• 14.10.2026, 11:12:33
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Erneuerbaren-Boom und steigender Energiebedarf: Nächste Ausbaustufe der Energiewende notwendig

Erneuerbaren-Boom und steigender Energiebedarf: Nächste
Ausbaustufe der Energiewende notwendig
Wien (OTS) - 

Ob Extremwetterlagen oder die rasant wachsende Zahl neuer Stromverbraucher – die Energiewende steht vor neuen Herausforderungen. Bei der Pressekonferenz anlässlich der OVE-Energietechnik-Tagung in Wien waren sich die Expert:innen heute einig: Für ein resilientes Energiesystem der Zukunft braucht es neue und mutige Lösungen. Moderne Leistungselektronik, intelligente Systemführung, digitale Steuerungssysteme und flexible Speicher werden zu zentralen Erfolgsfaktoren.

Unser Energiesystem ist zunehmend mit neuen Herausforderungen durch Umweltfaktoren und neue Stromverbraucher konfrontiert. Die Integration der Erneuerbaren Erzeugung schafft Energieunabhängigkeit, ist aber technisch komplex. Immer öfter sind extreme Wetterlagen und deren Folgen – etwa Niedrigwasser – auszugleichen. Zusätzlich steigen die Anforderungen an die Stromnetze mit der zunehmenden Anzahl neuer Stromverbraucher wie Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und dezentrale Speichersysteme.

Energiewende braucht Zusammenspiel aller Komponenten

Die Elektrifizierung von Wärme, Mobilität und Industrie sowie das Bevölkerungswachstum in Wien werden den Strombedarf in den kommenden Jahren deutlich erhöhen, betont Wien Energie-Geschäftsführer Sascha Zabransky. „Man kann sich die Energiezukunft wie ein Orchester vorstellen. Dabei gibt es unterschiedliche Technologien, die sich wie verschiedene Instrumente einander ergänzen. Das sind beispielsweise Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher aber auch die Kopplung von Sektoren wie Strom, Wärme, Kühlung und Mobilität. Um dieses Orchester zu bauen und optimal zusammenzustellen, investiert Wien Energie bis 2030 etwa 1,7 Milliarden Euro in erneuerbaren Strom, eine Milliarde Euro in Ausbau und Dekarbonisierung der Fernwärme und mehr als 450 Millionen Euro in E-Mobilität und Digitalisierung.“

Netze als Rückgrat eines zukunftsfitten Energiesystems

Vor allem die Stromnetze müssen künftig neuen Belastungen standhalten. „Der Erfolg der Energiewende wird sich in den Verteilnetzen entscheiden“ ist OVE-Präsident und Wiener Netze-Geschäftsführer Gerhard Fida überzeugt. „Unsere Netze müssen leistungsfähig und smart genug sein, um Stromangebot und -bedarf zu jedem Zeitpunkt miteinander in Einklang zu bringen. Das kürzlich beschlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz hat wichtige und richtige Weichenstellungen gesetzt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen müssen aber weitere Schritte folgen.“ Die Wiener Netze investieren bis 2030 rund 2,4 Mrd. Euro in ihre Netze. In den nächsten Jahren kommen 13 neue Umspannwerke und 4.000 Kilometer neue Stromleitungen dazu. Investitionen in Messsysteme, IT und digitale Services sollen die Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent nachhaltig absichern.

Leistungselektronik für ein stabiles Energiesystem

Leistungselektronik könne als Schlüsseltechnologie einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität des Energiesystems und damit zur Versorgungssicherheit leisten, zeigte sich Britta Buchholz, Vorsitzende der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, überzeugt: „Spannungsregelung und netzbildende Eigenschaften werden immer wichtiger – und genau da zeigt Leistungselektronik ihre Stärke. Wir müssen nun daran arbeiten, dass diese Technologie auch im Verteilnetz als Standard-Betriebsmittel eingesetzt werden kann.“

Innovationen in die Praxis bringen

Aus Forschung und Wissenschaft liegen bereits zahlreiche Konzepte vor, um neue Verbraucher, Speicher und Flexibilitäten effizient in den zukünftigen Systembetrieb einzubinden. Jetzt müssen diese Lösungen zielstrebig und mutig in die Praxis überführt werden, erklärt Bernd Klöckl, Universitätsprofessor für Energiesysteme und Netze an der TU Wien: „In der theoretischen Forschung sind Systemführungskonzepte für die Energiewende seit längerer Zeit in Entwicklung. Nicht alle davon lassen sich sinnvoll in der Praxis des über Jahrzehnte gewachsenen Stromnetzes umsetzen. Das Ziel hochwertiger universitärer Forschung und Lehre muss daher die Vorgabe langfristiger Entwicklungspfade sein: konservativ, wo nötig, aber disruptiv, wo möglich.“

Qualifizierte Fachkräfte dringend notwendig

Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende ist eine gezielte Förderung von Forschung und Innovation notwendig, sind sich die Expert:innen einig. Es brauche auch in Zukunft eigene Forschungs- und Entwicklungskompetenzen, um energiepolitische Ziele umzusetzen. Mit Blick auf geplante Einsparungen im Unibudget warnen sie außerdem vor einem drohenden Mangel an hochqualifizierten Fachkräften. „Die Energiewende ist heute weniger eine Frage der Technologie als der Geschwindigkeit ihrer Umsetzung. Damit Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen gewährleistet werden können, brauchen wir entschlossenes Handeln auf allen Ebenen. Die Förderung von qualifizierten Ausbildungen muss hier eine hohe Priorität haben. Denn schon jetzt fehlen österreichweit rund 10.000 HTL-Absolvent:innen – Tendenz steigend“, so OVE-Präsident Fida abschließend.


Über den OVE:

Der OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik gestaltet als unabhängige Branchenplattform die Zukunft der Elektrotechnik und Informationstechnik aktiv mit. Der OVE vernetzt Industrie und Gewerbe, Energiewirtschaft, Wissenschaft und Forschung sowie Anwender:innen und fördert mit zahlreichen Weiterbildungsangeboten und Nachwuchsinitiativen den Erfolg der Branche. Als elektrotechnische Normungsorganisation sowie mit seinen weiteren Kernbereichen Zertifizierung und Blitzforschung vertritt der Verband die österreichischen Interessen offiziell in internationalen Gremien. Für weitere Informationen besuchen Sie unsere Website www.ove.at.

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OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik
Mag. Cornelia Schaupp
Telefon: T +43 1 587 63 73-534
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.ove.at

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