- 01.10.2026, 12:17:02
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„dokFilm“-Premiere „Im Schatten des Sterns – Wie Emil Jellinek den Mercedes erfand“ am 4. Oktober in ORF 2 und auf ORF ON
Lorenz Findeisens Porträt einer faszinierenden Persönlichkeit
Wäre der Name seiner Tochter nicht Mercedes gewesen, man hätte Emil Jellinek längst vergessen: Die Dokumentation „Im Schatten des Sterns – Wie Emil Jellinek den Mercedes erfand“ von Lorenz Findeisen – zu sehen im „dokFilm“ am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON – erzählt die faszinierende Geschichte des entscheidenden Wegbereiters des modernen Autos als filmische Abenteuerreise ins mobile Zeitalter. Dafür stellten Jellineks Nachfahren in Frankreich und Österreich zahlreiche Briefe und Fotos zur Verfügung, anhand derer seine wichtigsten Lebensstationen erkundet werden.
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Da mag Deutschlands Automobilindustrie noch so sehr ins Stottern geraten sein, der Mythos Mercedes ist ungebrochen. Die Automobilmarke mit dem Stern steht für zeitlose Eleganz und deutsche Präzision. Umso erstaunlicher, dass der Name ihres Erfinders Emil Jellinek über Jahrzehnte aus dem kollektiven Gedächtnis gedrängt und beinah völlig vergessen wurde. Regisseur Lorenz Findeisen erzählt in seiner Dokumentation vom kometenhaften Aufstieg eines Wiener Juden, der es vom Schulversager zum Tycoon und Wegbereiter des automobilen Zeitalters brachte. Jellineks Leben war von unternehmerischer Risikobereitschaft, der Lust an technologischer Innovation, großem Wohlstand sowie dem Hang zur Selbstinszenierung und zu politischem Machtstreben geprägt. Der Film schildert auch, wie sich sportlicher Wettbewerb in kriegerischem Nationalismus entlud und das Nazi-Regime Geschichtsfälschung betrieb.
Emil Jellineks Anfänge waren wenig vielversprechend. Der Vater, Rabbiner und Gelehrter in der Wiener Leopoldstadt, die Mutter belesen, die Brüder Professoren. Emil indes flog von jeder Schule, die er besuchte und konnte 1870, mit 17 Jahren, schließlich als Stationsvorsteher bei der Bahn untergebracht werden. Als er einen Heizer überredet, auszuprobieren, wie viel Tempo eine neuartige Lokomotive erreichen kann, verliert er seinen Posten. Emil Jellineks Begeisterung für den Rausch der Geschwindigkeit jedoch bleibt. Und er lässt sich nicht ausbremsen, schnell wird er mit Börsengeschäften reich.
Seine Tochter Mercedes ist drei Jahre alt, als deren Mutter stirbt. Emil verbringt nun die Winter an der Côte d’Azur, verkehrt im Fürstenpalast von Monaco. Im Automobilclub von Nizza firmiert er großspurig als Emil de Jellinek. Er reist nach Stuttgart, wo er Autobauer Gottlieb Daimler und Konstrukteur Wilhelm Maybach kennenlernt. In der jungen Fahrzeugbranche wittert er das große Geschäft, die gerade aufkommenden Autorennen erkennt er als geniales Marketinginstrument. Wenig später schließt Jellinek einen spektakulären Vertrag mit Daimler ab: Er ordert 72 Wagen im Wert von 800.000 Goldmark – zwei Drittel der Daimlerschen Jahresproduktion. Der Unternehmer ist kein Konstrukteur, aber seine Vorgaben sind präzise und wegweisend: Das Fahrgestell müsse tiefergelegt, die Lenkung verbessert und die Motoren stärker werden. Es ist dies die Geburtsstunde der Marke Daimler-Mercedes. Mit den neuen, leichteren Autos lassen sich Rennen gewinnen – sie werden zum internationalen Verkaufsschlager. Und Jellinek wird immens reich.
Ab 1902 verkauft er die Wagen nur noch unter dem starken Markennamen Mercedes. Er wird zum Generalhonorarkonsul ernannt und ändert seinen Namen auf Jellinek-Mercédès. Mit dem Erfolg kommen die Neider – in der k.u.k.-Monarchie wie in Frankreich explodieren antisemitische Ressentiments. Im Außenministerium intrigiert sein Vorgesetzter gegen ihn, in Frankreich wird er der Spionage für Deutschland verdächtigt, kurzfristig verhaftet und von sämtlichen Vermögenswerten abgeschnitten. Hilfe aus Wien bekommt er keine.
Emil Jellinek stirbt kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs in der Schweiz, doch seine Geschichte geht weiter. Der Mercedes ist Hitlers Lieblings-Automarke, nur soll niemand wissen, dass es sich um die Erfindung eines Juden handelt. Die Firma Daimler-Benz löscht seinen Namen aus den Annalen. Erst um die Jahrtausendwende wurde zum 100. Jubiläum des ersten Mercedes – jenes Autos, das den Weltkonzern begründete – seine Tochter Maja nach Stuttgart eingeladen. Eine späte Rehabilitation für den genialen Erfinder und Unternehmer. Regisseur Findeisen ist es gelungen, für seinen Film u. a. zwei Urenkel und eine Urenkelin Emil Jellineks vor die Kamera zu bekommen.
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