- 13.10.2026, 10:04:32
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Gelassener im Klassenzimmer: PH Wien entwickelt Emotionsregulationstraining für angehende Lehrkräfte
Studie in „Frontiers in Psychology“: Schon drei Trainingseinheiten verringern das Grübeln und stärken hilfreiche Strategien im Umgang mit belastenden Gefühlen

Ein lautstarker Konflikt in der Klasse, ein Kind in der Krise, eine Stunde, die aus dem Ruder läuft: Der Lehrberuf gehört zu den emotional forderndsten Berufen überhaupt. Am Urban Diversity Education Campus der Pädagogischen Hochschule Wien wurde ein Training entwickelt, das angehende Volksschullehrer:innen bereits im Studium auf solche Situationen vorbereitet. Eine im internationalen Fachjournal Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie zeigt, dass Teilnehmer:innen nach dem Training deutlich weniger über belastende Erlebnisse grübelten. Zugleich setzten sie häufiger Strategien ein, die nachweislich helfen.
Kontext, Situation, Individuum
Das Emotionsregulationstraining für Lehrpersonen (ERTL) wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts von 2023 bis 2024 entwickelt. Es wurde als Wahlpflichtlehrveranstaltung im Bachelorstudium Primarstufe verankert und umfasst drei Module:
- Kontext: die emotionalen Anforderungen des Lehrberufs und die ungeschriebenen Regeln, welche Gefühle Lehrkräfte zeigen „dürfen“
- Situationen: konkrete herausfordernde Erlebnisse aus der Schulpraxis, die in der Gruppe bearbeitet werden
- Individuum: Atem- und Entspannungstechniken, Akzeptanzübungen und der Umgang mit belastenden Gedanken
Daraus entstand das sogenannte CSI-Modell (Context – Situation – Individual). Es soll Lehrkräften helfen, für die jeweilige Situation passende Strategien zu finden, statt auf Patentrezepte zu setzen.
Die Ergebnisse
Untersucht wurden 86 Studierende, die das Training absolvierten, sowie eine Vergleichsgruppe von 42 Studierenden ohne Training. Beide Gruppen wurden vor und nach dem Training befragt. In der Trainingsgruppe nahm das Grübeln deutlich ab. Gleichzeitig nutzten die Studierenden häufiger die Strategie, belastende Situationen kognitiv neu zu bewerten, und sie regulierten ihre körperliche Anspannung häufiger, etwa durch Atemübungen. Die Effekte lagen im mittleren Bereich. In der Vergleichsgruppe zeigten sich keine Veränderungen.
Keine Effekte fand das Team bei Strategien, die auf den Austausch mit anderen setzen. Das Training wurde daher im neuen Curriculum des Masterstudiums auf fünf Module erweitert, wodurch mehr Raum für diesen Bereich geschaffen wurde.
„Emotionen gehören zum Unterrichten dazu. Entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht“, sagt Studienautor Peter Vogl, Hochschullehrer an der PH Wien. „Emotionale Kompetenz ist kein Soft Skill, sondern eine Kernqualifikation für den Lehrberuf. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Umgang mit belastenden Gefühlen schon im Studium gezielt trainieren lässt und dass bereits wenige Einheiten einen Unterschied machen.“
Zur Studie
Vogl, P., Methlagl, M. & Hanfstingl, B. (2026). Development and validation of an emotion regulation training intervention for primary education students. Frontiers in Psychology, 17:1764661. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2026.1764661
Beteiligt waren die Pädagogische Hochschule Wien, die Universität Wien, die FH Wiener Neustadt und die Universität Klagenfurt. Der Artikel ist frei zugänglich (Open Access).
Über die PH Wien
Die Pädagogische Hochschule Wien ist eine der größten Einrichtungen der Lehrer:innenbildung in Österreich. Am Urban Diversity Education Campus entwickelt sie Konzepte für den Bildungsalltag in einer von Vielfalt und Mehrsprachigkeit geprägten Großstadt.
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