- 30.09.2026, 10:02:37
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Innere Stadt: Strategieplan für den Gestaltungsspielraum im Welterbe-Zentrum
Fundierte Grundlage für Fortschritt und Schutz des öffentlichen Raums auf Basis breiter Bürger*innenbeteiligung und Expert*innenmeinungen
Die zunehmende Zahl an Hitzetagen und Tropennächten macht europaweit Anpassungen an die klimatischen Bedingungen in Städten notwendig. Wien arbeitet seit Jahren in allen Bezirken sehr intensiv an der klimafitten Gestaltung des öffentlichen Raums. Eine Besonderheit stellt der erste Bezirk mit seinen 287 ha Fläche dar: Durch die unterschiedlichen Nutzungen und den Status als Weltkulturerbe sind die Herausforderungen dort besonders komplex: Im ältesten Stadtteil Wiens wohnen aktuell 16.000 Menschen. In der Weihnachtszeit kommen mit knapp 80.000 Besucher*innen am Tag 5-mal so viele Menschen in den Ersten als dieser Einwohner*innen hat. Kein anderer Wiener Bezirk muss auf so engem Raum so viele Tourist*innen fassen. Mit 125.000 Beschäftigten hat der 1. Bezirk die meisten Arbeitsplätze aller Bezirke in der Stadt. Für diese Menge an Menschen mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen an den öffentlichen Raum braucht es attraktive Aufenthaltsräume und entsprechende Lenkungsmaßnahmen. Die Stadt arbeitet mit dem Bezirk seit längerem intensiv an zukunftsfitten Strategien für eine Weiterentwicklung. Unter Mitwirkung von über 30 unterschiedlichen Interessensvertretungen und Expert*innen von der Wirtschaft über Architektur, Denkmalschutz bis zum Tourismus hat die Stadt Wien nun gemeinsam auf Basis von Wünschen der Bewohner*innen eine Grundlage geschaffen: Der neue „Strategieplan für den öffentlichen Raum Innere Stadt“ ermöglicht auf der einen Seite eine klimafitte Weiterentwicklung des Bezirks im Herzen der Stadt und zum anderen den Schutz des Weltkulturerbes, bestehend aus historischen Gebäuden aus den Epochen Barock, Mittelalter und Gründerzeit. Der Strategieplan soll in der nächsten Sitzung der Stadtentwicklungskommission behandelt werden.
Planungsbaukasten zur klimafitten Weiterentwicklung der Inneren Stadt
Das Ergebnis einer wahrlich umfangreichen und intensiven Analyse ist ein spezieller Planungs-Baukasten zur zukunftsfitten Weiterentwicklung des öffentlichen Raums der Inneren Stadt. Der Baukasten bietet individuelle Empfehlungen zu Begrünung, Beschattung, Kühlung, Bodenbelägen und Stadtmöblierung für Straßenzüge und Plätze je nach Beschaffenheit.
Im Mittelpunkt des Konzepts stehen drei wesentliche Schritte: Verstehen, Begründen und Handeln.
Beim ersten Punkt, dem Verstehen, hilft ein sogenanntes Spiderdiagramm, die besonderen Eigenschaften eines Ortes sichtbar zu machen. Es zeigt auf einen Blick, welche Themen an einem bestimmten Ort wichtig sind, und schafft damit eine Grundlage für die weitere Diskussion und Planung.
Das Begründen erfolgt mit den sogenannten Epochen-Bausteinen. Sie machen die Geschichte der Inneren Stadt für die heutige Planung nutzbar und zeigen, welche historischen Entwicklungen einen Ort geprägt haben – von der Römerzeit über Mittelalter, Barock und Gründerzeit bis zum 20. und 21. Jahrhundert.
Beim Handeln schließlich unterstützen Gestaltungsmatrizen die konkrete Planung. Sie geben Empfehlungen dafür, welche Elemente wie Begrünung, Pflaster, Wasser oder Ausstattung an unterschiedlichen Arten von Straßen und Plätzen geeignet sind. Die Matrizen dienen dabei als Orientierung und können an die jeweiligen Bedingungen vor Ort angepasst werden.
„Wir haben nun ein Baukastensystem, das auf die besonderen Gegebenheiten im ersten Bezirk Rücksicht nimmt, sehr behutsam auf die verschiedenen Interessen und Ansprüche eingeht. Das mit so vielen unterschiedlichen Expertinnen und Experten sowie auf Grundlage der Wünsche der BewohnerInnen entwickelte Strategiepapier wird uns dabei unterstützen, diese unterschiedlichen Ansprüche unter einen Hut zu bringen und die Innere Stadt behutsam und klimafit weiterzuentwickeln“, so Planungsstadträtin Ulli Sima, die sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement bedankt.
Zentraler Bestandteil bei der Entwicklung des Strategieplans war auch eine Bürger*innenbefragung. Über 1.000 Bewohner und Bewohnerinnen der Inneren Stadt haben ihre Ideen mittels Online-Befragung mitgeteilt. Gewünscht wurde u.a. Attraktivierung des öffentlichen Raums durch Begrünung und Kühlung, die Lenkung der Touristenströme, historische Parks klimaresilient weiterzuentwickeln und die besondere Historie des 1. Bezirks erlebbar machen.
Markus Figl, Bezirksvorsteher des Ersten Bezirks meint dazu: „Als Bezirksvorsteher der Inneren Stadt war mir wichtig, dass auch die Stimmen derer, die tagtäglich hier leben, in den Prozess eingeflossen sind. Mit dem vorliegenden Papier gibt es jetzt einen Handlungsleitfaden, der Magistrat und Investoren Sicherheit und Berechenbarkeit gibt, der aber auch das tägliche Leben all jener, die hier wohnen und arbeiten berücksichtigt. Nicht zuletzt wird damit auch klargestellt, dass die Anforderungen an das UNESCO Welterbe „historisches Zentrum von Wien“ zu berücksichtigen sind.“
NEOS-Klubobfrau Selma Arapović: „Mit dem neuen Strategieplan haben wir ein gutes Werkzeug, um die Innere Stadt fit für die Folgen des Klimawandels zu machen und gleichzeitig ihr einzigartiges städtebauliches und architektonisches Erbe zu bewahren. Mehr Grün, mehr Schatten und mehr Aufenthaltsqualität müssen kein Widerspruch zum Schutz des Welterbes sein – gute Stadtplanung bringt beides zusammen.“
Franz Kobermaier, Abteilungsleiter MA 19, die federführend an der Entwicklung des Strategieplans gearbeitet hat, bedankt sich für die gute Zusammenarbeit und die konstruktiven Beiträge aller Beteiligten: „Die Innere Stadt lebt von ihrer besonderen historischen Identität und ihrer Bedeutung als Weltkulturerbe. Unsere Aufgabe ist es, ihre Freiräume behutsam weiterzuentwickeln, Qualitäten zurückzugewinnen und gleichzeitig Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels und veränderte Nutzungsansprüche zu geben. Dabei geht es auch darum, den öffentlichen Raum gestalterisch zu ordnen und seine besonderen historischen und räumlichen Qualitäten wieder stärker erlebbar zu machen.“
Kunsthistoriker Univ.-Prof. Harald Stühlinger
Der Strategieplan umfasst erstmals alle Personen, die mit dem 1. Bezirk zu tun haben vor allem auch mit der großen Gruppe der Tourist*innen, betont Wien Tourismus-Chef Norbert Kettner: „Die Innere Stadt ist Wohnraum, Arbeitsplatz, Kulturzentrum und Visitenkarte Wiens zugleich. Umso wichtiger ist es, ihre Weiterentwicklung gemeinsam zu gestalten. Der Strategieplan schafft eine fachlich fundierte Grundlage, um historische Identität, Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und die unterschiedlichen Anforderungen an den öffentlichen Raum in Einklang zu bringen. Davon profitieren Wiener*innen ebenso wie die Gäste unserer Stadt.“
Das Architekt*innen-Duo Thomas Hoppe und Renate Bornberg
„Eine gesteigerte Aufenthaltsqualität kommt nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern der Inneren Stadt zugute, sie belebt auch die lokale Wirtschaft. Die City ist ein besonderer Ort: Wohnort, Arbeitsplatz, das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum unserer Stadt. Umso wichtiger ist es, die Interessen aller Gruppen zu berücksichtigen. Eine kühlere und attraktivere Innenstadt, in der auch die Bedürfnisse der Wirtschaftstreibenden berücksichtigt werden, ist in unser aller Interesse“, sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits.
Für die Erstellerin der Gesamtstudie, Landschaftsplanerin Martina Jauschneg war die Geschichte der Inneren Stadt zentraler Ausgangspunkt für das Strategiepapier: „Verstehen, begründen, handeln – das war unser Grundsatz bei der Erarbeitung des Strategieplans. Wir haben genau hingeschaut, wie die Innere Stadt über Jahrhunderte entstanden ist und was ihre Straßen und Plätze besonders macht. Dieses Wissen soll helfen, gute Lösungen für die Zukunft zu entwickeln: mehr Grün und Schatten, mehr Platz zum Gehen und Verweilen und gleichzeitig ein sorgsamer Umgang mit dem historischen Erbe. Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit zu kopieren, sondern aus ihr heraus gute Lösungen für die Stadt von morgen zu entwickeln.“
Das Strategiepapier steht am 13. Oktober auf der Tagesordnung der Stadtentwicklungskommission.
Rückfragen & Kontakt
Mediensprecherin Stadträtin Ulli Sima
Ava Farajpoory
Telefon: 0676/811881356
E-Mail: [email protected]
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