• 12.10.2026, 09:35:03
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Entwarnung für Österreichs Betriebe: Arbeitsmedizinische Versorgung durch Ausbildungs-Offensive vorerst gesichert

DDr. Karl Hochgatterer, MSc., Präsident der AAMP
Wien (OTS) - 

  • Jährliche Absolvent:innenzahl stieg um 91 %
  • Unbesetzte Stellen gingen um 75 % zurück
  • Gesetzliche Präventionszeiten sollen unverändert bleiben

Viele Jahre war die Unterversorgung Österreichs mit Arbeitsmediziner:innen ein schwerwiegendes Problem in vielen Betrieben, da sie hier ihre gesetzlichen Pflichten und somit die Gesundheitsversorgung der Arbeitnehmer:innen oftmals nicht mehr ausreichend bedienen konnten.

Nun gibt die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP) vorsichtig Entwarnung: Denn eine aktuelle Studie der Akademie zeigt eine deutliche Verbesserung der Versorgungssituation. Steigende Ausbildungszahlen, eine höhere Übertrittsrate der Absolvent:innen in eine arbeitsmedizinische Tätigkeit („nachhaltige Versorgungswirksamkeit“) sowie die ergänzende Einbindung des Arbeitsmedizinischen Fachdienstes (AFa) haben die Versorgungskapazitäten deutlich erhöht. Fehlten früher rund 530 Arbeitsmediziner:innen, konnte diese Lücke auf nunmehr 135 offene Stellen berechnet werden – ein Rückgang um 75 %.

Die Studie der AAMP zeigt deutlich: Zwischen 2020 und 2025 stiegen sowohl die Ausbildungszahlen als auch die nachhaltige Versorgungswirksamkeit markant an. Die Zahl der jährlich abgeschlossenen Arbeitsmedizin-Ausbildungen erhöhte sich von durchschnittlich 59 pro Jahr 2019/20 auf 111 pro Jahr 2021–2025 – ein kräftiges Plus von 91 %. Gleichzeitig stieg die Nachhaltigkeitsquote von 51 % im Jahr 2020 auf aktuell 63 %. Zudem leisten Arbeitsmediziner:innen heute im Durchschnitt 12 % mehr Präventionsstunden.

Diese Entwicklung fußt auf einer mehrgleisigen Strategie, die auch in Zukunft verfolgt werden soll: Neben Maßnahmen, um das Berufsbild attraktiver zu machen und damit neue Interessent:innen zu gewinnen, setzt die AAMP auf die laufende Modernisierung und praxisorientierte Weiterentwicklung der Ausbildung. DDr. Karl Hochgatterer, MSc, Präsident der AAMP, erklärt dazu: „Entscheidend für eine nachhaltige Versorgung ist nicht nur, mehr Ärztinnen und Ärzte für die Arbeitsmedizin zu gewinnen. Wir müssen sie auch auf eine langfristige Tätigkeit in diesem Berufsfeld optimal vorbereiten.“ Ergänzt wird diese Strategie durch die Einbindung des Arbeitsmedizinischen Fachdienstes (AFa), wo Personen mit einer separaten fachspezifischen Ausbildung definierte Aufgaben übernehmen und die Arbeitsmediziner:innen gezielt entlasten.

Hochgerechnet sind derzeit rund 1.020 Arbeitsmediziner:innen in Österreich aktiv. Ergänzt wird die Versorgung durch rund 175 versorgungswirksame Personen im AFa. Unter Berücksichtigung der aktuell von AFa geleisteten Präventionszeiten verbleibt somit ein rechnerischer Bedarf von rund 135 zusätzlichen Arbeitsmediziner:innen*. Die Studie untersuchte zudem die häufigsten Motive für die Teilnahme an der Arbeitsmedizin-Ausbildung: Die Teilnehmer:innen gaben dafür vor allem das Interesse an präventiver Arbeit und die Suche nach einem zweiten beruflichen Standbein an. Auch die Verdienstmöglichkeiten werden zunehmend als attraktiver Faktor für eine arbeitsmedizinische Tätigkeit wahrgenommen. Aspekte wie fachliche Vielseitigkeit sowie die gute Planbarkeit und Flexibilität der Tätigkeit sind weitere oft genannte Argumente, in die Ausbildung einzusteigen. Bleibt es bei den aktuellen Teilnehmer:innenzahlen sowie der erhobenen Versorgungswirksamkeit und unveränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen, so kann die rechnerische Versorgungslücke nach den vorliegenden Berechnungen bis 2029 geschlossen werden.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die von uns gesetzten Maßnahmen zur Sicherung der arbeitsmedizinischen Versorgung spürbar greifen“, so DDr. Karl Hochgatterer, MSc. „Aus Sicht der AAMP gibt es daher derzeit keinen versorgungsbezogenen Grund, die gesetzlich vorgesehenen Präventionszeiten zu reduzieren. Im Gegenteil: Es ist entscheidend, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen, um Ärztinnen und Ärzte für die Arbeitsmedizin zu gewinnen, ihnen eine zeitgemäße und praxisorientierte Ausbildung zu bieten und die arbeitsmedizinische Versorgung durch qualifizierte AFa sinnvoll zu ergänzen.“

*Sofern die verbleibenden Präventionszeiten ausschließlich durch Arbeitsmediziner:innen erbracht werden.

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