- 25.09.2026, 09:43:03
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AustroCel: Steigende Holzpreise werden zur Standortfrage
Hackschnitzelpreise steigen massiv – integrierte Bioraffinerie fordert klare Kaskadennutzung und mehr Transparenz bei der Allokation der knappen Ressource Holz

Holz ist eine der wichtigsten erneuerbaren Ressourcen Österreichs – aber nicht unbegrenzt verfügbar. Die stark steigenden Preise für Sägehackschnitzel zeigen nach Ansicht von AustroCel Hallein, dass sich die Nutzungskonkurrenz um Holz zunehmend verschärft. Für rohstoffintensive Industriestandorte wird daraus eine Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
AustroCel betreibt in Hallein eine integrierte Bioraffinerie und steht für eine umfassende Nutzung des Rohstoffs Holz. Holz wird zunächst stofflich verwertet; weitere Holzbestandteile und verbleibende biogene Ströme werden zu zusätzlichen biobasierten Produkten und erneuerbarer Energie verarbeitet.
„Wir wollen aus einer begrenzten erneuerbaren Ressource möglichst viel Wertschöpfung schaffen. Genau das bedeutet für uns Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie: hochwertige stoffliche Nutzung zuerst, Energie am Ende der Kaskade“, sagt AustroCel-Geschäftsführer Wolfram Kalt.
Sägehackschnitzel sind kein Abfall
Sägehackschnitzel und andere Sägenebenprodukte sind seit Jahrzehnten wichtige Rohstoffe für Zellstoff, Papier und Holzwerkstoffe. Gerade dieser Markt hat sich zuletzt außergewöhnlich stark verändert.
Seit dem zweiten Halbjahr 2025 sind die Preise für Sägehackschnitzel stark gestiegen. Veröffentlichte Marktberichte zeigen für Österreich Ende 2025 noch Preisniveaus von rund 115 bis 135 Ꞓ/t atro ab Sägewerk. Im zweiten Quartal 2026 wurden bereits Preise von bis zu 155 Ꞓ/t atro ab Sägewerk berichtet. Aktuelle Marktinformationen von AustroCel zeigen inzwischen Preisforderungen von über 200 Ꞓ/t atro (BDMT) ab Sägewerk.
Die Entwicklung zeigt die zunehmende Anspannung auf einem Rohstoffmarkt, auf den mehrere stoffliche und energetische Anwendungen gleichzeitig zugreifen.
(Quellen: Holzkurier, Marktberichte November 2025 und April/Mai 2026; aktuelle Marktinformationen AustroCel).
10 Euro mehr bedeuten 3,2 Millionen Euro Mehrkosten
Für AustroCel wird die Dimension schnell sichtbar: Das Unternehmen verarbeitet jährlich rund 320.000 Tonnen atro Holz.
Jede dauerhafte Erhöhung des durchschnittlichen Holzpreises um 10 Ꞓ/t bedeutet damit rund 3,2 Mio. Ꞓ zusätzliche Kosten pro Jahr. Ein Anstieg um 50 Ꞓ/t entspricht rechnerisch bereits 16 Mio. Ꞓ jährlich, sofern die gesamte Holzmenge betroffen ist.
„Wir verkaufen unsere Produkte auf internationalen Märkten. Regional stark steigende Rohstoffkosten können wir nicht einfach an unsere Kunden weitergeben. Wenn sich die mitteleuropäischen Holzpreise dauerhaft vom internationalen Wettbewerbsniveau entkoppeln, wird aus einer Rohstofffrage eine Standortfrage“, so Kalt.
Nicht Bioenergie ist das Problem, sondern die Allokation
AustroCel warnt davor, daraus einen Konflikt zwischen Industrie und Bioenergie zu machen. Bioenergie ist ein wichtiger Bestandteil eines erneuerbaren Energiesystems. Entscheidend ist vielmehr, den Rohstoff Holz möglichst effizient zu nutzen: stofflich, wo dies möglich ist, und energetisch am Ende der Kaskade.
Durch die stoffliche Nutzung bleibt der im Holz gebundene Kohlenstoff über die Nutzungsdauer der daraus hergestellten Produkte gespeichert. Problematisch wird es dann, wenn Sägenebenprodukte, die sich für eine stoffliche Nutzung eignen, durch zusätzliche Förderungen oder regulatorische Vorteile verstärkt in die direkte energetische Nutzung gelenkt werden.
Die starke Preisentwicklung hat inzwischen auch eine konsumentenpolitische Dimension. Die Arbeiterkammer Salzburg thematisiert aktuell den rund 30-prozentigen Anstieg der Pelletpreise gegenüber dem Vorjahr und fordert eine Überprüfung der Preisentwicklung sowie politische Maßnahmen. AustroCel bewertet diese Vorwürfe nicht, sieht darin aber einen weiteren Grund für größtmögliche Transparenz über Rohstoffströme, Preisbildung und die Wirkung öffentlicher Förderungen.
(Quelle: Arbeiterkammer Salzburg, 16.09.2026, https://sbg.arbeiterkammer.at/service/presse/AK-fordert-Preisdeckel-fuer-Pellets.html
„Wenn dieselben knappen Sägenebenprodukte für stoffliche Produkte, Pellets und andere energetische Anwendungen benötigt werden, muss die Politik verstehen, welche Mengen tatsächlich verfügbar sind und welche Auswirkungen Förderungen und Regulierung auf diese Rohstoffströme haben“, sagt Kalt.
Europa erkennt das Allokationsproblem
Auch auf europäischer Ebene gewinnt die Frage an Bedeutung. Ein Anfang September bekannt gewordener Entwurf der Folgenabschätzung für den künftigen europäischen Erneuerbaren-Rahmen („RED IV“) weist auf die begrenzte Verfügbarkeit forstlicher Biomasse und eine teilweise suboptimale Allokation knapper Biomasseressourcen hin. Der Entwurf thematisiert zudem mögliche Fehlanreize für energetisch geringwertige Nutzungen hochwertiger Rohstoffe.
(Quelle: Draft Impact Assessment for the post-2030 Renewable Energy Framework / RED IV, Stand September 2026)
AustroCel leitet daraus drei Grundsätze ab:
Erstens: Holz, das hochwertig stofflich genutzt werden kann, sollte grundsätzlich zunächst stofflich genutzt werden.
Zweitens: Sägenebenprodukte dürfen nicht allein deshalb als bevorzugter Energierohstoff behandelt werden, weil sie als „sekundäre Biomasse“ oder „Reststoffe“ klassifiziert werden. Entscheidend ist ihre tatsächliche stoffliche Verwertbarkeit.
Drittens: Förderungen und regulatorische Vereinfachungen sollten tatsächlich zusätzliche und bislang ungenutzte Biomasse mobilisieren – nicht Rohstoffe aus bestehenden industriellen Wertschöpfungsketten abziehen.
Eine Ressource – viele politische Ziele
Österreich will gleichzeitig Holzbau, Bioökonomie, Zellstoff und Papier, erneuerbare Wärme und Versorgungssicherheit stärken. Alle diese Ziele sind nachvollziehbar. Sie können aber nicht unabhängig voneinander geplant werden, wenn sie auf dieselbe begrenzte Rohstoffbasis zugreifen.
„Wir dürfen dieselbe Tonne Holz nicht politisch mehrfach verplanen. Österreich braucht keine Diskussion Industrie gegen Energie, sondern Transparenz über die verfügbaren Mengen und eine intelligente Allokation seiner begrenzten Holzressourcen“, so Kalt.
Für AustroCel lässt sich der notwendige Grundsatz einfach zusammenfassen:
„Aus jedem begrenzt verfügbaren Festmeter Holz möglichst viel Wertschöpfung – stoffliche Nutzung zuerst, Energie am Ende der Kaskade.“
Über AustroCel Hallein GmbH
AustroCel Hallein GmbH hat sich aus einem traditionsreichen Unternehmen der österreichischen Zellstoffindustrie zu einer integrierten Bioraffinerie entwickelt. Das Unternehmen beschäftigt 347 Mitarbeitende, erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 155 Mio. Euro und verfügt über eine Produktionskapazität von bis zu 160.000 Tonnen Zellulose pro Jahr.
Am Standort Hallein produziert AustroCel Viskosezellstoff, Bioethanol und Biogas sowie Strom und Fernwärme für den Eigenbedarf und die Region. Darüber hinaus entwickelt und produziert das Unternehmen Zelluloseprodukte für nichttextile industrielle Anwendungen, unter anderem für die Pharmaindustrie, die Lebensmittelbranche und den Bausektor. Im Juli 2025 wurde der Pilotbetrieb eines Hydrogel-Granulates zur Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit von Böden gestartet.
AustroCel kann mit Strom und/oder Fernwärme bis zu 30.000 Haushalte versorgen. Die Produktionskapazität für Bioethanol entspricht rechnerisch nahezu 1 % des österreichischen Benzinkraftstoffbedarfs.
Seit Januar 2026 ist AustroCel Hallein Teil der Oji Group, einer international tätigen japanischen Unternehmensgruppe mit Geschäftsfeldern unter anderem in Forstwirtschaft, Zellstoff, Papier, Verpackungen und biobasierten Materialien.
Weitere Informationen: www.austrocel.com | https://www.ojiholdings.co.jp/en/
Rückfragen & Kontakt
AustroCel Hallein
Karolina Putz
+43 664 6208211 | [email protected]
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