- 06.10.2026, 13:15:32
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Auslandskultur-Staatssekretär Schellhorn gratuliert Lyrik-Preisträgerinnen
Esther Kinsky und Ann Cotten gewinnen neuen Deutsch-Österreichischen Lyrikpreis zum Gedenken an Ingeborg Bachmann
Der 100. Geburtstag Ingeborg Bachmanns war Anlass für einen neuen, gemeinsamen Deutsch-Österreichischen Lyrikpreis zur Würdigung der deutschsprachigen Gegenwartslyrik.
Der vom Beauftragten der Deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich (BMEIA) initiierte einmalige Preis zeichnet jeweils eine Lyrikerin bzw. einen Lyriker, die/der in Deutschland oder Österreich ihren Lebensmittelpunkt haben und in den vergangen drei Jahren Lyrikbände herausbrachten, aus.
Die Gewinnerinnen wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, der die maßgeblichen Literaturinstitutionen und Expertinnen und Experten beider Länder angehören: Jan Bürger (Literaturarchiv Marbach), Bernhard Fetz (Literaturarchiv Wien), Daniela Strigl (freie Kritikerin, Wien), Beate Tröger (freie Kritikerin, Frankfurt am Main), Aurélie Maurin (TOLEDO/Literarische Colloquium Berlin) sowie Ursula Ebel und Manfred Müller (Österreichische Gesellschaft für Literatur).
Wesentliches Kriterium der Auswahl war, dass die Werke – wie Ingeborg Bachmanns Werk und Leben – geprägt sind von der Verbindung verschiedener poetischer Traditionen, Sprachwelten und Kulturräume. Die Jury tagte am 28. September 2026 und wählte die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky und die in Wien und Berlin lebende Schriftstellerin und Übersetzerin Ann Cotten als Preisträgerinnen mit folgender Begründung aus:
„Esther Kinskys Gedichtband „Heim.Statt“ benennt schon in seinem Titel das Spannungsfeld zwischen Behaustheit und Ortlosigkeit. Sieben mehrstimmige Langgedichte übersetzen Zustände der Entwurzelung und Randständigkeit in eine raue, eigensinnige poetische Sprache. Was es bedeutet, mit Zugehörigkeits- und Sprachverlust umzugehen, erkundet die 1956 geborene Autorin und Übersetzerin virtuos. In ihrem Durchmessen verschiedener Sprachräume steht sie in der Tradition ihrer Vorgängerin Ingeborg Bachmann,“ so die Jury und weiter:
„Ann Cotten erhält den Lyrikpreis für „Poller. Idyllen“, ein Buch, in dem sie den antiken Begriff der Idylle mit Klugheit, Witz und Bravour ernstnimmt und zugleich unterläuft. Die 1982 in Ames, Iowa, geborene Autorin hat den Band selbst illustriert, auf jeder Seite steht oben das Gedicht, während sich unter dem Strich ein recycelter Prosatext als botanisches Substrat verteilt. Als Übersetzerin, Japan-Enthusiastin und Vergnügungsreisende durch die Literaturgeschichte bewegt Ann Cotten sich mit spielerischer Neugier zwischen den Zeiten und Kulturen und führt vor, wie eine Lyrik aussieht, die Zeitgenossenschaft mit Eigensinn und visionärem Gespür vereint.“
Esther Kinsky und Ann Cotten erhalten den mit jeweils 15.000 Euro dotierten Preis für ihre beiden aktuellen Lyrikbände: „Heim.Statt“ (Gedichte, Suhrkamp 2025) und „Poller. Idyllen“ (Suhrkamp, 2026).
Ann Cotton wurde bereits im Jahr 2012 im ersten Band der vom BMEIA herausgegebenen Publikation schreibART AUSTRIA vorgestellt. In dieser inzwischen vier Mal erschienen Publikation werden von einer unabhängigen Jury Autorinnen und Autoren der jüngeren Generation empfohlen und erhalten die Möglichkeit, ihre Arbeit im Ausland vorzustellen.
Staatsminister Weimer und Staatssekretär Schellhorn werden den Preis persönlich bei der feierlichen Preisverleihung am Eröffnungsabend der Buch Wien am 25. November 2026 überreichen.
Staatssekretär Sepp Schellhorn: „Gerade in Zeiten globaler technischer Veränderungen und den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz müssen wir uns mit voller Kraft für den Erhalt unserer Sprache und den kreativen Gestaltungsgeist unserer Künstlerinnen und Künstler und insbesondere von Literaturschaffenden einsetzen. Mit diesem Preis wollen wir ein unübersehbares Zeichen der Unterstützung für die deutschsprachige Gegenwartslyrik und für Schriftstellerinnen und Schriftsteller setzen.“
Zum Preis gehört auch die Teilnahme an Übersetzungswerkstätten in Berlin am LCB und in Wien in der ÖGfL. Dort beschäftigen sich die Preisträgerinnen gemeinsam mit Literaturübersetzerinnen und -übersetzern insbesondere mit Sprachen und Werken, die für Ingeborg Bachmann von besonderer Bedeutung waren. Im Mittelpunkt steht dabei der Austausch darüber, wie sich ihre eigenen Texte in andere Sprachen übertragen lassen und welche neuen Perspektiven dadurch entstehen. Der Preis schafft damit auch einen Raum für literarischen und europäischen Austausch. Zugleich knüpft er an das reiche literarische Werk Ingeborg Bachmanns an, das bis heute weit über den deutschsprachigen Raum hinauswirkt.
Projektträger sind auf deutscher Seite das Literarische Colloquium Berlin e.V. (LCB) in Kooperation mit dem TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds und auf österreichischer Seite die Österreichische Gesellschaft für Literatur (ÖGfL).
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