• 07.10.2026, 08:14:32
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Hyperscale-Rechenzentren: Baustopp, bis geklärt ist, wem und wozu sie dienen – in der Pflicht sind Behörden und Gesetzgeber

Klar: wenige Jobs, Gewinne im Ausland, enormer Strom-, Wasser- und Bodenbedarf. Ungeklärt: militärische Nutzung und Datenzugriff

Wien (OTS) - 

Bürgerinnen und Bürger können ein genehmigtes Projekt nicht stoppen. Das können nur jene, die genehmigt haben, und jene, die die Gesetze machen – und genau sie sind jetzt in der Pflicht. Beim Google-Rechenzentrum in Kronstorf sah die unabhängige Umweltanwaltschaft schon 2020 eine UVP-Pflicht und wurde von der Landesbehörde überstimmt. Am 23. September 2026 bekräftigte das Land Oberösterreich nach Überprüfung, dass der Bescheid aus 2020 rechtskräftig ist, auch für den Vollausbau. Neu entscheiden könne man nur, wenn der Gesetzgeber das vorsieht. Dann hat der Gesetzgeber es eben vorzusehen. Durchgewunken heißt nicht unabänderlich.

Der Widerstand wächst: Die Petition zum Rechenzentrum Kronstorf hat zehntausende Unterschriften, es gab mehrere Demonstrationen, weitere sind geplant. Auch der Grüne Verein für Grundrechte und Informationsfreiheit (GGI) fordert, wie viele Bürgerinnen und Bürger, einen sofortigen Baustopp für alle Hyperscale-Rechenzentren in Österreich.

Wird in Kronstorf künftig auch für Kriegsführung gerechnet? Google arbeitet für das US-Verteidigungsministerium und die deutsche Bundeswehr. Ob in Kronstorf militärisch gerechnet werden soll, ist nicht bekannt – ausgeschlossen ist es nicht. Wird eine solche Anlage militärisch genutzt, kann sie im Konfliktfall zum Angriffsziel werden, und mit ihr die Region rundherum.

Und der Nutzen? In den Rechenzentren selbst arbeiten nur wenige Menschen: rund 40 bei Microsoft an drei Standorten um Wien, in Kronstorf laut Google höchstens 100. Die Gewinne werden am Konzernsitz versteuert, den Gemeinden bleiben geringe Einnahmen. Dafür könnte Kronstorf allein im Vollausbau bis zu 4,4 Terawattstunden Strom im Jahr brauchen – fast ein Drittel des Verbrauchs von ganz Oberösterreich –, für eine Technologie, die auch hierzulande viele Arbeitsplätze ersetzen kann und über deren Risiken sich nicht einmal die Fachleute einig sind.

Im Sinne des im EU-Recht verankerten Vorsorgeprinzips (Art. 191 AEUV) gilt: Nicht die Bürgerinnen und Bürger müssen beweisen, dass etwas gefährlich ist – wer baut, muss zeigen, dass es unbedenklich ist. Wir fordern daher:

  • einen sofortigen Baustopp für alle Hyperscale-Rechenzentren und keine neuen Genehmigungen, bis alle offenen Fragen umfassend, unabhängig, öffentlich und ergebnisoffen geklärt sind;
  • die Offenlegung, wer die Rechenleistung wofür nutzt, einen verbindlichen Ausschluss militärischer Nutzung und eine Prüfung, ob die Rechenzentren mit der Neutralität vereinbar sind;
  • eine UVP-Pflicht für Rechenzentren dieser Größe sowie ein eigenes Prüfinstrument für das, was eine UVP nicht erfasst: Nutzungszweck, Datenzugriff, Sicherheit und Neutralität – mit regelmäßiger Nachprüfung.

Wir rufen Medien, Politik und Öffentlichkeit auf, genau das einzufordern.

Hintergrund und Quellen:
https://ggi-initiative.at/wp/2026/09/25/hyperscale-rechenzentren-wem-dienen-sie-eigentlich/

Rückfragen & Kontakt

Grüner Verein für Grundrechte und Informationsfreiheit (GGI)
MMag. Dr. Elisabeth Thaler
Telefon: +43699 81245750
E-Mail: [email protected]
Website: https://ggi-initiative.at/wp/

Andreas S., (Mit)Autor und Rechercheur (Name GGI bekannt)
[email protected]

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