• 07.10.2026, 10:40:32
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Erste Hilfe für die Seele muss in Unternehmen selbstverständlich werden

Welttag für psychische Gesundheit

IBG: Psychologische und psychische Erste Hilfe stärken
Beschäftigte und Führungskräfte – und werden angesichts steigender
psychischer Belastungen zum betrieblichen Erfolgsfaktor
Wien (OTS) - 

IBG: Psychologische und psychische Erste Hilfe stärken Beschäftigte und Führungskräfte – und werden angesichts steigender psychischer Belastungen zum betrieblichen Erfolgsfaktor

Wien, 2026 10 07 – Bei einem medizinischen Notfall am Arbeitsplatz ist klar, was zu tun ist: Ersthelfer greifen ein, setzen erste Maßnahmen und organisieren professionelle Hilfe. Doch was passiert, wenn die Seele in Not gerät? Anlässlich des Welttages der Psychologie macht IBG auf die wachsende Bedeutung von Notfallpsychologie und psychischer Erster Hilfe im betrieblichen Alltag aufmerksam. Denn Überlastung, Erschöpfung, Angstzustände, persönliche Krisen oder plötzlich eintretende belastende Ereignisse können Beschäftigte ebenso aus der Bahn werfen wie körperliche Erkrankungen. Unternehmen brauchen daher Strukturen, Wissen und geschulte Ansprechpersonen, um frühzeitig und angemessen reagieren zu können.

  • Psychische Krisen früh erkennen: Geschulte Mitarbeiter und Führungskräfte können Warnsignale besser wahrnehmen, Betroffene ansprechen und frühzeitig Unterstützung ermöglichen.
  • Sicherheit statt Hilflosigkeit: Psychologische bzw. psychische Erste Hilfe bedeutet nicht Therapie. Es geht darum, Sicherheit und Orientierung zu geben, zuzuhören, zu stabilisieren und bei Bedarf professionelle Hilfe zu organisieren.
  • Psychische Gesundheit ist ein Erfolgsfaktor: Prävention, psychologische Sicherheit und eine vertrauensbasierte Führungskultur stärken Arbeitsfähigkeit und Mitarbeiter und tragen zu einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung bei.

Wenn die Seele in Not gerät

Ein schwerer Unfall, der plötzliche Tod eines Menschen, eine persönliche Krise oder eine akute psychische Überforderung: Außergewöhnliche Situationen können Menschen innerhalb kürzester Zeit an ihre Belastungsgrenzen bringen. Reaktionen wie Erstarrung, Fluchtimpulse, Angst oder starke innere Unruhe sind dabei zunächst normale Reaktionen des Körpers und der Psyche auf eine außergewöhnliche Situation. Die Notfallpsychologie setzt genau in diesen Situationen an. Anders als eine längerfristig angelegte Psychotherapie konzentriert sie sich auf die akute Situation und darauf, Betroffenen möglichst rasch Sicherheit, Orientierung und Stabilität zu vermitteln.

„Psychische Krisen machen vor dem Werkstor oder der Bürotür nicht Halt. Unternehmen sollten deshalb genauso selbstverständlich auf psychische Ausnahmesituationen vorbereitet sein wie auf körperliche Notfälle. Entscheidend ist, dass Beschäftigte und Führungskräfte wissen, was sie im Ernstfall tun können – und auch, wo die Grenzen ihrer eigenen Rolle liegen“, sagt „Psychische Krisen machen vor dem Werkstor oder der Bürotür nicht Halt. Unternehmen sollten deshalb genauso selbstverständlich auf psychische Ausnahmesituationen vorbereitet sein wie auf körperliche Notfälle. Entscheidend ist, dass Beschäftigte und Führungskräfte wissen, was sie im Ernstfall tun können – und auch, wo die Grenzen ihrer eigenen Rolle liegen“,.

Psychologische Erste Hilfe kann jede und jeder leisten

Um einem Menschen in einer akuten Krise beizustehen, braucht es nicht zwingend eine psychologische Ausbildung. Schon das Dableiben, Zuhören und Vermitteln von Sicherheit kann einen wichtigen Unterschied machen.

Eine einfache Orientierung bieten die „3 Ls“: Look, Listen, Link.

Zunächst gilt es, die Situation und mögliche Bedürfnisse wahrzunehmen („Look“), anschließend aufmerksam zuzuhören und der betroffenen Person Raum zu geben („Listen“). Im dritten Schritt geht es darum, Verbindung zu weiterer Unterstützung herzustellen („Link“) – etwa zu Angehörigen, internen Anlaufstellen oder professioneller psychologischer Hilfe.

Für akute Situationen lässt sich das Vorgehen zudem mit der SOS-Formel zusammenfassen:
Sicherheit schaffen,
Orientierung geben,
Stabilisierung ermöglichen.

„Psychologische Erste Hilfe bedeutet nicht, dass KollegInnen zu TherapeutInnen werden sollen. Es geht vielmehr darum, hinzusehen, zuzuhören und einen Menschen in einer Ausnahmesituation nicht allein zu lassen. Oft sind es sehr einfache Handlungen, die Sicherheit vermitteln und den Weg zu professioneller Unterstützung erleichtern“, erklärt Regina Nicham.

Mentale Ersthelfer schaffen eine wichtige Brücke

Ähnlich wie bei klassischen Erste-Hilfe-Kursen können Beschäftigte gezielt auf den Umgang mit psychischen Belastungs- und Krisensituationen vorbereitet werden. In Schulungen zur psychischen Ersten Hilfe lernen sie, Warnsignale zu erkennen, schwierige Situationen anzusprechen und Betroffenen Orientierung zu geben. Mentale Ersthelfer übernehmen dabei eine niederschwellige Brückenfunktion. Sie sind vertrauliche erste Ansprechpersonen im Unternehmen, hören zu und unterstützen dabei, bei Bedarf rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Davon profitieren auch Führungskräfte. Gerade sie werden häufig mit Situationen konfrontiert, in denen Mitarbeiter verändert, erschöpft oder psychisch stark belastet erscheinen. Fehlendes Wissen kann zu Unsicherheit, Überforderung oder auch ungewollt verletzenden Reaktionen führen. Gesprächsführungskompetenz und klare Handlungsleitlinien geben Führungskräften Sicherheit, ohne ihnen eine therapeutische Rolle zuzuschreiben.

Psychische Belastungen werden zum Wirtschaftsfaktor

Die Bedeutung solcher Angebote geht weit über die unmittelbare Krisenintervention hinaus. Psychische Erkrankungen zählen zu jenen Erkrankungen, die besonders lange Krankenstände verursachen. Nach den vorliegenden Daten liegt die durchschnittliche Dauer psychisch bedingter Ausfälle bei über 36 Tagen pro Fall, bei Langzeitkranken-ständen sogar bei rund 68 Tagen. Gleichzeitig erhöhen Arbeitsverdichtung, permanenter Leistungsdruck, Präsentismus und eine „Always-on“-Kultur das Risiko für chronische Überlastung, fehlende Regeneration, emotionale Erschöpfung und Burnout. Psychische Gesundheit ist damit nicht allein eine individuelle Angelegenheit. Sie beeinflusst Zusammenarbeit, Führung, Arbeitsklima, Leistungsfähigkeit und letztlich die Stabilität einer Organisation. „Investitionen in psychische Gesundheit sind Investitionen in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Wer frühzeitig Präventionsstrukturen aufbaut, Führungskräfte qualifiziert und Beschäftigten niederschwellige Unterstützung bietet, stärkt nicht nur einzelne Menschen, sondern die gesamte Organisation“, betont Regina Nicham.

Von der Krisenhilfe zur Präventionskultur

Psychische Erste Hilfe sollte deshalb nicht als isolierte Einzelmaßnahme verstanden werden. Sie ist Teil einer umfassenden betrieblichen Gesundheitsstrategie, die Prävention, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen, psychologische Sicherheit und eine vertrauensbasierte Führungskultur miteinander verbindet. Ein wichtiger Effekt entsprechender Schulungen ist zudem die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen. Je selbstverständlicher in Unternehmen über psychische Belastungen gesprochen werden kann, desto größer ist die Chance, dass Betroffene frühzeitig Unterstützung suchen und annehmen.

„Unser Ziel muss eine Arbeitskultur sein, in der es normal ist, nicht nur körperliche, sondern auch psychische Warnsignale ernst zu nehmen. Niemand muss alle Probleme lösen können. Aber wir können lernen, hinzusehen, richtig anzusprechen und Unterstützung in die Wege zu leiten. Genau darin liegt die Stärke psychischer Erster Hilfe“, so Arbeitspsychologin Regina Nicham abschließend.

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Mag.a Regina Nicham ist Leiterin der IBG-Arbeits- und Organisationspsychologie. Mit dem Schwerpunkt auf der Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung unterstützt sie Unternehmen dabei, eine positive Mental-Health-Kultur zu schaffen.

Rückfragen & Kontakt

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH
Renate Ruhaltinger-Mader
Telefon: +43 (676)38 49 022
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.ibg.at

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