- 14.10.2026, 10:58:03
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Persönliche Assistenz: Menschenrecht oder Glückssache?
Beim Dialogforum von LICHT INS DUNKEL diskutierten rund 60 Personen zum Status Quo bei Persönlicher Assistenz und skizzierten Verbesserungsszenarien.
In Österreich hängt es vom Bundesland ab, ab welchem Alter und mit welcher Pflegestufe ein Mensch mit welcher Behinderung, wie viel Persönliche Assistenz wofür erhält. Dabei ist für einige Menschen die Inanspruchnahme von Persönlicher Assistenz ein wesentliches Mittel, um das Menschenrecht auf ein selbstbestimmtes Leben realisieren zu können. Entscheidungen, die von anderen ohne großes Überlegen getroffen werden – etwa: Wann stehe ich auf? Was und wann esse ich heute? Wie komme ich in die Arbeit? Wie gestalte ich meine Freizeit? – können Menschen mit Assistenzbedarf überhaupt erst fällen, wenn sie Unterstützung haben.
Doch Assistenz wird nicht bei allen Formen der Behinderung gewährt und auch das bereitgestellte Stundenausmaß oder Budget reicht nicht immer aus. Die Aufteilung in Bund- und Länderzuständigkeit erschwert das Leben für Betroffene noch weiter: Persönliche Assistenz bei der Arbeit, in Bundesschulen und beim Studium fällt in die Zuständigkeit des Bundes, für jene im Privatbereich sind die Länder zuständig.
Das Dialogforum als Ort des Austauschs und der Weiterentwicklung
Grund genug für LICHT INS DUNKEL am 13. Oktober 2026 in St. Pölten bei seinem sechsten Dialogforum den Scheinwerfer auf dieses Thema zu richten. Rund 60 Personen tauschten sich unter dem Titel „Persönliche Assistenz: Menschenrecht oder Glückssache?“ aus. Unter den Teilnehmenden waren Menschen mit und ohne Behinderungen, Vertreter*innen aus der Politik, von Assistenz-Anbietern und Behindertenorganisationen sowie Selbstvertreter*innen. Nach einleitenden Impulsinterviews wurde zu vier Fragestellungen ergebnisoffen diskutiert. Dabei formulierten die Teilnehmenden Grundsätze, äußerten Forderungen und skizzierten Verbesserungsszenarien:
Für alle sichtbar – mitten in der Gemeinschaft
Persönliche Assistenz macht Menschen sichtbar, denn sie ermöglicht den Assistenznehmer*innen ein Leben mitten in der Gemeinschaft. Daher ist sie auch Voraussetzung für eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft. Aus diesem Grund sollte sie allen Menschen ermöglicht werden, die mit Persönlicher Assistenz leben wollen –bedarfsgerecht und einkommensunabhängig.
Persönliche Assistenz bei allen Arten der Behinderung notwendig
Genau bei der Bedarfsgerechtigkeit spießt es sich jedoch oft, denn Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen mit psychischen Behinderungen sind von der Persönlichen Assistenz in vielen Bundesländern ausgenommen oder gelangen nur mit Glück in ein entsprechendes Pilotprojekt. Für viele Menschen entscheidet die Zuerkennung von Persönlicher Assistenz aber darüber, ob sie selbstständig leben können oder ob sie in einer Wohngemeinschaft oder weiterhin von den Eltern betreut werden.
Ein Arbeitsverhältnis auf Augenhöhe
Damit Assistenznehmer*innen und Persönliche Assistent*innen gut zusammenarbeiten können und die Selbstbestimmung bei Assistenznehmer*innen bleibt, braucht es Wertschätzung, Vertrauen und Ehrlichkeit. Assistenznehmer*innen und Persönliche Assistent*innen müssen zusammenpassen. Ideal wären auch Schulungen für Assistenznehmer*innen, um sie auf ihre Rolle als Arbeitgeber*innen bestmöglich vorzubereiten.
Systeme der Zukunft bedürfen neuer Zugänge
Auf der anderen Seite wäre es wichtig, das Berufsprofil zu schärfen und den Beruf bekannter zu machen. Ein weiterer wesentlicher Punkt: Es braucht mehr Durchlässigkeit zwischen den bislang stark getrennten Zugängen Persönliche Assistenz in der Arbeit vs. im Privatbereich. Hier sind Bund und Länder gefragt, damit Menschen ihren Alltag nicht entlang von Fördersystemen organisieren müssen, sondern entsprechend ihren Bedarfen.
Dialogforum als Beispiel gelebter Inklusion
Das Dialogforum war nicht nur baulich barrierefrei zugänglich. Es gab Gebärdensprachdolmetschung und Live-Untertitelung sowie eine graphische Zusammenfassung in einfacher Sprache. Zudem waren ein Ruheraum und eine induktive Höranlage vorhanden.
Rückfragen & Kontakt
LICHT INS DUNKEL
Christine Steindorfer
Telefon: +43 664 1255962
E-Mail: [email protected]
Website: https://lichtinsdunkel.org/
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