- 12.10.2026, 11:55:33
- /
- OTS0087
ORF-DialogForum: Medienkompetenz in Zeiten von KI, Fake News und Hass im Netz
Am 15. Oktober um 8.00 Uhr in ORF III sowie auf ORF ON und ORF Sound
Das digitale Zeitalter verändert nicht nur, wie wir Nachrichten konsumieren – es verändert, wie wir denken, urteilen und miteinander reden. Social-Media-Verbote für Unter-14-Jährige, KI-Fallen im Netz, Falschnachrichten und die Spaltung der Gesellschaft: Die neue Medienlandschaft stellt uns auf eine harte Probe. Der Ruf nach weniger Verboten und mehr Förderung der Medienkompetenz wird lauter. Doch wer soll sie vermitteln – Eltern, Schulen, Plattformen oder Medien? Welche Verantwortung tragen öffentlich-rechtliche Medien dabei? Diese und ähnliche Fragen diskutiert Klaus Unterberger, ORF Public Value, mit seinen Gästen im „ORF-DialogForum: Medienkompetenz in Zeiten von KI, Fake News und Hass im Netz“. Ein Zusammenschnitt ist am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, um 8.00 Uhr in ORF III sowie auf ORF ON zu sehen. Auf ORF Sound steht das „ORF-DialogForum“ zum Nachhören bereit.
Peter A. Bruck, International Center for New Media, sagt: „Das Internet hat sich ganz wesentlich geändert, mit Plattformen wie Facebook, Google oder TikTok entstand eine Machtkonzentration, die wir in der menschlichen Geschichte noch nie hatten. Wir, die Demokraten, die Bürgerinnen, müssen verstehen, dass wir uns in einer Situation von höchster Dramatik in Bezug auf die Gestaltung unserer Zukunft befinden. Wir können den Klimawandel nicht ändern, wir können die Inflation nicht bekämpfen, wir können Kriege nicht bekämpfen, wenn wir in einem digitalen Raum sind, in dem wir die kleinen Mäuse sind und den der große Elefant übernommen hat.“ Bruck plädiert für Regulierung und spricht sich für eine Erhöhung der Digitalsteuer aus sowie die Verdoppelung der ORF-Haushaltsabgabe.
Dimitri Prandner von der Johannes Kepler Universität Linz und wissenschaftlicher Leiter der aktuellen Public-Value-Studie zur Medienkompetenz, fordert den Aufbau einer nationalen Plattform, die sich mit einer konsolidierten Medienkompetenz-Strategie befasst: „Wir brauchen ein Gegenangebot zu den kommerziellen Plattformen, das als solches auch funktioniert: wo man sich austauchen kann, nachfragen kann und entsprechende Inhalte finden kann. Das muss jenseits von kommerziellen und politisch normativen Interessen funktionieren – deshalb ist es wichtig, dass da ein unabhängiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk dahintersteht.“
Inka Tucek, die sich als Projektmanagerin bei Digitaler Kompass an der Schnittstelle von Pädagogik und Journalismus für die Stärkung von Medienkompetenz einsetzt, betont: „Medienkompetenz ist geteilte Verantwortung und darf daher nicht nur am Rücken von Individuen und Jugendlichen ausgetragen werden! Das Thema geht uns als Gesellschaft etwas an, wir sollten daher auch die Plattformen in Verantwortung ziehen.“ Der souveräne Umgang mit Medien ist für sie eine Grundkompetenz, um sich möglichst selbstbestimmt zu bewegen und an unserer Gesellschaft teilhaben zu können.
Philip Pramer von der Tageszeitung „Der Standard“ hält die Zusammenarbeit von Medien in Sachen Medienkompetenz für sehr wichtig: „Wir sollten nicht als Gegner auftreten, sondern gemeinsam als Qualitätsmedien – wie der ORF ja auch eines ist. Denn wir alle sind interessiert an einer informierten Öffentlichkeit, die Zeitung liest und ORF konsumiert.“
Lejla Visnjic, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, sieht die Politik gefordert: „Es braucht nicht nur mehr Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche, sondern für uns alle! Gleichzeitig kann man sich auch mit noch so viel Medienkompetenz nicht vollständig davor schützen, was auf den digitalen Plattformen alles passieren kann. Es geht daher nicht nur um Medienkompetenz, sondern auch um Regulierung.“
Helene Voglreiter, Leiterin ORF Verification, bekennt: „Der transparente Umgang mit eigenen Fehlern stiftet Vertrauen – auch wir im ORF können da sicherlich noch besser werden. Wir versuchen im Sinne der Medienkompetenz auch zu thematisieren, was wir möglicherweise noch nicht wissen.“ Ihre Abteilung versteht sie auch als ORF-interne Qualitätskontrolle, die etwa durch das Verifizieren von User-Generated-Content in Form von Fotos und Videos einen Beitrag dazu leistet, dass das, was im ORF berichtet wird, auch tatsächlich stimmt.“
Aufklärung und Verifikation sind zentrale Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, meint Moritz Mittermann, Vorsitzender der Bundesjugendvertretung: „Es gibt zahlreiche Moderatorinnen und Moderatoren des ORF, die ganz aktiv zeigen, wie sie jetzt vorgehen, wenn sie eine Nachricht bekommen mit Informationen, wen sie fragen, was sie genau fragen und wie sie sich dann sicher sind, dass diese Nachricht zu verifizieren ist und sie dann auch weiter veröffentlichen. Wenn wir jungen Menschen diesen Weg auf den unterschiedlichen Plattformen zeigen, haben wir die Chance, dass sich junge Menschen einfach sicherer fühlen mit den Informationen, die an sie gelangen.“
Wolfgang Reising vom Mitteldeutschen Rundfunk plädiert für mehr Dialog mit dem Publikum: „Früher funktionierte Massenkommunikation nur nach dem klassischen One-to-Many-Prinzip, heute aber ist das dialogische Many-to-Many-Prinzip Standard. Wir müssen also auch mal außerhalb einer Rundfunkinstitution rausgehen und sagen: ‚Wir sind für Euch da‘. Nicht umgekehrt.“
Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.
Rückfragen & Kontakt
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRF






