- 02.10.2026, 14:09:33
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Zeichen gegen das Vergessen eröffnet: „Palmhof – Sei bereit“
Kunstwerk von Heidi Schatzl erinnert nun an der Fassade des Hauses Palmgasse / Ecke Mariahilfer Straße an das 1938 „arisierte“ Café Palmhof und seine Betreiber
Von 1919 bis 1938 florierte in der Mariahilfer Straße 135 das Café Palmhof, ein kosmopolitisches Zentrum des Wiener Kultur- und Gesellschaftslebens. 1938 wurden die Betreiber, die Gebrüder Pollak, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten enteignet; ihre Familie wurde vertrieben und größtenteils ermordet. Am Donnerstagvormittag wurde das Erinnerungszeichen der Künstlerin Heidi Schatzl an der Fassade des Hauses Palmgasse / Ecke Mariahilfer Straße feierlich eröffnet.
Die Brüder Otto (1894–1978) und Karl Pollak (1889–1943) machten das Café in der Zwischenkriegszeit zu einem der populärsten Treffpunkte Wiens. Abends traten hier Stars der Musikwelt auf, die Konzerte wurden regelmäßig live im Radio übertragen. Nach der „Arisierung“ des Kaffeehauses flüchtete die Familie nach Mähren. Von dort wurden sie 1943 nach Theresienstadt deportiert. 61 Familienmitglieder wurden ermordet, darunter Karl. Otto und seine Tochter Helga (1930–2020) überlebten.
„Mit dem Erinnerungszeichen holen wir ein fast vergessenes Stück Wiener Stadtgeschichte zurück ins öffentliche Bewusstsein. Es ist mir besonders wichtig, sichtbar zu machen, wie sehr jüdisches Leben, kulturelle Vielfalt und kosmopolitische Treffpunkte unsere Stadt einst geprägt haben – und wie brutal diese wunderbaren Orte und Einflüsse durch den Nationalsozialismus zerstört wurden“, so Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.
Leuchtturm als Symbol des Überlebenswillens
Künstlerin Heidi Schatzl hat die Geschichte des Ortes und der Familie zu einem visuellen Zeichen verdichtet: Die Skulptur an der Fassade zitiert die ehemalige Leuchtreklame des Café Palmhof und nimmt die Linien des Leuchtturms auf, den die zwölfjährige Helga Pollak im Lager als „Lebenssymbol“ wählte und in ihr Tagebuch zeichnete. Der Schriftzug „Buď připraven" (Sei bereit) zitiert den Leitgedanken ihres Überlebenswillens.
Hannah Lessing, Vorstand des Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, dazu in ihrer Grußbotschaft: „Die Worte »Buď připraven« sind gerade heute aktueller denn je – als weithin sichtbares Zeichen rufen sie alle, die vorübergehen, zur Wachsamkeit auf."
Ein QR-Code an der Skulptur führt zu einem digitalen Bildarchiv mit Aufzeichnungen zur Geschichte des Cafés und seiner Betreiber. „Heidi Schatzl schafft es immer wieder, die großen Geschichtsstränge mit den kleinen zu vernetzen und Erinnerungsräume auf mehreren Ebenen zu öffnen“, erläutert Cornelia Offergeld, Künstlerische Leiterin von KÖR Wien und Vorsitzende der Wettbewerbsjury.
Das von der Bezirksvertretung Rudolfsheim-Fünfhaus initiierte Projekt wurde mitermöglicht durch Kunst im öffentlichen Raum Wien, Zukunftsfonds der Republik Österreich und Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus. Projektorganisation von coobra in Kooperation mit KÖR Wien.
Ausführliche Informationen und Pressefotos:
https://www.koer.wien/projekte/cafe-palmhof/
Mehr Fotos auf Anfrage.
Rückfragen & Kontakt
Kunst im öffentlichen Raum Wien
Anne Katrin Feßler
Telefon: +43 1 52189 - 412
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.koer.wien
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