- 12.10.2026, 11:03:33
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Wie Standards über Europas Zukunft entscheiden
Austrian Standards Expert Talks: Warum Innovation, Sicherheit und Marktzugang eine starke Normung brauchen.

Technologien entwickeln sich schneller, neue Märkte entstehen, der internationale Wettbewerb nimmt zu. Damit wächst auch der Druck auf die europäische Standardisierung: Standards müssen rechtzeitig verfügbar sein, zugleich sollen Fachwissen, breite Beteiligung und Konsens ihre Grundlage bleiben. Wie das gelingen kann, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, Wirtschaft, Wissenschaft und Standardisierung bei den Expert Talks von Austrian Standards, der österreichischen Standardisierungsorganisation.
Unter dem Titel „Resilient. Demokratisch. Wettbewerbsfähig. Welche Standardisierung braucht Europa im Jahr 2035?“ ging es um die künftige Ausrichtung des europäischen Standardisierungssystems, seine internationale Rolle und um die Frage, wo Verfahren und Strukturen weiterentwickelt werden müssen. Dieses Event ist eine Kooperation von Austrian Standards, Wirtschaftskammer Österreich (WKO), der Industriellenvereinigung (IV) und dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik (OVE).
Standards müssen rechtzeitig verfügbar sein
Guillaume Roty, Head of Unit Standards Policy bei der Europäischen Kommission, widmete sich in seiner Keynote der Überarbeitung der EU-Normungsverordnung, die seit 6. Oktober 2026 als Entwurf vorliegt, und ihren Auswirkungen auf das europäische Normungssystem. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Standards schneller und verlässlicher verfügbar werden können. „Standards müssen dann verfügbar sein, wenn sie gebraucht werden. Insbesondere in Bereichen, die sich technologisch sehr schnell entwickeln. Dafür müssen wir die Reaktionsfähigkeit des europäischen Standardisierungssystems verbessern. Zugleich kommt es darauf an, die Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen zu sichern“
so Roty.
Für Valerie Höllinger, CEO von Austrian Standards, ist die Überarbeitung der EU-Normungsverordnung auch Anlass, die Arbeitsweisen der Standardisierungsorganisationen weiterzuentwickeln. Dabei gelte es, europäische Rahmenbedingungen und die Modernisierung der Normungsarbeit gemeinsam zu betrachten. „Die Reform muss das europäische Normungssystem stärken und eine Fragmentierung vermeiden. Wir brauchen ein flexibles System ohne Überregulierung, das international eng vernetzt bleibt. Zugleich sind wir als Standardisierungsorganisationen gefordert, unsere Prozesse weiterzuentwickeln: Digitale Werkzeuge können uns helfen, schneller zu werden und Fachleuten die Mitarbeit zu erleichtern. Dabei müssen wir bewahren, was Standards verlässlich macht – Fachwissen, breite Beteiligung, Transparenz und Konsens. Entscheidend ist, dass Standards in der Praxis funktionieren und Innovationen den Weg in die Märkte öffnen“
, sagt Höllinger. Austrian Standards setzt diese Weiterentwicklung im eigenen Transformationsprozess um. Neben der Digitalisierung der Normenschaffung liegt ein Schwerpunkt auf maschinenlesbaren Standards, die neue Möglichkeiten für die digitale Nutzung eröffnen.
Österreich muss internationales Fachwissen einbringen
Für die exportorientierte österreichische Wirtschaft hat die europäische und internationale Standardisierung besondere Bedeutung. Standards erleichtern den Zugang zu Märkten und schaffen gemeinsame technische Grundlagen für Produkte und Technologien. Entscheidend ist daher auch, wo und wie österreichisches Fachwissen in die Entwicklung europäischer und internationaler Standards einfließt. „Standardisierung ist ein wesentlicher Pfeiler der europäischen Wirtschaftspolitik: Gemeinsame Standards stärken den Binnenmarkt und öffnen österreichischen Unternehmen den Zugang zu Weltmärkten. Eine Fragmentierung des Normungssystems würde diese Stärke gefährden. Deshalb brauchen wir nachvollziehbare Prozesse und eine enge Verbindung zwischen europäischer und internationaler Normung. ‚International First‘ bedeutet, internationale Standards aktiv mitzugestalten und damit Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu trägt auch Österreich bei: Über Austrian Standards und den OVE wird Expertise in die europäische und internationale Standardisierung eingebracht,“
sagt Georg Konetzky, Sektionschef Nationale Marktstrategien im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Daniel Herbst, Generalsekretär des OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik, unterstreicht die Bedeutung eines leistungsfähigen und nachhaltig finanzierten Normungssystems: „Standardisierung schafft Sicherheit, ermöglicht das Zusammenspiel von Produkten und Systemen und öffnet Märkte über Landesgrenzen hinweg. Ihre Stärke liegt darin, dass Fachleute unterschiedliche Perspektiven einbringen und gemeinsam tragfähige Lösungen im Konsens erarbeiten. Wenn wir die Normung beschleunigen wollen, müssen wir zugleich ihre Qualität und die offene Beteiligung sichern. Dafür braucht es auch eine tragfähige Finanzierung, die die unabhängige Normungsarbeit langfristig ermöglicht. Nur so können Standards den technischen Fortschritt verlässlich begleiten und Unternehmen bei Innovationen und beim Zugang zu internationalen Märkten unterstützen.“
Europäische Resilienz: Standards stärken die technologische Handlungsfähigkeit
Wie Europa angesichts von Cyberangriffen, Krisen und geopolitischen Spannungen handlungsfähig bleiben kann, beleuchtete Helmut Leopold, Head of Center for Digital Safety & Security am AIT Austrian Institute of Technology, in seiner Keynote: „Resilienz ist kein defensives Konzept. Europa muss Cyberangriffen und Krisen standhalten können, zugleich aber seine technologische Unabhängigkeit stärken. Dafür brauchen wir eigene Kompetenzen und die Fähigkeit, Schlüsseltechnologien mitzugestalten. Standards spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie machen Sicherheitsanforderungen überprüfbar und ermöglichen, dass Technologien unterschiedlicher Anbieter zusammenarbeiten. Wer Standards mitentwickelt, nimmt Einfluss auf die technologischen Spielregeln und erweitert Europas Handlungsmöglichkeiten“
, erläutert Leopold.
Vergleichbare Herausforderungen in ganz Europa
Normungsprozesse beschleunigen, die Mitarbeit erleichtern und Standards für die Anwender:innen besser nutzbar machen: Diese Aufgaben verbinden nationale Standardisierungsorganisationen in ganz Europa. Ruggero Lensi, Director General der italienischen Standardisierungsorganisation UNI und Vice-President Technical elect von ISO, betonte dabei das Potenzial digitaler Werkzeuge und die Bedeutung bewährter Grundprinzipien: „Wir machen Standardisierung schneller und leichter zugänglich, ohne ihre Grundprinzipien aufzugeben. Neue digitale Werkzeuge ermöglichen wesentliche Verbesserungen – sowohl bei der Mitarbeit an Standards als auch bei deren Nutzung. Diesen Herausforderungen stellen sich die nationalen Standardisierungsorganisationen in ganz Europa“
, erklärt Lensi.
Entwurf der EU-Normungsverordnung: Reform darf nicht zur Schwächung werden
Beim abschließenden “Hot Chair”-Programmpunkt war der Entwurf der EU-Normungsverordnung der Europäischen Kommission erneut Thema. Neben Lensi stellen sich auch Bernhard Spalt, Leitung OVE Standardization und Elisabeth Sperlich, Head of Governance, Policy, Legal & International Relations Austrian Standards, den Fragen von Moderator Bernhard Vosicky. Spalt betont, dass Europa eine hohe Reputation in der internationalen Standardisierung hat: „Europa kann es sich nicht leisten, sein bewährtes Standardisierungssystem selbst zu schwächen. Wer mehr Geschwindigkeit fordert, darf nicht gleichzeitig Konsens, Qualität und Vertrauen aufs Spiel setzen. Wir brauchen keine neuen Parallelstrukturen und keine Fragmentierung, sondern ein starkes europäisches System, das international Gewicht hat. Denn Standards sind längst auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit und des globalen Einflusses Europas.”
Sperlich betont, dass es wichtig sei, die Europäische Standardisierung zu stärken: „Dafür braucht es eine echte Public-Private-Partnership mit der Kommission, getragen von Vertrauen. Die neue EU-Standardisierungsverordnung sollte das konsensbasierte und auf dem nationalen Delegationsprinzip beruhende System stärken. Nur dann sind die Expertinnen und Experten, die im Zentrum des Systems stehen, auch bereit mitzuarbeiten – auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.“
Fotorechte © Austrian Standards/APA-Fotoservice/Roland Rudolph
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Mirjana Verena Mully
Telefon: +43 676 897124301
E-Mail: [email protected]
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