• 23.09.2026, 12:00:35
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Internationaler Tag der Gebärdensprachen: Gute Kommunikation orientiert sich an den Menschen

In dib arbeiten gehörlose, taube und schwerhörige Menschen in qualifizierten Berufen. Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Kommunikation im Arbeitsalltag gestaltet werden kann.

Salzburg (OTS) - 

Gute Zusammenarbeit setzt voraus, dass Informationen für alle Beteiligten zugänglich sind. In mehrsprachigen Teams bedeutet das: Nicht alle Menschen kommunizieren auf dieselbe Weise. Gebärdensprache, Lippenlesen, lautsprachliche und schriftliche Kommunikation sowie visuelle Hilfsmittel können je nach Person und Situation zusammenspielen.

In allen acht der Integrativen Betriebe Österreich sind Menschen mit Hörbehinderung beschäftigt. Beispielsweise arbeiten bei der GW St. Pölten 14, bei ABC Auftragsfertigung in Kärnten 13, bei der GWS in Salzburg 21 und in der GW Tirol rund 40 gehörlose Menschen. Sie sind in unterschiedlichen Fachbereichen und Teams tätig. Dabei gilt überall: Gute Kommunikation orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Menschen.

GW Tirol: Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg

Gebärdensprachdolmetscher:innen unterstützen je nach Betrieb in unterschiedlicher Form die Kommunikation zwischen Vorgesetzten, Kolleg:innen und gehörlosen Mitarbeiter:innen. Marlene Geisler steht der GW Tirol als Gebärdensprachdolmetscherin zur Verfügung und begleitet Mitarbeiter:innen nach Bedarf. Dabei vermittelt sie nicht nur zwischen der Österreichischen Gebärdensprache, kurz ÖGS, und gesprochener deutscher Sprache. Im Betrieb treffen auch unterschiedliche Gebärdensprachen aufeinander.

Das zeigt sich etwa in der Zusammenarbeit mit gehörlosen Mitarbeiter:innen aus der Ukraine. Sie verfügen mittlerweile über unterschiedliche ÖGS-Kenntnisse. Neue Arbeitsschritte und die dazugehörigen Gebärden werden daher oft gleichzeitig vermittelt.

Zur Verständigung nutzt die Dolmetscherin verstärkt ikonische, also bildhafte Gebärden sowie Zeigen, Beschreiben und Darstellen. Unterstützend kommen visuelle Materialien wie Fotos, Videos, Piktogramme oder Zeichnungen zum Einsatz. So lassen sich auch komplexere Arbeitsabläufe und organisatorische Vorgänge vermitteln.

Gebärdensprachen sind nicht international einheitlich. Auch International Sign, das etwa bei internationalen Veranstaltungen der Gehörlosengemeinschaft verwendet wird, ist keine universelle Gebärdensprache. Es ist eine flexible Form der Verständigung, die internationale Erfahrung und Übung voraussetzt.

Bei der GW Wiener Neustadt arbeiten vier gehörlose und taube Menschen. Im Arbeitsalltag unterstützt vor allem der Fachbegleitende Dienst die Verständigung. Gebärdensprachvideos machen Unterweisungen und betriebliche Informationen zugänglich. Bei ausführlicheren oder anspruchsvolleren Gesprächen wird ergänzend die Arbeitsassistenz für Gehörlose des WITAF hinzugezogen.

Bei der GW St. Pölten werden neben der direkten Kommunikation und der Unterstützung durch Dolmetscher:innen auch digitale Anwendungen zur Live-Untertitelung sowie Stift und Papier eingesetzt. Die allgemeine Sicherheitsunterweisung steht als Video mit eingeblendeter Gebärdensprachdolmetscherin zur Verfügung.

Kommunikation ist individuell

Wie unterschiedlich Kommunikation im Arbeitsalltag funktionieren kann, zeigt auch das Beispiel von Olga bei Team Styria in Graz. Sie arbeitet im Bereich Elektrotechnik, wo sie Elektrobauteile nach Anleitung auf einem Bildschirm zusammenfügt. Wenn möglich, kommuniziert sie in ÖGS. Daneben liest sie von den Lippen und kommuniziert lautsprachlich.

Für ihre Gesprächspartner:innen ist es wichtig, deutlich und möglichst dialektfrei zu sprechen. Unter diesen Voraussetzungen versteht Olga einen großen Teil der Gespräche. Das Beispiel zeigt: Verständigung braucht nicht immer dieselben Mittel. Entscheidend sind Aufmerksamkeit, Rückfragen und die Bereitschaft, sich auf das Gegenüber einzustellen.

Auch hörende Kolleg:innen können dazu beitragen. Bei teamwork in Oberösterreich werden etwa alle zwei Jahre Gebärdensprachkurse für interessierte Mitarbeiter:innen angeboten. Die Teilnehmer:innen erwerben Grundlagen, die Begegnungen und kurze Gespräche im Arbeitsalltag erleichtern. Einzelne Gebärden ersetzen weder umfassende Sprachkenntnisse noch professionelle Dolmetschleistungen. Sie können aber helfen, unmittelbarer miteinander zu kommunizieren.

„Im Betrieb funktioniert die Kommunikation sehr gut. Meine Kollegen und mein Vorgesetzter sprechen sehr deutlich, sodass ich vieles gut verstehe. Falls ich etwas nicht verstehe, können wir auch schriftlich kommunizieren. Bis jetzt hat alles sehr gut geklappt. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, frage ich einfach noch einmal nach“, berichtet Kathrin, die bei ABC Auftragsfertigung im Bereich Montage arbeitet. Sie trägt ein Hörgerät, das ihr hilft, Geräusche zu hören. Zum genauen Verständnis liest sie von den Lippen. Wichtig ist Kathrin aber vor allem auch eines: „Für mich bedeutet gehörlos zu sein, dass ich wie ein hörender Mensch lebe, nur dass ich nicht hören kann. Ich führe meinen Alltag selbstständig und mache eigentlich alles wie andere auch. Nur bei der Kommunikation brauche ich manchmal etwas Unterstützung.“

ÖGS ist Sprache und Teil kultureller Identität

ÖGS ist keine vereinfachte Form des gesprochenen Deutsch, sondern eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik und regionalen Varianten. Seit 2005 ist sie in der österreichischen Bundesverfassung anerkannt. Seit 2013 gehört sie zum nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Nicht alle Menschen mit Hörbehinderung verwenden ÖGS. Manche kommunizieren vorwiegend lautsprachlich, lesen von den Lippen, nutzen Schrift oder technische Hilfsmittel. Welche Kommunikationsform geeignet ist, kann deshalb nur gemeinsam mit der jeweiligen Person geklärt werden. Auch die Bezeichnungen „gehörlos“, „taub“ und „schwerhörig“ sind nicht beliebig austauschbar. Entscheidend ist, welche Selbstbezeichnung die betreffende Person verwendet.

Berufliche Teilhabe beginnt damit, einander verstehen zu können. Deshalb müssen wir Kommunikation an den Menschen und ihren individuellen Bedarf anpassen. Die Erfahrungen aus unseren Betrieben zeigen, dass dies möglich ist – wenn wir voneinander lernen und die sprachliche und kulturelle Identität gehörloser und tauber Menschen respektieren“, sagt Astrid Lamprechter, Geschäftsführerin der GWS und Sprecherin der Integrativen Betriebe Österreich.

Der Internationale Tag der Gebärdensprachen am 23. September macht weltweit auf die Bedeutung von Gebärdensprachen und die Rechte gehörloser Menschen aufmerksam. Für die Integrativen Betriebe ist zugängliche Kommunikation eine tägliche Voraussetzung dafür, dass Mitarbeiter:innen ihre Fachkenntnisse einbringen und gleichberechtigt zusammenarbeiten können.

Hochauflösendes Bildmaterial auf Anfrage verfügbar.

Mehr Informationen über dib

Wenn Sie mehr über die Arbeit der Integrativen Betriebe Österreich (dib) erfahren möchten, besuchen Sie unsere Presseseite oder treten direkt mit uns in Kontakt.

Rückfragen & Kontakt

dib - Die Integrativen Betriebe Österreich
Mag.a Astrid Katharina Lamprechter, MBA
Telefon: +4366480910531
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.dieintegrativenbetriebe.at/presse

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