- 09.10.2026, 09:00:32
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Ein Jahr Waffenruhe in Gaza: Humanitäre Katastrophe hält an
Diakonie mahnt Zugang für humanitäre Hilfe und Einhaltung des humanitären Völkerrechts ein. ACHTUNG SPERRFRIST Freitag 12 Uhr
Morgen am 10. Oktober jährt sich der Beginn der Waffenruhe in Gaza zum ersten Mal. Doch für die Bevölkerung hat sich die Lage kaum entspannt. Die humanitäre Katastrophe hält an. Es gibt weiterhin Luftangriffe, die Grundversorgung ist in weiten Teilen zusammengebrochen. Der Zugang zu lebensnotwendiger Hilfe bleibt massiv eingeschränkt.
„Trotz Waffenruhe leisten unsere Partner humanitäre Hilfe in Gaza de facto unter Kriegsbedingungen. Von Normalität kann keine Rede sein, ein menschenwürdiges Leben ist nicht möglich. Es fehlt an allem: Medikamenten, funktionierender Gesundheitsversorgung, Energie, sauberem Wasser und Schulunterricht“, sagt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.
Humanitäre Hilfe durch Einfuhrbeschränkungen massiv erschwert
Ein wesentlicher Grund für die prekäre Versorgungslage sind strenge Einfuhrbeschränkungen. Zahlreiche Güter werden als sogenannte „Dual-Use“-Produkte eingestuft – also als Waren, die zivil genutzt werden, jedoch auch militärisch eingesetzt werden könnten. Dazu zählen Motoröl, Treibstoffe, Diesel, Generatoren und Ersatzteile für Fahrzeuge, aber auch Medikamente, medizinische Geräte wie Röntgen- oder Beatmungsgeräte und Hilfsmittel wie Rollstühle oder Krücken. Die Auswirkungen sind unmittelbar: Da die öffentliche Stromversorgung weitgehend zusammengebrochen ist und Generatoren fehlen oder nicht betrieben werden können, sind nur noch wenige Abwasserpumpstationen funktionsfähig. Abwasser gelangt in Wohngebiete, Krankheiten brechen aus. Die Verteilung humanitärer Hilfe wird durch fehlende Fahrzeugteile erheblich erschwert. Gleichzeitig sind große Teile des Gazastreifens für Hilfsorganisationen nicht oder nur eingeschränkt erreichbar.
„Es ist unerträglich, dass Hilfe bereitsteht, aber die lebensnotwendigen Güter nicht oder nur unter enormen Schwierigkeiten zu den Menschen gelangen. Die Folgen sind verheerend, es geht ums Überleben“, so Moser.
Humanitäre Helfer arbeiten unter Extrembedingungen
Die Diakonie Katastrophenhilfe ist mit ihrem kirchlichen Partner-Netzwerk weiterhin in Gaza präsent. Die Umstände, unter denen die humanitären Helfer und Helferinnen arbeiten, sind immens belastend, berichtet Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser: „Viele sind selbst vertrieben und leben in denselben Lagern wie jene Menschen, die sie unterstützen. Sie leiden unter zu wenig Schlaf, haben kaum Zugang zu sauberem Wasser und leben in permanenter Unsicherheit. Und dennoch leisten sie täglich Hilfe für ihre Nachbar:innen.“
Die Diakonie unterstützt gemeinsam mit einem kirchlichen Partner unter anderem provisorische Schulen in Lagern für Binnenvertriebene. Dort können Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen, spielen und zumindest für einige Stunden ein Stück Normalität erleben. Die Bedingungen, unter denen der Unterricht stattfindet, sind extrem: „Die Kinder versuchen zu lernen, während über ihren Köpfen Drohnen fliegen und ihre Familien nicht wissen, ob sie am nächsten Tag Wasser, Essen oder Medikamente haben werden. Umso wichtiger sind Orte, an denen sie für einige Stunden Kind sein dürfen“, sagt Moser. „Und es sind unsere lokalen Partner, die diese Räume möglich machen – obwohl sie selbst unter denselben Entbehrungen leiden.“
Österreich muss Worten konkrete Schritte folgen lassen
Das offizielle Österreich hat im Rahmen der UN-Generalversammlung klare Worte zu den anhaltenden Verletzungen des humanitären Völkerrechts in Gaza und im Westjordanland gefunden. „Politische Stellungnahmen allein reichen nicht. Die Bundesregierung muss konkrete Maßnahmen zur Wahrung des humanitären Völkerrechts einfordern: ungehinderter Zugang für Hilfsgüter, Schutz von Gesundheitseinrichtungen und Schulen, Schutz von Helfern und Helferinnen. Humanitäre Hilfe muss die Menschen erreichen können – sicher, verlässlich und ohne vermeidbare Hindernisse.“
Rückfragen & Kontakt
Diakonie Österreich
Lukas Plank
Telefon: 0664 88 13 13 48
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