• 07.10.2026, 11:05:32
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Evaluation der FFG-Basisprogramme: Wirkungen auf Forschung, Innovation und Unternehmensentwicklung

Eine Studie von AIT und Kerlen Evaluation zeigt: Ein Euro Förderung löst durchschnittlich 2,20 Euro zusätzliche F&E-Ausgaben aus.

Workshop am AIT Austrian Institute of Technology
Wien (OTS) - 

Die Basisprogramme der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG zählen zu den zentralen Instrumenten der österreichischen Forschungs- und Innovationsförderung für Unternehmen. Eine umfassende Evaluation durch das AIT Austrian Institute of Technology und Kerlen Evaluation untersuchte ihre Wirkungen im Zeitraum 2008 bis 2021. Die Studie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen zusätzliche Effekte auf F&E-Aktivitäten, Innovation und wirtschaftliche Verwertung – mit Unterschieden nach Unternehmensgröße.

Im Evaluierungszeitraum wurden insgesamt 8.195 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 2,1 Milliarden Euro unterstützt. Davon entfielen 87 Prozent beziehungsweise 1,81 Milliarden Euro auf Mittel des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Die Basisprogramme erreichen sowohl etablierte F&E-Akteur:innen als auch Unternehmen, die neu in Forschung und Entwicklung einsteigen. Pro Jahr erhielten rund 12 bis 20 Prozent aller F&E-aktiven Unternehmen in Österreich eine Förderung im Rahmen der Basisprogramme.

Zusätzliche Investition in Forschung und Entwicklung

Die Evaluation zeigt einen signifikanten Effekt von durchschnittlich zwei zusätzlichen F&E-Vollzeitäquivalenten pro gefördertem Unternehmen, entsprechend einer Steigerung von rund 15 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Ein Euro Förderbarwert erhöht die F&E-Ausgaben geförderter Unternehmen im Durchschnitt um 2,20 Euro. Für den Zeitraum 2008 bis 2021 werden damit rund 2,5 Milliarden Euro an zusätzlichen privaten F&E-Ausgaben geschätzt.

Die Effekte unterscheiden sich nach Unternehmensgröße. Signifikante zusätzliche Effekte auf die F&E-Ausgaben zeigen sich insbesondere bei Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten. Bei Großunternehmen lässt sich im Vergleich zu ähnlichen nicht geförderten Unternehmen hingegen keine signifikante zusätzliche Erhöhung der gesamten F&E-Ausgaben feststellen. Die Förderung ist dort häufig in bestehende F&E-Strategien eingebettet und unterstützt insbesondere die Strukturierung und Priorisierung von Innovationspfaden sowie die Weiterentwicklung technologischer Kompetenzprofile.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirkungen der Basisprogramme nach Unternehmensgruppen differenziert betrachtet werden müssen. Bei KMU und neuen F&E-Akteuren lassen sich insbesondere zusätzliche Effekte auf den Aufbau von F&E-Kapazitäten feststellen. Bei Großunternehmen ist die Förderung stärker in bestehende Forschungs- und Innovationsstrategien eingebettet“, sagt Michael Dinges, Projektleiter der Evaluation und Head of Unit Transformation Governance am AIT Center for Innovation Systems & Policy.

Effekte auf Innovation und wirtschaftliche Entwicklung

Die Förderung wirkt über die unmittelbaren F&E-Aktivitäten hinaus. Geförderte Unternehmen entwickeln signifikant häufiger Produktinnovationen und Marktneuheiten und erzielen höhere Umsatzanteile mit neuen Produkten. Die Additionalität bei den Innovationsaufwendungen liegt bei 3,67 Euro je Euro Förderbarwert. Rund 67 Prozent der Unternehmen verwerten Projektergebnisse wirtschaftlich, 40 bis 44 Prozent melden Schutzrechte an.

Auch bei Beschäftigung und Umsatz zeigen sich Effekte: Die Wirkungsanalyse weist im Beobachtungszeitraum durchschnittlich rund 15 zusätzliche Beschäftigte und rund fünf Millionen Euro mehr Umsatzwachstum gegenüber vergleichbaren nicht beziehungsweise noch nicht geförderten Unternehmen aus. Gleichzeitig führt die Förderung nicht signifikant häufiger zu schnell wachsenden Unternehmen. Damit bleiben insbesondere Skalierung und Wachstum Bereiche, in denen ergänzende Instrumente erforderlich sind.

Themenoffenheit und technologische Schwerpunktbildung

Die Evaluation zeigt zudem, dass die themenoffene Ausrichtung der Basisprogramme mit einer Schwerpunktbildung in technologisch relevanten Bereichen einhergeht. 69 Prozent der Projekte sind Schlüsseltechnologien beziehungsweise Stärkefeldern der Industriestrategie zuzuordnen. Besonders vertreten sind Produktionstechnologien und Robotik, Energie- und Umwelttechnologien, fortgeschrittene Werkstoffe, Chips und elektronische Komponenten sowie KI- und Dateninnovationen.

Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung

Aus den Ergebnissen leitet das Evaluationsteam fünf Handlungsoptionen ab. Dazu zählen die Beibehaltung von Technologieoffenheit und Bottom-up-Prinzip bei einem vereinfachten Zugang insbesondere für KMU, Startups und Förderneulinge sowie bessere Anschlussmöglichkeiten für Projekte mit hohem Skalierungspotenzial. Bei knappen Förderbudgets könnte die erwartete Additionalität stärker berücksichtigt werden. Weitere Optionen sind die Ergänzung der Einzelprojektförderung durch systemorientierte Calls sowie eine stärkere Begleitung der Unternehmen entlang des Innovationsprozesses – von Forschung und Entwicklung bis zu Validierung und Skalierung.

Über die Studie

Methodisch kombiniert die Evaluation quantitative und qualitative Verfahren. FFG-Förderdaten wurden auf Unternehmensebene mit amtlichen Mikrodaten des Austrian Microdata Centers (AMDC) verknüpft und geförderte Unternehmen systematisch mit strukturell ähnlichen nicht geförderten Unternehmen verglichen. Ergänzt wurden die Analysen durch Interviews, Innovationsbiografien, einem internationalen Benchmark und Auswertungen des FFG-Wirkungsmonitorings.

Evaluierung der FFG-Basisprogramme für den Zeitraum 2008–2021
Durchgeführt von AIT Austrian Institute of Technology und Kerlen Evaluation im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), Juli 2026.

Download Endbericht https://www.bmimi.gv.at/dam/jcr:b4109da7-0bc3-421c-976f-f46587c8aded/Endbericht_FFG_BP_final_Juli2026.pdf

Download Zusammenfassung https://www.bmimi.gv.at/dam/jcr:9b22b1c3-391a-40f6-b266-5e4bcca1c495/Endbericht_FFG_BP_Zusammenfassung_barrierefrei_.pdf

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