- 04.10.2026, 08:19:02
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Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen im Landesklinikum Mauer eröffnet
LH Mikl-Leitner: „Ein Ort, der uns erinnert, aber auch berührt und bewegt“
Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling, dem heutigen Landesklinikum Mauer, wurde ein Gedenkort für eine würdevolle Gedenk- und Erinnerungskultur geschaffen. Am Freitagnachmittag fand die offizielle Eröffnung statt, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hielt dabei die Gedenkrede.
„2.848 – so viele Patientinnen und Patienten von Mauer-Öhling gelten heute als Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen. Es waren 2.848 Menschen mit einer Heimat, mit einer Familie, mit einer ganz persönlichen Lebensgeschichte. Mit diesem Gedenkort geben wir all diesen Menschen einen sichtbaren Platz des Erinnerns, der deutlich macht: Sie sind nicht vergessen“, sagte die Landeshauptfrau in ihrer Rede.
Mit dem Gedenkort nehme man auch „unsere Aufgabe wahr, die Erinnerung an die schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten“, denn hier sei ein Ort entstanden, „der uns erinnert, und der uns vor allem auch berührt und bewegt“, zeigte sie sich überzeugt.
Mit den Landesausstellungen setze man in Niederösterreich immer auch „bleibende Impulse“, so Mikl-Leitner, die in diesem Zusammenhang darauf verwies, dass man sich auch „ganz bewusst mit der Geschichte dieses Ortes auseinandergesetzt“ habe. Mit dem Gedenkort sei „ein bleibender Ort der Erinnerung und der Verantwortung“ geschaffen worden, und damit werde Mauer auch „zu einem zentralen Teil der Erinnerungskultur im ganzen Land“, nahm sie hier etwa auch auf die ehemalige Synagoge oder das Haus der Geschichte in St. Pölten sowie die Sanierung der jüdischen Friedhöfe in Niederösterreich Bezug. „All diese Initiativen haben unterschiedliche Geschichten, aber sie verbindet ein gemeinsamer Auftrag: Erinnern, nicht vergessen“, so die Landeshauptfrau. Der heutige Tag setze ein weiteres deutliches Zeichen, betonte sie: „Ein deutliches Zeichen für das ,Niemals vergessen‘ und das ,Nie wieder‘“.
Der Historiker Stephan Roth sprach Worte von Seiten der Angehörigen und betonte, dass die NÖ Landesausstellung einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Euthanasie leiste. Hier in Mauer sei „ein offener Ort des Dialogs und des respektvollen Miteinanders“ entstanden: „Die Angehörigen haben nun einen konkreten Ort, an dem sie trauern können.“
Der Medizinhistoriker Herwig Czech, Professor für Geschichte der Medizin an der MedUni Wien, gab einen historischen Abriss über die Geschichte und wissenschaftliche Aufarbeitung der Euthanasie im Nationalsozialismus. Auch er hob die Bedeutung des Gedenkortes und auch des Lernortes, die im Zuge der Landesausstellung geschaffen wurden, hervor.
Weiters zu Wort kamen der Ärztliche Direktor des Landesklinikums Mauer, Christian Korbel, der Vorstand der Landesgesundheitsagentur Bernhard Kadlec sowie Mathias Vogl, Leiter der Sektion Recht im Bundesministerium für Inneres. Korbel freute sich, dass Lern- und Gedenkort auch nach der Landesausstellung auf Dauer bestehen bleiben werden, Kadlec meinte, es sei vor allem auch wichtig, das Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Gedenken und Erinnern sei ein wesentlicher Teil unserer Verantwortung, betonte Vogl. Durch die Veranstaltung führte Regina Bauer, Kaufmännische Direktorin im Landesklinikum Mauer, die musikalische Begleitung erfolgte durch die Cellistin Sophie Abraham.
Der Gedenkort wurde von der Künstlerin und Architekturhistorikerin Azra Aksamija konzipiert und erinnert an die nach heutigem Forschungsstand bekannten 2.848 Patientinnen und Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling, die zu Opfern der NS-Medizinverbrechen wurden. Gleichzeitig kennzeichnet er einen belasteten Ort aus der Zeit des Nationalsozialismus: jenen Friedhofsbereich, der aufgrund der NS-Medizinverbrechen und der Überbelegung des regulären Anstaltsfriedhofs 1944 errichtet wurde. Die Gestaltung macht den Ort zu einer würdevollen Ruhestätte für die hier begrabenen Opfer aus Mauer-Öhling. Die an der Mauer angebrachten 2.848 Metallplättchen tragen ihre Namen und Lebensdaten und tragen somit zu einem würdevollen Gedenken bei.
Darüber hinaus wurde im Zuge der diesjährigen NÖ Landesausstellung 2026 im Haus 18 des Landesklinikums Mauer ein dauerhafter Lernort zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen errichtet, der die neuesten Forschungsergebnisse zur Heil- und Pflegeanstalt während der NS-Zeit vermittelt und den Besucherinnen und Besuchern bei freiem Eintritt zur Verfügung steht.
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