• 14.10.2026, 09:30:34
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29. Oktober Weltschlaganfalltag: Österreich bei Schlaganfallversorgung und Forschung im europäischen Spitzenfeld

Neue App soll Patient:innen nach dem Spital bis zu zwölf Monate begleiten

Wien (OTS) - 

Österreich verfügt über eine international hochstehende Schlaganfallversorgung und zählt auch in der Forschung zum europäischen Spitzenfeld. Darauf weist die Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft (ÖGSF) anlässlich des Weltschlaganfalltages hin. Ein dichtes Netz spezialisierter Stroke Units, systematische staatliche Qualitätssicherung sowie innovative Forschung gewährleisten eine rasche und qualitativ hochwertige Behandlung. Gleichzeitig werden neue Wege in der Nachsorge beschritten: Eine große österreichische Studie untersucht derzeit eine digitale StrokeApp. Auch Prävention bleibt zentral: Bis zu 80 Prozent der Schlaganfälle könnten durch gezielte Maßnahmen verhindert werden.

Ein Schlaganfall kann jede:n treffen. In Österreich erleidet etwa alle 20 Minuten ein Mensch einen Schlaganfall, rund 20.000 Menschen sind pro Jahr betroffen. Umso entscheidender ist eine Versorgung, die die gesamte Behandlungskette umfasst: von wirksamer Prävention und dem raschen Erkennen der Symptome über die spezialisierte Akuttherapie bis hin zu Rehabilitation, strukturierter Nachbetreuung und neuen digitalen Versorgungskonzepten. Gerade die Verbindung von hoher Versorgungsqualität und innovativer Forschung macht Österreich zu einem der führenden Länder in der modernen Schlaganfallmedizin.

Entscheidend ist, die gesamte Versorgungskette im Blick zu haben, von der Prävention über die hochspezialisierte Akutbehandlung bis zur Rehabilitation und Nachsorge. Gleichzeitig müssen wir innovative digitale Möglichkeiten nutzen, um Patient:innen auch nach dem Spitalsaufenthalt bestmöglich zu begleiten, betont Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Knoflach, neuer Präsident der Österreichischen Schlaganfall-Gesellschaft (ÖGSF) und Leiter der Arbeitsgruppe Schlaganfall an der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Digitale Anwendungen können künftig eine wichtige Ergänzung zur persönlichen medizinischen Betreuung sein. Sie können Patient:innen dabei unterstützen, Risikofaktoren auch nach der Entlassung dauerhaft im Blick zu behalten und notwendige Maßnahmen im Alltag umzusetzen, so Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Knoflach.

Digitale StrokeApp: Neue innovative Wege in der Schlaganfallnachsorge

Wie die Betreuung nach einem Schlaganfall weiter verbessert werden kann, untersucht derzeit die österreichische DASH-Studie (Digital Application for Stroke Health). In die multizentrische, randomisierte Studie sollen 500 Patient:innen nach Schlaganfall beziehungsweise transitorischer ischämischer Attacke (TIA) eingeschlossen werden. Zusätzlich zur üblichen Nachsorge wird der Einsatz einer digitalen StrokeApp untersucht, die Patient:innen bis zu zwölf Monate begleiten kann.

Die App soll insbesondere Sekundärprävention und Selbstmanagement unterstützen – unter anderem durch medizinische Informationen, Erinnerungen an Medikamente und Termine sowie die Dokumentation gesundheitsrelevanter Parameter. Untersucht wird, ob die digitale Begleitung unter anderem die gesundheitsbezogene Lebensqualität und das Management vaskulärer Risikofaktoren verbessern kann. An der österreichweiten Studie sind mehrere universitäre und klinische Zentren beteiligt.

Digitale Anwendungen können künftig eine wichtige Ergänzung zur persönlichen medizinischen Betreuung sein. Sie können Patient:innen dabei unterstützen, Risikofaktoren auch nach der Entlassung dauerhaft im Blick zu behalten und notwendige Maßnahmen im Alltag umzusetzen, so Knoflach.

Flächendeckende Stroke Units und systematische Qualitätssicherung

Das Herzstück der österreichischen Akutversorgung ist das flächendeckende Netzwerk spezialisierter Stroke Units. Nahezu jede:r Österreicher:in kann innerhalb von weniger als einer Stunde eine spezialisierte Schlaganfalleinheit erreichen. Dort stehen rasche Diagnostik, Akuttherapie, Überwachung und neurologische Frührehabilitation zur Verfügung.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist neben der Versorgungsdichte die enge Zusammenarbeit der Einrichtungen mit einer kontinuierlichen staatlichen Qualitätssicherung. Das österreichische Stroke-Unit-Register ermöglicht es, Prozesse und Behandlungsergebnisse systematisch zu erfassen, zu vergleichen und die Versorgungsqualität kontinuierlich weiterzuentwickeln, betont

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist neben der Versorgungsdichte die enge Zusammenarbeit der Einrichtungen mit einer kontinuierlichen staatlichen Qualitätssicherung. Das österreichische Stroke-Unit-Register ermöglicht es, Prozesse und Behandlungsergebnisse systematisch zu erfassen, zu vergleichen und die Versorgungsqualität kontinuierlich weiterzuentwickeln, erklärt Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Julia Ferrari, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) sowie Leiterin der Abteilung für Neurologie, Neurologische Rehabilitation und Akutgeriatrie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien.

„Time is Brain“: Jede Minute zählt

Auch die beste Versorgungsstruktur kann nur wirken, wenn ein Schlaganfall rasch erkannt wird. Plötzlich einsetzende Lähmungen oder Taubheitsgefühle, Sprachstörungen, ein hängender Mundwinkel, unerwartet heftige Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen können Warnzeichen sein. Dann gilt: sofort 144 rufen. Denn beim Schlaganfall ist Zeit Gehirn: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto größer ist die Chance, bleibende Schäden zu verhindern.

Primärprävention: Bis zu 80 Prozent der Schlaganfälle wären vermeidbar

Neben einer optimalen Akutversorgung ist Primärprävention eine der wirkungsvollsten Strategien gegen den Schlaganfall. Bis zu 80 Prozent der Schlaganfälle könnten durch die konsequente Beeinflussung von Lebensstil und vaskulären Risikofaktoren verhindert werden.

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen Nichtrauchen, ein gesundes Körpergewicht, mediterrane Ernährung, geringer oder kein Alkoholkonsum und regelmäßige körperliche Aktivität. Ebenso entscheidend sind die frühzeitige Erkennung und Behandlung der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes mellitus und Rauchen. Zunehmende Aufmerksamkeit erhält außerdem Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Der weitgehend genetisch bestimmte Blutfettwert ist ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Eine einmalige Bestimmung im Erwachsenenalter – insbesondere bei familiärer Vorbelastung – wird in Leitlinien empfohlen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen spielen daher eine zentrale Rolle.

Schlaganfallversorgung endet nicht mit der Akuttherapie

Nach erfolgreicher Akutbehandlung beginnt für viele Betroffene ein langer Weg zurück in den Alltag. Rehabilitation, konsequente Behandlung vaskulärer Risikofaktoren und Sekundärprävention sind entscheidend, um Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten und weitere vaskuläre Ereignisse zu verhindern.

Auch bei der strukturierten Schlaganfallnachbetreuung und Rehabilitation gehört Österreich zum europäischen Spitzenfeld in Forschung und Umsetzung. Ein wichtiges Beispiel dafür ist das in Österreich entwickelte STROKE-CARD-Konzept. In einer randomisierten klinischen Studie mit 2.149 Patient:innen nach ischämischem Schlaganfall oder TIA reduzierte eine strukturierte Nachbetreuung das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb eines Jahres von 8,3 auf 5,4 Prozent. Gleichzeitig verbesserten sich Lebensqualität und funktionelles Outcome.

Damit zeigt sich: Eine moderne Schlaganfallversorgung endet nicht an der Tür der Stroke Unit. Sie muss die Patient:innen über die Akutbehandlung hinaus begleiten und Rehabilitation, Sekundärprävention, Kontrolle der Risikofaktoren und strukturierte Nachsorge miteinander verbinden.

Die Botschaft der ÖGSF zum Weltschlaganfalltag: Österreich verfügt über eine hervorragende Schlaganfallversorgung – von der Akutbehandlung bis zur Nachsorge. Diese Qualität gilt es weiterzuentwickeln und durch innovative digitale Angebote zu ergänzen. Gleichzeitig bleibt die Prävention der wirksamste Ansatz, um die Zahl der Schlaganfälle langfristig zu reduzieren.

Links: www.oegn.at, www.ögsf.at

Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft

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