- 05.10.2026, 08:55:34
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Almsommer 2026: Dürre und Wolf fordern Österreichs Almen
Almwirtschaft zieht Bilanz und fordert langfristige Perspektiven für die Zukunft
Auch der Almsommer 2026 war in weiten Teilen Österreichs von außergewöhnlicher Trockenheit geprägt. Hohe Temperaturen und über lange Zeit ausbleibende Niederschläge führten auf zahlreichen Almen zu Futtermangel und Problemen bei der Wasserversorgung. Die Landwirtschaftskammer Österreich und die Almwirtschaft Österreich ziehen zum Ende der Saison gemeinsam Bilanz und beleuchten, was es für die Zukunft braucht.
Die Auswirkungen der Trockenheit waren in allen Almregionen Österreichs spürbar, wenngleich in regional sehr unterschiedlichem Ausmaß. Bereits die geringen Schneemengen des vergangenen Winters und das niederschlagsarme Frühjahr sorgten vielerorts für ungünstige Ausgangsbedingungen. Die hohen Temperaturen und fehlenden Niederschläge während des Sommers verschärften die Situation zusätzlich.
Teilweise Wasser- und Futtertransporte sowie früherer Almabtrieb notwendig
„Auf zahlreichen Almweiden blieb der für die Sommermonate übliche Aufwuchs aus, Weidebestände vertrockneten teilweise vollständig. Auf besonders betroffenen Almen reichte das vorhandene Futter nicht mehr für die vorgesehene Alpungsdauer aus. Teilweise mussten Tiere früher als geplant ins Tal zurückgebracht oder Heu zugefüttert werden. Angesichts der vielerorts ohnehin knappen Winterfuttervorräte stellt das eine zusätzliche Belastung dar“, hebt Josef Obweger, Obmann der Almwirtschaft Österreich, hervor.
„Auch die Wasserversorgung der Weidetiere, des Almpersonals und der Gäste wurde mancherorts zu einem großen Problem. Quellen und natürliche Wasserstellen führten deutlich weniger Wasser oder versiegten vollständig. In besonders betroffenen Gebieten musste Wasser mit erheblichem organisatorischem und finanziellem Aufwand über längere Zeiträume auf die Almen transportiert werden“, berichtet Obweger.
Anpassung der Almen an neue klimatische Bedingungen erforderlich
„Der Sommer 2026 hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie unmittelbar sich der Klimawandel auch auf die Almwirtschaft auswirkt. Die Situation war nicht überall gleich dramatisch, aber kaum eine Almregion blieb von der Trockenheit völlig verschont. Unsere Almbäuerinnen und Almbauern haben mit enormem Einsatz alles darangesetzt, ihre Tiere auch unter diesen schwierigen Bedingungen bestmöglich zu versorgen und somit die Almbewirtschaftung aufrechtzuerhalten“, erklärt der Almwirtschafts-Obmann.
Grundsätzlich können längere Vegetationsperioden auch gewisse Chancen für die Almwirtschaft bieten und zu mehr Aufwuchs führen. Viele Almverantwortliche haben ihr Weidemanagement in den vergangenen Jahren bereits entsprechend angepasst – etwa durch gelenkte Weideführung. „Häufen sich jedoch ausgeprägte Hitze- und Trockenperioden, geraten Futtergrundlage und Wasserversorgung zunehmend unter Druck. Umso wichtiger werden künftig neben einem angepassten Weidemanagement weitere Investitionen in Speicherteiche, Tränkeeinrichtungen und Wasserleitungen auf den Almen sein“, betont Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ).
„Unsere Almen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der österreichischen Landwirtschaft. Eine aktive Bewirtschaftung ist die Basis einer attraktiven Landschaft, von Artenvielfalt und Tourismus in unseren Berggebieten. Der heurige Sommer zeigt aber auch, dass die Aufrechterhaltung der bäuerlichen Leistungen unter zunehmend schwierigen klimatischen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit ist. Wer unsere Almen langfristig erhalten will, muss auch entsprechenden Rahmenbedingungen für unsere bäuerlichen Familien schaffen, damit diese auf die Veränderungen reagieren und notwendige Investitionen tätigen können“, betont Moosbrugger, der fordert, die bäuerlichen Leistungen der Almbäuerinnen und Almbauern für die Allgemeinheit auch in Zukunft entsprechend abzugelten und zu erhalten.
Wolfsituation bleibt angespannt und erfordert Management
Neben Trockenheit und Wassermangel war einmal mehr auch die Situation rund um den Wolf ein bestimmendes Thema auf Österreichs Almen. Die steigende Wolfspopulation, insbesondere auch durch die Zuwanderung von Tieren aus den südlichen Nachbarländern, stellt die Alm- und Weidewirtschaft weiterhin vor erhebliche Herausforderungen. Aus Sicht der Landwirtschaftsvertreter sind daher die in den Bundesländern geschaffenen Möglichkeiten zur Regulierung besonders wichtig. Etwa in Kärnten und Tirol, wo es heuer auch die meisten Rissvorfälle gegeben hat, wurden bereits mehrere Wölfe entnommen.
Empört zeigt sich Obweger über in diesem Zusammenhang eingebrachte Anzeigen gegen Almbewirtschafterinnen und -bewirtschafter nach Nutztierrissen: „Für mich ist es völlig unverständlich, wenn Almbäuerinnen und Almbauern, deren Tiere bereits Opfer eines Wolfsrisses geworden sind, zusätzlich angezeigt werden, ohne die konkreten Gegebenheiten auf der jeweiligen Alm zu berücksichtigen. Gerade diese Betriebe ermöglichen ihren Tieren mit der Alpung ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit und Tierwohl. Sie nach einem Riss zusätzlich unter Druck zu setzen, ist für mich der völlig falsche Weg.“
EU-Agrarpolitik ab 2028 muss Zukunft der Almen absichern
„Die Erfahrungen dieses Almsommers auch punkto Kosten zeigen, dass der Aufwand für den Erhalt und die Nutzung der österreichischen Almen weiter steigt. Da es Ziel von ganz Österreich sein muss, diese unverzichtbaren Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsräume zu erhalten, müssen bei der Ausgestaltung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Almbewirtschaftung auch langfristig attraktiv und wirtschaftlich möglich bleibt“, fordert Moosbrugger.
„Unsere Almwirtschaft lebt seit Generationen von Menschen, die mit großer Leidenschaft, Tradition und viel Idealismus hinter ihren Almen stehen. Darauf können und wollen wir auch in Zukunft bauen. Aber Idealismus alleine bezahlt keine Rechnungen oder gar Investitionen. Wenn wir wollen, dass unsere rund 8.000 Almen auch in Zukunft bewirtschaftet und offengehalten werden, braucht es in der GAP ab 2028 eine angemessene, an die Kosten angepasste Abgeltung der Leistungen“, unterstreicht der LKÖ-Präsident.
Rückfragen & Kontakt
Mag. Claudia Jung-Leithner,
Pressesprecherin & Leitung Kommunikation,
Landwirtschaftskammer Österreich,
Telefon: +43 676 83441 8770,
E-Mail: [email protected]
DI Markus Fischer, BEd,
Geschäftsführer Almwirtschaft Österreich,
Tel.: +43 676 83441 8564,
E-Mail: [email protected]
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