- 15.10.2026, 09:05:33
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AIT bringt digitale Gesundheitsdienste in die Praxis
Forschung, die wirkt – für ein effektives Gesundheitssystem

Eine der zentralen Infrastrukturen des österreichischen Gesundheitswesens ist ELGA (Elektronische Gesundheitsakte): Dieses System erlaubt behandelnden Ärzt:innen einen Zugang insbesondere zu Arzt- und Entlassungsbriefen sowie zu Labor- und Radiologiebefunden (e-Befund). ELGA ist keine zentrale Datenbank, sondern ein zentrales Register zum Auffinden von für Behandlungen relevanten Daten und Informationen. Die Zugriffsrechte sind gesetzlich und datenschutzrechtlich genau geregelt.
Das ELGA-System wird sukzessive um weitere digitale Gesundheitsservices erweitert. Dabei hat das AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit seinen Partnern Pionierarbeit geleistet: Mit dem sogenannten „Telemonitoring-Episodenbericht“ wurde erstmals ein ELGA-Dokument geschaffen, das auch von Patient:innen selbst erfasste Gesundheitsdaten in die elektronische Gesundheitsakte integriert.
Menschen mit chronischen Erkrankungen können damit aktiv zu ihrer Gesundheitsdokumentation beitragen: Zu Hause erhobene Messwerte wie Blutdruck, Puls und Körpergewicht sowie Angaben zum Befinden und zur Medikamenteneinnahme werden für einen bestimmten Zeitraum („Episode“) gemeinsam mit Diagnosen und ärztlichen Bewertungen zusammengeführt und über das betreuende Versorgungsprogramm in ELGA bereitgestellt; sie sind sowohl für die Patient:innen selbst als auch für berechtigte behandelnde Gesundheitsdienstleister zugänglich – über einzelne Einrichtungen und Versorgungsbereiche hinweg.
Telehealth-Lösungen für eine bessere Gesundheit
Ein sehr erfolgreiches Telemonitoring-System ist HerzMobil, dessen technologische Grundlage Forschende des AIT in enger Zusammenarbeit mit medizinischen und pflegerischen Expert:innen entwickelt haben, insbesondere mit den Tirol Kliniken und dem Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol (LIV Tirol). HerzMobil dient der Betreuung von Menschen mit Herzschwäche. Die Patient:innen geben dabei regelmäßig via Smartphone Daten wie etwa Gewicht, Blutdruck, Befinden und Medikation ein. Diese werden auf sichere Weise an ein klinisches Behandlungsteam übermittelt. Bei Auffälligkeiten erfolgt eine Kontaktaufnahme durch die betreuenden Gesundheitsexpert:innen und, falls nötig, eine Anpassung der Therapie.
Die Patient:innen können also daheim in der gewohnten Umgebung leben und haben dennoch ständigen Kontakt mit betreuenden Ärzt:innen. Telemonitoring ermöglicht einerseits einen verbesserten Zugang zur Gesundheitsversorgung und eine Steigerung der Versorgungsqualität, andererseits entlastet es das Gesundheitssystem und spart Zeit und Kosten.
Erstmals in der Praxis ausgerollt wurde die AIT-Technologie in Tirol unter dem Namen „HerzMobil Tirol“. Studien zeigten eine Reduktion des Sterberisikos um 65 Prozent innerhalb von zwölf Monaten und eine Reduktion des Risikos einer Krankenhauswiederaufnahme um 39 Prozent innerhalb von sechs Monaten. Zusätzlich erwies sich HerzMobil Tirol gegenüber der üblichen Versorgung als kosteneffektiv. Auch in anderen Bundesländern, darunter der Steiermark, Kärnten, Niederösterreich und Salzburg, wird HerzMobil im Rahmen von Versorgungsprojekten eingesetzt. In der Steiermark wurde das Projekt vom Gesundheitsfonds Steiermark initiiert und wird gemeinsam mit der Sozialversicherung finanziert. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) verantwortet im Auftrag des Gesundheitsfonds die Umsetzung und die ärztliche und pflegerische Gesamtkoordination.
In der Versorgungspraxis wird das System vom AIT-Spin-off telbiomed mit Sitz in Graz betrieben und weiterentwickelt. Es ist modular aufgebaut und wird gemeinsam mit Partnern im Gesundheitswesen schrittweise für den Einsatz bei anderen chronischen Krankheiten erweitert – etwa in den Bereichen Wundmanagement, Essstörungen, Transplant-Nachsorge, Diabetes oder Telerehabilitation und auch für die Onkologie. Mit dem Krebszentrum Graz wurde kürzlich eine telemedizinisch unterstützte Patient Journey für Patientinnen mit Mammakarzinom gestartet.
Survivorship Passport: Langzeitbegleitung für Kinderkrebs-Überlebende
Ein weiteres wertvolles digitales Tool für eine moderne Gesundheitsversorgung ist der „Survivorship Passport“. Fachleute des AIT haben gemeinsam mit Expert:innen des St. Anna Kinderspitals und der St. Anna Kinderkrebsforschung (CCRI) die digitale Lösung für Österreich entwickelt und an ELGA angebunden. Das St. Anna Kinderspital hat den Survivorship Passport als erstes Zentrum Europas vollständig in eine nationale elektronische Gesundheitsakte integriert. Dieser verbessert durch eine Bündelung aller relevanten Daten die Langzeitbegleitung von Kinderkrebs-Überlebenden deutlich. Der Survivorship Passport steht für einen Paradigmenwechsel in der onkologischen Nachsorge: weg von fragmentierten Informationen, hin zu einer kontinuierlichen, transparenten und qualitätsgesicherten Versorgung über Institutions- und Versorgungsgrenzen hinweg.
Ziel ist es, relevante Informationen aus der Akuttherapie und der Nachsorge nach Behandlungen im Kindesalter in einem standardisierten digitalen Format verfügbar zu machen und so die Versorgungssicherheit im Erwachsenenalter nachhaltig zu erhöhen. Der Survivorship Passport bündelt dazu Therapiehistorie und individuelle Nachsorgeempfehlungen in strukturierter Form und macht diese für Patient:innen und Gesundheitsdienstleister über die elektronische Gesundheitsakte ELGA zugänglich.
Der Survivorship Passport wurde erstmals im St. Anna Kinderspital in Wien pilotiert und dort erfolgreich in bestehende Versorgungsprozesse integriert. Technisch gesprochen wird der Survivorship Passport als ELGA-Ambulanzbefund umgesetzt. Dies schafft die Grundlage für einen breiteren Roll-out in weitere Zentren und Fachbereiche. Auch der Survivorship Passport ist modular aufgebaut, skalierbar und auf andere Erkrankungen übertragbar.
Smart FOX: Datenspenden für die medizinische Forschung
Ein wichtiger Schritt für die verantwortungsvolle Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten ist das System „Smart FOX“. Das von Forschenden am AIT geleitete Projekt zeigt, wie eine sichere und freiwillige Gesundheitsdatenspende neue Möglichkeiten für Forschung, Innovation und Systemsteuerung eröffnet. Gemeinsam mit 19 Partnern aus Versorgung, Wissenschaft, Patient:innenvertretern und Industrie wurde eine Infrastruktur entwickelt, die Bürger:innen erstmals aktiv in die Bereitstellung ihrer Gesundheitsdaten einbindet: Diese entscheiden transparent und nachvollziehbar, ob und wofür ihre Daten genutzt werden dürfen. Smart FOX setzt auf informierte Einwilligung, widerrufbare Teilnahme und moderne Sicherheitsmechanismen, die den Zugriff auf Gesundheitsdaten strikt zweckgebunden ermöglichen.
Smart FOX nutzt die ELGA-Infrastruktur und erweitert sie für die kontrollierte Forschung, sodass Daten aus unterschiedlichen Systemen sicher zusammengeführt und für die Wissenschaft rechtssicher verwendbar werden. Das ist die Voraussetzung für effizientere klinische Studien, präzisere Gesundheitsanalysen und besser informierte Entscheidungen im Public-Health-Bereich.
Die Erfahrungen im Projekt verdeutlichen, dass Bürger:innen bereit sind, einen Beitrag zur Forschung zu leisten, wenn Sicherheit, Transparenz und Kontrolle gewährleistet sind. Dazu wurde ein rechtssicherer Modus Operandi in einem Governance Framework konzipiert. Darauf aufbauend wurde eine offene technische Infrastruktur entwickelt und in mehreren klinischen Studien ausgetestet.
Digitalisierung der Gesundheitsinfrastruktur
Das AIT hat mit solchen digitalen Diensten wegweisende Technologien entwickelt, die in der modernen Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle spielen, und weist damit den Weg zu einer weiteren Digitalisierung der Gesundheitsinfrastruktur. Das AIT erarbeitet digitale Gesundheitslösungen stets gemeinsam mit medizinischen und pflegerischen Expert:innen sowie Partnern aus der Gesundheitsversorgung. Ihre Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag fließen in die Entwicklung und Erprobung der Technologien ein. Die große Expertise brachte dem AIT auch viel internationale Anerkennung ein. Neben der Organisation der jährlichen dHealth-Konferenz, die als zentrale Plattform für die österreichische Digital-Health-Community dient, haben die Forschenden auch bereits viele Preise gewonnen, wie etwa den renommierten Living Standards Award von Austrian Standards.
AIT: Forschung für die Infrastruktur von morgen
Mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen arbeiten täglich am AIT Austrian Institute of Technology an den zentralen Infrastrukturthemen der Zukunft, insbesondere in den Bereichen Energie, Mobilität, Gesundheit und Daten. Am AIT werden Infrastrukturen von morgen gedacht und erforscht. Als Österreichs größte Forschungs- und Technologieorganisation ist das AIT eine Brücke zwischen Wissenschaft und Innovation und arbeitet entlang der gesamten Innovationskette – von der Idee bis zur Umsetzung – mit der Industrie und öffentlichen Einrichtungen zusammen. Zur Weiterentwicklung zukunftsfitter Technologien betreibt das AIT die modernste Forschungs-Infrastruktur Österreichs, mit spezialisierten Labors für Energie, Mobilität, Stadtplanung, Digital Security, Ernährungssicherheit und vieles mehr. Forschung des AIT wirkt und schafft Lösungen – für Unternehmen, die Gesellschaft und letztlich für uns alle.
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