- 01.10.2026, 18:11:03
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Sonntagsallianz: Freier Sonntag wichtig für stabile Demokratie
Festakt 25 Jahre "Allianz für den freien Sonntag Österreich" im Wiener Rathaus - Bischof Krautwaschl: "Der freie Sonntag ist ein Geschenk für die Seele, für die Familie, für die Ge
Mit einem Festakt im Wiener Rathaus hat die "Allianz für den freien Sonntag Österreich" am Donnerstag ihr 25-Jahr-Jubiläum gefeiert. Gastgeber Bürgermeister Michael Ludwig konnte dazu zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften und zivilgesellschaftlicher Organisationen begrüßen. Das Jubiläumsfest stand unter dem Motto "Demokratie braucht einen freien Sonntag!" Die Allianz setzt sich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags und den Erhalt gemeinsamer freier Zeit als unverzichtbaren Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein. Ihr gehören mehr als 50 Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft an.
Der freie Sonntag erinnere daran, dass der "Wert" des Menschen nicht von seiner Produktivität abhänge, betonte Bischof Wilhelm Krautwaschl, kirchlicher Sprecher der Allianz, in seinem Grußwort. In einer von überbordender Rasanz geprägten Zeit sei die Frage nach dem freien Sonntag aktueller denn je. "Der Mensch lebt nicht allein von Arbeit, Leistung und Erfolg. Er braucht Zeiten der Ruhe, der Besinnung, der Begegnung mit den Mitmenschen und auch für die Begegnung mit Gott, in dem alles begründet ist."
"An diesem Tag dürfen wir innehalten und uns bewusst machen: Wir sind mehr als Arbeitnehmerinnen, mehr als Konsumenten, mehr als Menschen mit endlosen Aufgabenlisten. Wir alle sind Menschen mit einer Würde, die über jede Leistung hinausgeht." Eine Gesellschaft, die keine gemeinsamen Ruhezeiten mehr kennt, verliere zudem leicht den Raum für echte Gemeinschaft "und driftet ab in die Einsamkeit", warnte der Bischof.
Krautwaschl strich zudem die Wichtigkeit regelmäßiger Erholungsphasen heraus. Dauernde Belastung ohne ausreichende Ruhe führe auf lange Sicht zu gesundheitlichen Problemen. Der freie Sonntag sei deshalb nicht nur eine religiöse oder kulturelle Tradition, "sondern auch ein Beitrag zur Gesundheit", so Krautwaschl; angesichts des belasteten Gesundheitssystems ein wichtiger Gedanke. Der freie Sonntag sei daher "ein Geschenk für die Seele, für die Familie, für die Gesellschaft und für unsere Gesundheit. Bewahren wir ihn deshalb nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung."
Philip Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz, betonte die Rolle des Sonntags als jenen Tag, der das "Diktat des Marktes" unterbreche. Daran hätten auch Digitalisierung, Onlinehandel und die zunehmende Automatisierung nichts geändert. Gerade für Berufstätige werde gemeinsame Freizeit leichter möglich, wenn möglichst viele Menschen gleichzeitig frei hätten. Für diese Freiheit gelte es auch weiterhin zu kämpfen, betonte Kuhlmann.
Rosenberger: Freie Zeit als "Ressource" für Demokratie
Die Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger stellte in ihrem Festvortrag den Zusammenhang zwischen gemeinsamer freier Zeit und Demokratie in den Mittelpunkt. "Der arbeitsfreie Sonntag kann als fördernder Rahmen gesehen werden, um die gesellschaftliche Grundwährung der Demokratie, nämlich sozialer Zusammenhalt und politisches Vertrauen, zu schaffen und zu stärken", so Rosenberger.
Die seit 25 Jahren bestehende Allianz hingegen praktiziere, was gegenwärtig so dringend nötig sei: "Menschen und Gruppen unterschiedlicher politischer Orientierungen und Einstellungen versammeln sich, um für ein gemeinsames Interesse öffentlich zu argumentieren." Die einzelnen Organisationen der Allianz seien zudem in allen geografischen Räumen aktiv, im Urbanen wie im Ländlichen. Rosenberger: "Gerade im ländlichen Umfeld bekommen rechtsradikale Kräfte für ihre ab- und ausgrenzenden Forderungen und Behauptungen viel Zuspruch. Wahlergebnisse für rechtsradikale Parteien belegen, dass Menschen in ländlichen Gebieten besonders anfällig für autokratische Versprechen sind."
Der freie Sonntag könne in diesem Sinn einen Rahmen für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe schaffen, sagte Rosenberger. Er wirke einer zunehmenden Beschleunigung des Alltags entgegen und erleichtere persönliche Kontakte. Gerade angesichts von Einsamkeit und schwindenden sozialen Bindungen sei das gesellschaftlich relevant.
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