ist eher das Prinzip Hoffnung als eine breit getragene Aufbruchsstimmung.“

Wirtschaftliche Realität bleibt ernüchternd

Ein Blick auf die tatsächliche Umsatzentwicklung verdeutlicht die schwierige Ausgangslage. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten 47 % der befragten Betriebe einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei 20 % blieben die Umsätze unverändert, während 33 % Zuwächse erzielen konnten.

Zwar stellt dies gegenüber der vorherigen Erhebung, bei der lediglich 18 % von steigenden Umsätzen berichteten, eine Verbesserung dar. Dennoch überwiegen weiterhin die Unternehmen mit rückläufiger Geschäftsentwicklung.

Auch der neu entwickelte VÖB-Konjunktur-Indikator, der die tatsächliche Umsatzentwicklung abbildet, unterstreicht dieses Bild. Er verbesserte sich auf minus 14, verharrt damit aber weiterhin im negativen Bereich. Die Branche hat sich von den massiven Einbrüchen der vergangenen Jahre noch nicht erholt.

Steigende Erwartungen – Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt

Deutlich positiver als die bisherige Geschäftsentwicklung fallen die Erwartungen für das zweite Halbjahr 2026 aus. 83 % der befragten Unternehmen rechnen für den eigenen Betrieb mit einer sehr, beziehungsweise eher zufriedenstellenden Entwicklung. 73 % erwarten einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während lediglich 3 % mit weiteren Rückgängen rechnen.

Der VÖB-Erwartungsindikator steigt damit auf plus 70 und erreicht den höchsten Wert seit dem ersten Halbjahr 2022. Bei der vorherigen Erhebung lag er nur knapp im positiven Bereich.

Doch dieser deutliche Anstieg der Erwartungen steht in bemerkenswertem Gegensatz zur Einschätzung der allgemeinen Branchenentwicklung. Trotz der Zuversicht für den eigenen Betrieb gehen 70 % der Befragten davon aus, dass das Gesamtjahr 2026 für die Branche insgesamt eher weniger zufriedenstellend ausfallen wird.

Die Diskrepanz zwischen individuellen Umsatzerwartungen und skeptischer Branchenbewertung ist damit eine der zentralen Aussagen des aktuellen Konjunkturbarometers. Die Betriebe rechnen offenbar mit einer Verbesserung ihrer eigenen Situation, ohne bereits von einer umfassenden Erholung des Marktes auszugehen.

„Die steigenden Umsatzerwartungen sind zunächst ein positives Signal. Sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns nach wie vor auf einem sehr niedrigen wirtschaftlichen Niveau bewegen“, erklärt VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier. „Viele Unternehmen haben schwierige Jahre hinter sich. Dass sie jetzt wieder mit besseren Umsätzen rechnen, ist nachvollziehbar. Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Erholung entsteht, muss sich erst zeigen. Derzeit überwiegt die Hoffnung, dass es nicht noch weiter bergab geht.“

Wohnbau unter Druck: Finanzierungsbedingungen und fehlende Baubewilligungen bremsen die Erholung

Besonders kritisch bleibt die Situation im Wohnbau. Lediglich 11 % der befragten Betriebe verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 steigende Umsätze, während 43 % von Rückgängen berichteten. Eine Erholung ist in diesem wichtigen Marktsegment weiterhin nicht erkennbar.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren eine rasche Trendwende. Hohe Finanzierungskosten und die Unsicherheit über die weitere Zinsentwicklung belasten die Investitionsbereitschaft privater und institutioneller Bauherren. Die niedrige Zahl an Baubewilligungen spiegelt diese Zurückhaltung wider. Derzeit werden zu wenige neue Bauvorhaben auf den Weg gebracht, um eine Belebung der Fertigteilindustrie erwarten zu lassen. Selbst bei einer Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird es Zeit brauchen, bis wieder mehr Projekte geplant, eingereicht und tatsächlich umgesetzt werden.

Für die Betonfertigteilindustrie kommt hinzu, dass sie Veränderungen in der Baukonjunktur erfahrungsgemäß erst mit zeitlicher Verzögerung spürt. Bauunternehmen füllen zunächst ihre eigenen Kapazitäten, bevor wieder verstärkt Betonfertigteile nachgefragt werden. Laut VÖB beträgt diese Verzögerung in der Regel rund drei Monate.

„Eine nachhaltige Erholung lässt sich nicht allein an positiven Erwartungen festmachen. Entscheidend ist, ob neue Projekte bewilligt, finanziert und tatsächlich umgesetzt werden“, betont Glasmaier. „Solange die Zahl der Baubewilligungen niedrig bleibt und die Investitionsbereitschaft nicht deutlich zunimmt, fehlt der notwendige Impuls für eine breitere Belebung der Bauwirtschaft. Die Branche braucht nicht nur Zuversicht, sondern vor allem wieder konkrete Bauaufträge.“

Tiefbau als wichtige Stütze – öffentliche Budgets zunehmend unter Druck

Während der Wohnbau weiterhin schwächelt, erwies sich der Tief- und Straßenbau im ersten Halbjahr 2026 als stabilisierender Faktor. In diesem Segment berichteten 38 % der befragten Unternehmen von gestiegenen Umsätzen, bei weiteren 58 % blieb der Umsatz unverändert.

Allerdings sind auch die weiteren Perspektiven dieses Marktsegments mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Angespannte Budgets der Gemeinden und Länder könnten die öffentliche Investitionstätigkeit und damit die Nachfrage nach Betonfertigteilen zunehmend beeinträchtigen.

„Der Tiefbau hat die Branche in den vergangenen Monaten wesentlich gestützt. Angesichts der angespannten öffentlichen Haushalte müssen wir aber auch hier vorsichtig sein“, erklärt Glasmaier. „Wenn Gemeinden und Länder notwendige Infrastrukturinvestitionen verschieben, würde das die Bauwirtschaft zusätzlich belasten.“

Marktpotenzial vorhanden – entscheidend ist die tatsächliche Nachfrage

Ungeachtet der schwierigen aktuellen Situation sehen die befragten Unternehmen weiterhin erhebliche Marktpotenziale für die Betonfertigteilbauweise im Hochbau, etwa im Wohn-, Industrie- und Bürobau. 57 % rechnen in diesem Bereich mit einer steigenden Marktentwicklung, 40 % erwarten eine gleichbleibende Entwicklung und lediglich 3 % einen Rückgang.

Die wichtigsten Argumente für den verstärkten Einsatz von Betonfertigteilen sind aus Sicht der Unternehmen die Verkürzung der Bauzeiten (97 %), höhere Vorfertigungsgrade, etwa bei Fassaden sowie Heiz- und Kühlsystemen (83 %), und die Verbesserung von Präzision und Qualität.

„Die Betonfertigteilbauweise bietet Lösungen für viele Herausforderungen des Bauens – von kürzeren Bauzeiten über wirtschaftliche Fertigungsprozesse bis hin zu ressourcenschonenden Bauweisen. Doch ohne Investitionen und eine entsprechende Bautätigkeit können diese Potenziale nicht wirksam werden“, betont Glasmaier. „Wir brauchen deshalb eine bessere Abstimmung jener Ministerien, die für das Bauen verantwortlich sind, und wirksame Impulse, um den ehemaligen Konjunkturmotor Bau wieder in Gang zu bringen.“

Hoffnung ist noch keine Trendwende

Das aktuelle VÖB-Konjunkturbarometer zeigt eine Branche zwischen anhaltendem wirtschaftlichem Druck und der Hoffnung auf eine Stabilisierung. Die deutlich verbesserten Umsatzerwartungen sind ein wichtiges Signal, können die schwierige tatsächliche Geschäftsentwicklung jedoch noch nicht aufwiegen.

Ob sich daraus eine nachhaltige Erholung entwickelt oder der derzeitige Optimismus vor allem dem Wunsch nach einem Ende der langjährigen Talfahrt entspringt, werden erst die kommenden Monate zeigen. Entscheidend dafür sind eine Belebung des Wohnbaus, ausreichend neue Bauprojekte, tragfähige Finanzierungsbedingungen und eine verlässliche öffentliche Investitionstätigkeit.

Über den VÖB

Der Verband Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) ist die zentrale Interessensvertretung der österreichischen Betonfertigteilhersteller. Der 1955 gegründete Verband vertritt rund 70 Mitgliedsbetriebe – und damit den Großteil aller in Österreich produzierenden Betonfertigteilwerke. Der VÖB wurde nach dem österreichischen Vereinsrecht gegründet, ist eine freiwillige Interessensvertretung und versteht sich als innovativer und aufgeschlossener Wirtschaftsverband. Die Betonfertigteilbranche ist ein bedeutender Bereich der österreichischen Bauwirtschaft. Die Branche steht mit ihren hochwertigen Produkten aus inländischer Wertschöpfung für Leistungsfähigkeit, Qualitätsdenken, ressourcenschonende Produktion und qualitatives Wachstum. Damit leisten die österreichischen Betonfertigteilwerke einen bedeutenden Beitrag zum zukunftsfähigen und nachhaltigen Bauen. Mehr Informationen unter www.voeb.com

Über den VÖB-Konjunkturbarometer und die VÖB-Konjunktur-Indikatoren

Die Daten des VÖB-Konjunkturbarometers beruhen auf einer halbjährlich durchgeführten Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben und wurden in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen TQS erhoben und ausgewertet. Der Branchenbarometer misst unter anderem die aktuelle Stimmung, die Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung der Mitgliedsbetriebe. Die neu entwickelten VÖB-Indikatoren beruhen auf einem Mehrjahresvergleich der bisherigen Umfrage-Ergebnisse seit dem 1. Halbjahr 2022.

Rückfragen & Kontakt

Verband Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB)
Ing. Anton Glasmaier, Geschäftsführer
Telefon: +43 1 403 48 00
E-Mail: [email protected]

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