• 30.09.2026, 10:06:02
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Klimasolo 2040: Papierindustrie warnt vor Folgen für den Industriestandort

Wien (OTS) - 

Austropapier warnt vor einer beschleunigten Deindustrialisierung: Österreich strebt Klimaneutralität zehn Jahre vor Europa an, ohne die dafür nötigen Rahmenbedingungen für heimische Betriebe zu schaffen. Zugleich bleibt der Spielraum für BECCS, eine Schlüsseltechnologie für dauerhafte Negativemissionen, zu gering.

Die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie leistet bereits heute einen wesentlichen Beitrag zu Energiewende und Kreislaufwirtschaft in Österreich. 70 Prozent der eingesetzten Brennstoffe stammen aus erneuerbaren Quellen, die Recyclingquote liegt bei rund 88 Prozent. Bis 2030 will die Branche ihre fossilen CO₂-Emissionen gegenüber 2021 um 43,5 Prozent reduzieren. Grundlage ist ein eigener, branchenweit erarbeiteter Reduktionspfad. Austropapier bekennt sich zu Klimaschutz und industrieller Transformation. Der Entwurf zum Klimagesetz sieht jedoch ein nationales Ziel vor, das zehn Jahre vor dem europäischen Zeitplan liegt, ohne dass die Voraussetzungen dafür gesichert sind: wettbewerbsfähige Energiepreise, ausreichende Infrastruktur und verlässliche Finanzierungsbedingungen.

Klimasolo 2040: Risiko für Produktion und Beschäftigung

Austropapier spricht sich daher gegen ein vorgezogenes österreichisches Klimaneutralitätsziel für 2040 aus und fordert im europäischen Gleichschritt zu bleiben. Die Europäische Union strebt bis 2040 minus 90 Prozent Netto-Treibhausgasemissionen an und Klimaneutralität bis 2050. Ein eigenes österreichisches Zieljahr 2040 würde heimische Betriebe ein Jahrzehnt früher unter Transformationsdruck setzen als ihre Mitbewerber in Europa.

„Wir haben uns ein ambitioniertes Branchenklimaziel gesetzt und wollen es konsequent erreichen, ebenso wie das europäische Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Transformation braucht Investitionen und Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Diese entstehen gemeinsam mit Europa, nicht im nationalen Alleingang“, sagt Austropapier-Präsident Martin Zahlbruckner.

Das Zieljahr 2040 hätte weitreichende Folgen. Der geplante Klimafahrplan soll sich daran orientieren und konkrete Reduktionspfade und Maßnahmen festlegen. Damit würde 2040 zur Richtschnur für künftige Gesetze, Förderbedingungen und Investitionsvorgaben. Entstehen österreichischen Unternehmen dadurch früher höhere Energie-, Transport- und CO₂-Kosten als ihren europäischen Mitbewerbern, verliert der Standort an Attraktivität für Investitionen. Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze geraten unter Druck. Auch dem Klima wäre damit nicht gedient, wenn Produktion an Standorte mit weniger ambitionierten Klimaschutzstandards ausweicht.

Emissionshandel schützt nicht vor nationalen Mehrkosten

Der Entwurf vermittelt den Eindruck, große Industrieanlagen seien kaum betroffen, da sie dem EU-Emissionshandel (ETS I) unterliegen. Das trifft nur bedingt zu. Gewisse Anlagen und bestimmte industrielle Tätigkeiten fallen nicht unter das ETS und müssten die nationalen Vorgaben unmittelbar erfüllen. Betriebe, die dieselben Produkte auf denselben Märkten anbieten, würden so ungleich behandelt. ETS-Betriebe wiederum tragen nationale Mehrkosten über teurere Energie, Transporte und Vorleistungen, zusätzlich zu den europäischen CO₂-Kosten. „Eine Ausnahme auf dem Papier ist noch keine Entlastung. Solange Energie, Transporte und Vorleistungen teurer werden, trägt die Industrie die Kosten des nationalen Klimaziels“, sagt Austropapier-Geschäftsführerin Sigrid Reimer. Notwendig sind eine Gesamtbetrachtung aller Kosten, vergleichbare Bedingungen für vergleichbare Unternehmen sowie Übergangsfristen, wirksame Förderungen und gezielte Entlastungen.

Kohlenstoffspeichergesetz: BECCS als Hebel für Klimaneutralität nutzen

Bei BECCS wird biogenes CO₂ aus der Biomassenutzung abgeschieden und dauerhaft geologisch gespeichert. Da Pflanzen dieses CO₂ zuvor der Atmosphäre entzogen haben, entstehen über die gesamte Prozesskette betrachtet netto Negativemissionen. Sie sind nötig, um technisch unvermeidbare Restemissionen aus Industrie, Landwirtschaft oder Gebäuden auszugleichen. BECCS ist kein Freibrief für zusätzliche Emissionen und ersetzt weder Emissionsvermeidung noch Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, ist für Netto-Null jedoch unverzichtbar. Die im Entwurf des Kohlenstoffspeichergesetzes geplante Aufhebung des CO₂-Speicherverbots ist ein richtiger und überfälliger Schritt. Die vorgesehene Mengenobergrenze soll jedoch vorrangig auf unvermeidbare Restemissionen ausgerichtet werden. Für zusätzliche Entnahmen durch BECCS bleibt kein gleichwertiger Raum.

„Klimaneutralität bis 2040 anzustreben und zugleich BECCS zu begrenzen, ist nicht zielführend. Unsere Branche verfügt über große Mengen biogenen CO₂ und könnte daraus dauerhafte Negativemissionen für ganz Österreich schaffen. Dieses Potenzial ungenutzt zu lassen, wäre eine vergebene Chance für den Klimaschutz und den Wirtschaftsstandort“, so Martin Zahlbruckner.

Sigrid Reimer ergänzt: „Die Papierindustrie produziert, innoviert und investiert in Österreich. Als Schlüsselbranche für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft verbinden wir verantwortungsvolle Rohstoffnutzung mit starker regionaler Wertschöpfung und sichern damit Arbeitsplätze im ganzen Land. Damit das so bleibt, braucht es politische Rahmenbedingungen, die Klimaschutz und Standort gleichermaßen stärken.“

Austropapier appelliert daher an die österreichische Bundesregierung, dauerhafte Negativemissionen ausdrücklich als eigenständigen und gleichwertigen Zweck der CO₂-Speicherung gesetzlich zu verankern und bei der nationalen Mengenobergrenze ausreichend Raum für biogenes CO₂ vorzusehen. Ebenso braucht es klare Regeln für Abscheidung, Transport und Speicherung sowie Rechtssicherheit bei der Anerkennung und Vermarktung dauerhafter CO₂-Entnahmen. Wer früher als Europa klimaneutral werden will, muss auch die technologischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Ein Klimaziel, das den Standort schwächt, spart Emissionen nicht ein, sondern riskiert, sie zu verlagern und mit ihnen die Arbeitsplätze.

Rückfragen & Kontakt

Milana Sladojevic, MA, M.A.I.S.
Leitung Public Affairs und Kommunikation
austropapier
A-1060 Wien, Gumpendorfer Straße 6
@: [email protected]

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