- 09.10.2026, 13:16:02
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Physiotherapie wirkt: Studie belegt millionenschweren Nutzen für Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft
Neue Relevanzanalyse zeigt: Physiotherapeutische Versorgung vermeidet Operationen, reduziert Krankenstände und entlastet das Gesundheitswesen nachhaltig
Physiotherapie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung und schafft zugleich einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Nutzen. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Physiotherapie in Österreich – eine Relevanzanalyse“, die von Physio Austria gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Economica erarbeitet wurde. Anhand konkreter Lebenssituationen wurde untersucht, wie physiotherapeutische Maßnahmen Krankheitsverläufe positiv beeinflussen und dadurch Kosten im Gesundheits-, Sozial- und Erwerbssystem reduzieren können.
Entscheidend an Wendepunkten
Die Analyse betrachtet typische Versorgungssituationen bei chronischen Rückenschmerzen, Kniearthrose, Sturzprävention, Schlaganfallrehabilitation sowie diabetischer Neuropathie. Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Physiotherapie setzt genau an jenen Wendepunkten an, an denen sich entscheidet, ob Operationen notwendig werden, Menschen ihre Erwerbsfähigkeit behalten, einen gesundheitsförderlichen Lebensstil wählen oder Pflegebedürftigkeit verhindert werden kann.
„Die Studie belegt mit Zahlen, was Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten aus ihrer Praxis seit Langem kennen: Physiotherapie verbessert nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, sondern trägt auch wesentlich zur Entlastung des Gesundheits- und Sozialsystems bei“, betont Constance Schlegl, Präsidentin von Physio Austria.
Besonders eindrucksvoll sind die Ergebnisse bei chronischen Rückenschmerzen. Durch konsequente konservative Therapie unter Einbindung der Physiotherapie könnten jährlich Operationskosten von rund 16 bis 34 Millionen Euro vermieden werden. Wird Physiotherapie gezielt zur Verhinderung von Rückfällen und Chronifizierungen eingesetzt, ergibt sich zusätzlich ein Potenzial von 43 bis 87 Millionen Euro durch vermiedene Krankenstandskosten. Der Fehlzeitenreport 2026 unterstreicht diese Ergebnisse: Therapien werden oft zu spät oder gar nicht in Anspruch genommen.
Auch bei Kniearthrose zeigt sich ein erheblicher Nutzen. Physiotherapeutisch angeleitete Bewegungstherapie und gezielte Trainingsprogramme können Knieoperationen hinauszögern oder teilweise vermeiden. Das damit verbundene Einsparpotenzial liegt bei 12 bis 32 Millionen Euro pro Jahr. Darüber hinaus können strukturierte Programme zur Sturzprävention bei älteren Menschen sturzbedingte Hüftfrakturen reduzieren. Je nach Betrachtungsweise ergeben sich dabei Einsparungen von bis zu 32 Millionen Euro jährlich.
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Schlaganfallversorgung. „Die Studie zeigt, dass Physiotherapie im Rahmen koordinierter Frührehabilitation und früher Entlassungsmodelle einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen,“ erörtert Martin Gleitsmann, Economica-Senior Researcher und Studienautor. Allein dadurch ergibt sich ein jährliches Einsparpotenzial von 10 bis 60 Millionen Euro, wobei das mittlere Szenario rund 29 Millionen Euro ausweist.
Ergebnisse nicht addierbar
Die Studienautor*innen weisen ausdrücklich darauf hin, dass die einzelnen Ergebnisse nicht addiert werden dürfen. Jeder ausgewiesene Betrag beschreibt einen eigenständigen Ausschnitt des Nutzens physiotherapeutischer Versorgung. Die Studie zielt bewusst nicht darauf ab, den Wert der Physiotherapie in Österreich in einer einzigen Zahl zu bündeln, sondern versammelt ausgewählte Fallbeispiele entlang des Lebensverlaufs. Gemeinsam machen die Ergebnisse jedoch deutlich, dass Physiotherapie weit über die Behandlung einzelner Beschwerden hinauswirkt und einen messbaren Beitrag zur Sicherung eines leistungsfähigen Gesundheits- und Sozialsystems leistet. Die Wirkung und der messbare Beitrag ist auch im interdisziplinären Gesamtkontext, im intensiven Austausch mit den anderen Gesundheitsberufen zu sehen.
„Gerade angesichts einer alternden Bevölkerung, steigender Anforderungen an das Gesundheitssystem und des wachsenden Bedarfs an Rehabilitation und Prävention braucht es eine Stärkung physiotherapeutischer Versorgung. Die vorliegenden Ergebnisse liefern dafür eine wichtige evidenzbasierte Grundlage“, so Schlegl.
Über die Studie
Die Studie „Physiotherapie in Österreich – eine Relevanzanalyse“ wurde von Economica im Auftrag von Physio Austria erstellt. Sie untersucht anhand ausgewählter Fallbeispiele entlang des Lebensverlaufs, welchen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Beitrag Physiotherapie in Österreich leistet. Die Berechnungen basieren auf österreichischen Registerdaten sowie internationaler wissenschaftlicher Evidenz.
Rückfragen & Kontakt
Physio Austria, Bundesverband der Physiotherapeut*innen Österreichs
Alexander Tröbinger
Telefon: 0699 15879975
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