• 06.10.2026, 08:30:35
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Zehetner/Schmidt/Doppelbauer: Schluss mit 33-Sekunden-Fördercall: PV-Förderung wird Systemförderung für Speicher & intelligente Steuerung

Intensive Gespräche bringen gemeinsame Eckpunkte für eine einfachere Förderung mit Fokus auf intelligente Speicher und Planungssicherheit

Wien (OTS) - 

Nach intensiven Gesprächen unter Einbindung der Elektrotechnik-, Elektrohandel- und PV-Branche in den vergangenen Wochen besteht ein breiter Konsens über die Eckpunkte der Neuausrichtung der bisherigen PV-Investförderungen im EAG. Gemeinsam wurde eine Lösung erarbeitet, die intelligente Speicher stärkt, die Förderabwicklung vereinfacht und Haushalten, Betrieben sowie ausführenden Dienstleistungsunternehmen mehr Planungssicherheit geben soll. Damit wird wie angekündigt noch vor dem Start des nächsten und letzten Fördercalls im „alten“ EAG-System am 8.10. eine klare Perspektive für das neue Fördermodell ab 2027 geschaffen.

Sonnenstrom besser nutzen, Speicher gezielt stärken, die Energiewende leistbar machen

Die klassische PV-Investitionsförderung soll durch einen gezielten Speichersystembonus ersetzt werden. Künftig soll also nicht mehr die Errichtung einer neuen PV-Anlage gefördert werden, sondern vor allem die intelligente Nutzung des erzeugten Stroms durch intelligente Speicher. Gefördert werden konkret Speichersysteme für neue PV-Anlagen ebenso wie die Nachrüstung von Speichersystemen bei bestehenden PV-Anlagen. Fördervoraussetzung ist ein intelligentes Energiemanagementsystem, das den Speicher nach klar definierten Kriterien netz- und systemdienlich betreibt.

Damit wird aus einer reinen Ausbau Förderung eine zielgerichtete System-Förderung, um den produzierten Sonnenstrom bestmöglich zu nutzen und ins Netz zu integrieren. So soll Sonnenstrom nicht nur erzeugt, sondern möglichst dann gespeichert, genutzt und ins Netz abgegeben werden, wenn er im Energiesystem gebraucht wird.

Der Fokus auf Speicher und intelligente Energiemanagementsysteme soll die Systemkosten nachhaltig dämpfen. Durch die Verwendung bisher ungenutzter Mittel soll auch die EAG-Pauschale geringfügig gesenkt werden. Schritt für Schritt treibt die Bundesregierung so eine leistbare Energiewende voran.

Gleichzeitig wird die Förderung stärker auf europäische Wertschöpfung ausgerichtet. Bei einem neuen Speichersystem bei neuen PV-Anlagen soll ein Made-in-Europe-Wechselrichter verpflichtend sein. Ein zusätzlicher Made-in-Europe-Bonus für Speichersysteme bei der Nachrüstung bestehender PV-Anlagen soll weiterhin möglich bleiben.

Grundlegend geändert werden soll auch die Förderabwicklung. Statt einzelner Fördercalls mit wenigen Sekunden Zeitfenster soll künftig ein kontinuierliches, antragsbasiertes Modell nach Fertigstellung gelten, ähnlich dem Prinzip des Handwerkerbonus. Förderwerber sollen ihre Projekte umsetzen können, ohne auf den nächsten Call warten zu müssen. Für Installationsbetriebe und PV-Dienstleister bedeutet das mehr Planungssicherheit, eine gleichmäßigere Auftragslage und ein Ende des bisherigen Stop and Go rund um einzelne Fördertermine.

Auch für jene, die zuletzt nicht zum Zug gekommen sind, soll es eine Perspektive geben. Projekte mit intelligentem Speicher, die 2026 keine EAG-Förderung erhalten haben und ab 1. November 2026 abgerechnet beziehungsweise in Betrieb genommen werden, sollen 2027 bereits im neuen System einreichen können.

Gemeinsame Richtung steht, gesetzliche Umsetzung folgt

Die konkreten Förderbedingungen, die Höhe des Bonus und die technischen Kriterien werden derzeit abschließend verhandelt. Anschließend soll die erforderliche gesetzliche Änderung auf den Weg gebracht werden. Dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Der breite Konsens mit der Branche bildet dafür eine wichtige Grundlage. Die finalen Förderdetails werden in der jährlichen Investitionszuschuss VO geregelt werden.

Fördercalls machen Reformbedarf deutlich

Die letzten Fördercalls haben deutlich gezeigt, dass bei der Förderlogik des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes aus dem Jahr 2021 dringender Handlungsbedarf besteht. Besonders sichtbar wurde das beim zweiten Fördercall 2026. Nach 33 Sekunden waren die Mittel ausgeschöpft. Knapp 28.000 Anträgen standen Mittel für nur rund 3.000 Projekte gegenüber. Viele Förderwerber gingen trotz konkreter Investitionspläne leer aus. Gleichzeitig erschwerten die Fördercalls den ausführenden Betrieben eine verlässliche Auftragsplanung.

Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zur Neuausrichtung der Förderung:

„Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv mit der Branche gearbeitet und einen breiten Konsens über die Richtung erreicht. Wenn ein Fördertopf nach 33 Sekunden leer ist und von knapp 28.000 Anträgen nur rund 3.000 zum Zug kommen, dann ist klar, dass dieses System nicht mehr zeitgemäß ist. Förderung darf kein Wettrennen um den schnellsten Klick sein. Beim Ausbau der Sonnenenergie haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht. Jetzt geht es um den nächsten Schritt. Entscheidend ist nicht mehr nur, wie viel Strom wir erzeugen, sondern wie gut wir ihn in unser Energiesystem integrieren. Dafür brauchen wir mehr Speicher, intelligente Steuerung und Lösungen, die Strom dann aufnehmen, nutzen oder ins Netz abgeben, wenn er tatsächlich gebraucht wird. Genau darauf richten wir die Förderung neu aus. Aus einer reinen Ausbau Förderung soll eine Systemförderung werden, die mehr aus unserem Sonnenstrom macht, Netze entlastet und gleichzeitig Haushalten wie Betrieben verlässliche Perspektiven gibt. Die gemeinsame Richtung steht, jetzt werden die letzten Details verhandelt. Danach braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Ich lade alle Parteien ein, diesen Weg mitzugehen.“

Staatssekretärin Michaela Schmidt:

„Das Ziel dieser Bundesregierung ist, die Energiewende voranzutreiben und leistbar zu machen. Diesen Weg gehen wir konsequent mit jedem Gesetz, dass wir im Energiebereich umsetzen. Durch die Umstellung des Fördersystems hin zu mehr Systemdienlichkeit gehen wir den nächsten Schritt. Der intelligente Ausbau von Speichern wird die Netzkostenentwicklung nachhaltig dämpfen. Kurzfristig sollen Haushalte und Unternehmen zusätzlich durch die Verwendung bisher ungenutzter Mittel entlastet werden. Denn der Kampf gegen die Teuerung hat für uns gerade auch in der Energiepolitik Priorität.“

NEOS-Energiesprecherin Karin Doppelbauer:

„Förderungen müssen planbar und treffsicher sein und dürfen nicht davon abhängig sein, wer in wenigen Sekunden am schnellsten klickt. Deshalb ist es richtig, dass wir die PV-Förderung grundlegend neu aufstellen: mit weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit für Haushalte und Betriebe, sowie ein klarer Fokus auf Speicher und intelligente Steuerung. So setzen wir öffentliche Mittel dort ein, wo sie einen Nutzen für das Energiesystem bringen und schaffen klare Rahmenbedingungen. Je mehr erneuerbare Energie wir selbst erzeugen und intelligent nutzen, desto unabhängiger werden wir von externen Preisschocks."

Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker/innen Christian Bräuer:

„Es ist ein wichtiges und positives Signal, dass die Expertise der Elektrotechnikbranche in die Neugestaltung der PV-Förderung eingeflossen ist. Aus einer Lotterie wird damit ein effizientes und planbares Fördersystem – zum Vorteil der Antragstellerinnen und Antragsteller, vor allem aber im Sinne einer zukunftsfähigen heimischen Energieversorgung. Denn Energiepolitik muss ganzheitlich und langfristig gedacht werden: Nur wenn wir Finanzierbarkeit, Klimawirkung, Netzinfrastruktur, Speicher und die optimale Nutzung erneuerbarer Energie zusammendenken, können wir das volle Potenzial der Energiewende ausschöpfen.“

Vorstandsvorsitzender Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria Herbert Paierl:

„Wir begrüßen, dass Batteriespeicher stärker in den Fokus der Förderung rücken. Bei der Made-in-Europe-Verpflichtung sehen wir noch Spielraum für eine breitere und praxistaugliche Ausgestaltung. Die Grundlage ist gelegt. Jetzt gilt es, die Details so zu gestalten, dass die Betriebe Planungssicherheit haben und frühzeitig wissen, welche Rahmenbedingungen 2027 gelten.“

Obmann des Bundesgremiums des Elektro- und Einrichtungsfachhandels Robert Pfarrwaller:

„Wir begrüßen die Neuaufstellung der EAG-Förderung und haben uns in der Ausgestaltung intensiv eingebracht. Der bisherige Stop-and-go-Modus hat weder Betrieben noch Kunden die notwendige Planungssicherheit gegeben. Entscheidend sind stabile Rahmenbedingungen, verlässliche Planbarkeit und eine praxistaugliche Ausgestaltung. Genau das braucht der Elektrofachhandel, damit Investitionen vorbereitet, Beratung sinnvoll geleistet und Projekte ohne künstlichen Zeitdruck umgesetzt werden können.“

Rückfragen & Kontakt

Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus
E-Mail: [email protected]

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