- 05.10.2026, 12:41:02
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Bio-Winzer warnt: Weinbau steckt in größter Krise! Österreichs Weingärten sollen jetzt mit zehntausenden Bäumen gekühlt werden
„Größte Krise des Weinbaus“: Bio-Pionier Josef Umathum sieht in Hitze und Dürre eine Herausforderung für die Zukunft. Seine Lösung: Weingärten mit Bäumen aufforsten.

Es ist nur auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Vorschlag, mit dem der bekannte österreichische Weinbauer und Bio-Pionier Josef Umathum seine Winzerkollegen zum Umdenken bewegen will. „Wir müssen die Weingärten im Land mit zehntausenden Bäumen aufforsten, um zukünftig gegen Hitze und Dürre gerüstet zu sein.“ Vitiforst nennt sich das Prinzip, also Agroforst im Weingarten. Umathum betreibt das seit den 1990er-Jahren. Aber er ist einer von nur wenigen Winzern in Österreich, die schon so weit sind.
Für Josef Umathum geht es schlicht um die Zukunft des österreichischen Weinbaus. „Es ist fünf vor zwölf, aber es ist noch nicht zu spät. Es braucht jetzt eine noch stärkere Anstrengung, und zwar von allen Winzern in Österreich.
“ Seine Antwort: Zehntausende Bäume und Sträucher, die den Weingarten beschatten und kühlen, Schafe und Kräuter statt Monokultur, Reben, die tiefe Wurzeln schlagen, statt am Tropf zu hängen, und Winzer, die gemeinsam statt gegeneinander arbeiten. „Die Natur prügelt dich nieder, und du kannst dich nicht wehren“, sagt Umathum. „Umso mehr müssen wir jetzt handeln.“
Die wichtigste Botschaft des Winzers richtet sich an die Branche: „Je großflächiger diese Maßnahmen gesetzt werden, umso besser wirken sie. Als Einzelkämpfer hat das einen gewissen Effekt, aber wenn es die Nachbarn auch machen, haben wir alle einen wesentlich besseren. Gerade jetzt, wo der Markt kleiner wird und das Konkurrenzdenken stärker, braucht es wieder mehr Solidarität.“ Am Ende müssten es zehntausende Bäume sein, die in Österreichs Weingärten zukünftig gegen die Hitze ankämpfen sollen. Jeder Winzer, der mit seinen Weingärten der Hitze ausgeliefert ist, stehe im Zugzwang, jetzt zu handeln.
Umathum weiß, wovon er spricht. Er selbst setzt seit mehr als 30 Jahren auf Bäume und Sträucher in seinen Weingärten. Zuerst waren es einzelne Solitärbäume, heute sind es weit über 1.000. Bewährt haben sich vor allem Feldahorn und Mirabelle, dazu Stachelbeere, Holunder und Schneeball. Sie spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und bringen Vielfalt in eine Landschaft, die durch Monokultur anfällig geworden ist. Auch Schafe gehören zum Betrieb: Sie fressen die Kräuter zwischen den Reben und tragen die Samen weiter, die danach deutlich besser keimen als bei bloßer Einsaat. Im Weinbau sind solche Maßnahmen noch die absolute Ausnahme, verbreitet seien sie „nicht einmal im Promillebereich“.
Ein Ausreißer sind die Hitze und Dürre in diesem Jahr für Umathum nicht. „Wir sehen das seit 20 Jahren: Die Trockenphasen werden immer länger, die Hitze steigt, und dazwischen gibt es enorme Schwankungen. Entweder lange gar kein Regen oder alles auf einmal.“ Dazu kommen sinkender Absatz, neue Krankheiten und steigende Kosten. „Wir stehen vor einem Berg von Problemen“, so Umathum. Umso dringender sei es, jetzt im Weingarten selbst gegenzusteuern.
Übrigens: Die Qualität des Jahrgangs sieht Umathum trotz allem positiv. Der geringe Ertrag habe den Pflanzen geholfen, über die Runden zu kommen, und die Beeren waren komplett gesund, ohne Fäulnis. Mit rund zwölf pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PiWi) experimentiert das Weingut zudem seit Jahren erfolgreich. Im feuchten Vorjahr kamen sie hervorragend mit dem Pilzdruck zurecht, heuer war ihre frühere Reife in der Hitze ein Nachteil.
Josef Umathum führt das Weingut seit 1985, stellte bereits Ende der 1980er-Jahre auf biologische Bewirtschaftung um, als Bio im österreichischen Weinbau noch belächelt wurde, und arbeitet seit 2005 biodynamisch. Wein müsse wieder werden, was er ursprünglich war: „ein Genussprodukt, das man in Gemeinschaft zum Essen trinkt, und kein Massenprodukt, gewachsen in einer lebendigen, gesunden Landschaft“. Wer so wirtschafte, bekomme auch die Kosten besser in den Griff, weil Krankheiten aus der Monokultur und hoher Maschineneinsatz wegfallen.
Um andere Winzerinnen und Winzer mitzunehmen, setzt Umathum neben der Arbeit im eigenen Weingarten auf Wissensvermittlung. Am 17. Oktober spricht der Mikrobiologe Michael Wagner von der Universität Wien, Träger des Wittgenstein-Preises, der höchstdotierten Wissenschaftsauszeichnung Österreichs, im Weingut über den Zusammenhang zwischen gesunder Landwirtschaft, der Qualität von Lebensmitteln und dem menschlichen Mikrobiom.
www.umathum.at
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