• 24.09.2026, 09:09:03
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1.800 Jahre alte „Smartwatch“: wie die Römer unterwegs die Zeit bestimmten

Wien (OTS) - 

Nur vier Zentimeter groß, technisch verblüffend raffiniert und vermutlich ein antikes Statussymbol: Das Kunsthistorische Museum zeigt ab 25. September 2026 in der Reihe Vitrine EXTRA eine der weltweit am besten erhaltenen römischen Taschensonnenuhren.

Wie spät ist es? Heute genügt ein Blick aufs Smartphone. Wer vor 1.800 Jahren durch das Römische Reich reiste, hatte es deutlich schwieriger: Eine Sonnenuhr funktioniert zwar überall, zeigt die Zeit aber nur dann korrekt an, wenn sie auf den jeweiligen Breitengrad eingestellt ist.

Für dieses Problem fanden die Römer eine erstaunlich moderne Lösung: die Taschensonnenuhr.

In der neunten Ausgabe der Reihe Vitrine EXTRA rückt die Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums ab 25. September ein außergewöhnliches Stück Technikgeschichte ins Zentrum: einen nur vier Zentimeter großen Zeitmesser aus Bronze, der Reisenden erlaubte, an unterschiedlichen Orten des Römischen Reiches die Zeit zu bestimmen.

Hightech im Taschenformat

Die kleine Sonnenuhr entstand nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Auf dem Deckel der runden Bronzedose ist das Porträt des römischen Kaisers Antoninus Pius (reg. 138–161 n. Chr.) dargestellt. Ihr eigentliches technisches Geheimnis verbirgt sich jedoch im Inneren: Vier auswechselbare Einlagescheiben tragen Skalen sowie Namen von Orten und Regionen des Römischen Reiches – von Britannien bis Ägypten. Je nachdem, wo sich der Besitzer befand, konnte er die entsprechende Scheibe einsetzen und damit das Instrument an seinen Aufenthaltsort anpassen.

„Sonnenuhren funktionieren zwar überall auf der Erde, müssen aber an den Breitengrad des Aufenthaltsortes angepasst werden. Was machte man also auf Reisen? Dafür gab es Taschensonnenuhren“, erklärt Georg Plattner, Direktor der Antikensammlung.

Damit erzählt das winzige Objekt von einer erstaunlich mobilen Welt. Menschen reisten über enorme Distanzen durch das römische Reich, und nahmen das technologische Wissen ihrer Zeit buchstäblich mit auf den Weg.

Die Luxusuhr der Antike

Alltagstechnik für jedermann waren diese Instrumente allerdings nicht. Das Material und die aufwendige Ausführung sprechen dafür, dass Taschensonnenuhren ein Statussymbol der wohlhabenden Elite war.

„Dieses Objekt ist ein faszinierendes Stück antiker Geschichte – eine auf den ersten Blick unscheinbare, aber durchdachte und geniale Konstruktion, die auf jahrhundertelanger mathematischer und astronomischer Forschung beruht. Sie war das, was heute einer luxuriösen Armbanduhr oder dem neuesten Smartphone am nächsten kommen würde: technisch auf dem neuesten Stand, modisch und funktional“, so Georg Plattner, Direktor der Antikensammlung. Besonders außergewöhnlich ist ihre weitgehend vollständige Erhaltung. Taschensonnenuhren gehören zu den großen Seltenheiten der Archäologie. Weltweit sind heute nur etwa 20 Exemplare bekannt; von vielen gibt es nur mehr einzelne Teile. Das Stück des Kunsthistorischen Museums dürfte das vollständigste bekannte Exemplar sein.

U(h)rknall: 1.800 Jahre vor dem Smartphone

Unter dem Titel Vitrine EXTRA #9: U(h)rknall – Mit einer römischen Taschensonnenuhr auf Reisen ist das außergewöhnliche Objekt von 25. September 2026 bis 14. März 2027 in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums zu sehen.

Die Reihe Vitrine EXTRA holt in regelmäßigen Abständen besondere Objekte und neue Forschungsergebnisse vor den Vorhang – Deponiertes und Restauriertes, Analysiertes und Erforschtes ebenso wie Faszinierendes, Amüsantes und Wunderliches.

Mehr antike Lebenswelt: Tatort Ephesos

Ab 20. Oktober setzt das Kunsthistorische Museum dann die Reise in die Welt der Antike mit der großen Herbstausstellung Tatort Ephesos. Kleopatra und Rom in der Neuen Hofburg fort. Ausgangspunkt ist die Ermordung von Kleopatras Schwester Arsinoë in Ephesos. Mehr als 100 Objekte erzählen von Caesar, Marc Anton und Augustus und von den antiken Metropolen Rom, Alexandria und Ephesos als Zentren von Macht, Wissen und politischer Intrige.

Pressetext, Bildmaterial und ein Video zur neuen Sonderpräsentation stehen auf unserem Presseportal zum Download bereit.

Das Kunsthistorische Museum ist ein Museum des KHM-Museumsverbands, der als bedeutendste museale Wissenschafts- und Forschungseinrichtung Österreichs gilt. Der Verband umfasst das Kunsthistorische Museum, das Weltmuseum Wien, das Theatermuseum, und die weiteren Standorte Kaiserliche Schatzkammer, Kaiserlichen Wagenburg, Theseustempel im Volksgarten und Schloss Ambras bei Innsbruck. Der KHM-Museumsverband ist einer der größten Museumsverbände Europas und vereint ein einzigartiges Spektrum an Kunst- und Kultursammlungen von der Antike bis zur Gegenwart, von europäischer bis außereuropäischer Kunst.

Rückfragen & Kontakt

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Mag. Dr. Wolfgang Lamprecht (ext. Leitung)
Mag. Sarah Aistleitner
Tanja Stigler

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