• 23.09.2026, 09:00:45
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Lungenkrebs früher erkennen: Wie Roboter die Diagnostik revolutionieren

Welt-Lungentag: Neue robotisch unterstützte Verfahren machen die Abklärung kleinster Lungenherde hochpräzise. Davon hängen bei Lungenkrebs Überleben und Heilungschancen ab.

Wien (OTS) - 

Lungenkrebs gehört in Österreich zu den häufigsten Krebserkrankungen und ist nach wie vor jene Krebsart, an der die meisten Menschen sterben. Ein wesentlicher Grund dafür: Die Erkrankung wird meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dabei gilt gerade bei Lungenkrebs: Je früher die Diagnose erfolgt, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung und Heilung. Moderne Computertomografien (CT) machen heute zwar immer kleinere Gewebeveränderungen sichtbar, deren präzise Abklärung stellt jedoch eine Herausforderung dar. Neue robotisch-assistierte Bronchoskopie-Systeme bringen hier einen entscheidenden Fortschritt: Sie ermöglichen es, im Zuge einer Lungenspiegelung auch extrem kleine und schwer erreichbare Lungenherde gezielt anzusteuern und Gewebeproben zu entnehmen.

Anlässlich des Welt-Lungentages am 25. September informiert die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) über diese innovative Technologie und ihre Bedeutung für die frühe Diagnose von Lungenkrebs.

Höhere Treffsicherheit bei Millimeter-Befunden

Die Bronchoskopie, also die Lungenspiegelung mithilfe eines dünnen, flexiblen Schlauchs, ist die wichtigste und häufigste diagnostische Untersuchungsmethode zur Abklärung suspekter Veränderungen in der Lunge. Dabei werden Gewebeproben von den verdächtigen Stellen entnommen und anschließend untersucht. Bei sehr kleinen oder tief in der Peripherie der Lunge gelegenen Veränderungen (Lungenherden) stößt die konventionelle Bronchoskopie jedoch an ihre Grenzen.

OA Dr. Michael Meilinger, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), umreißt die Problematik: „Moderne CT-Untersuchungen zeigen uns heute bereits sehr kleine Veränderungen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese kleinen Herde auch tatsächlich zu erreichen und zuverlässig Gewebeproben daraus zu gewinnen. Genau hier setzt die roboter-assistierte Bronchoskopie an: Mit ihrer Hilfe erreichen wir Areale in der Lunge, die für uns früher schlicht unzugänglich waren. Die Untersuchung ist natürlich nach wie vor in menschlicher Hand, aber durch die robotische Unterstützung können wir tiefer vordringen, auch nur wenige Millimeter große Veränderungen präziser ansteuern und Gewebeproben mit wesentlich höherer Treffsicherheit entnehmen.“

Erste internationale Daten zeigen eine signifikant höhere diagnostische Genauigkeit bei extrem geringen Komplikationsraten. Damit steigt die Chance, Lungenkrebs bereits in einem frühen Stadium zu diagnostizieren – mit entsprechend besserer Prognose und höheren Heilungsraten.

Erster Bronchoskopie-Roboter Österreichs im Einsatz

Seit April dieses Jahres ist an der pneumologischen Abteilung der Klinik Floridsdorf in Wien der österreichweit erste Bronchoskopie-Roboter – in Kombination mit modernster 3D-Bildgebung – im Einsatz. Erste Erfahrungen an Österreichs größtem Lungenkrebszentrum bestätigen die internationalen Erkenntnisse aus den USA, Großbritannien und der Schweiz: Der Anteil frühzeitig diagnostizierter Lungenkrebsfälle steigt mit dieser Technologie messbar an.

„Die ersten Monate im klinischen Alltag in der Klinik Floridsdorf haben unsere Erwartungen sogar noch übertroffen“, freut sich OA Meilinger, stellvertretender Abteilungsvorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf. „Die Kombination aus Roboter-Navigation und 3D-Bildgebung erhöht die Treffsicherheit enorm. Gleichzeitig ist der Eingriff für die Patientinnen und Patienten maximal schonend und die Komplikationsrate sogar noch geringer als bei der ohnehin sehr risikoarmen konventionellen Bronchoskopie.“

Blick in die Zukunft: Screening und flächendeckende Versorgung

Meilinger weist darauf hin, dass die Bedeutung dieser Innovation in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. „In Österreich wird derzeit die Einführung eines standardisierten Lungenkrebs-Screenings vorangetrieben. Ein solches Vorsorgeprogramm für Risikogruppen wird die Zahl früh erkannter, abklärungsbedürftiger Lungenherde weiter ansteigen lassen. Um diese Patientinnen und Patienten zeitnah und präzise zu versorgen, wird man diese Technologie langfristig an mehreren Standorten in Österreich brauchen.“

Neben dem individuellen Nutzen für die Patientinnen und Patienten ist eine frühe Diagnose von Lungenkrebs auch gesundheitsökonomisch relevant. Zwar ist die robotische Bronchoskopie derzeit mit relativ hohen Anschaffungskosten verbunden. Vor allem in Kombination mit einem strukturierten Screening ist längerfristig jedoch ein deutliches Einsparungspotenzial bei onkologischen Folgekosten zu erwarten.

„Aufgrund der wissenschaftlichen Daten, unserer bisherigen Erfahrungen und des bestehenden Bedarfs sollte diese Technologie künftig auch an weiteren pneumologischen Zentren in Österreich etabliert werden. Screening und moderne, möglichst frühzeitige Probengewinnung müssen zusammengedacht werden“, bekräftigt Meilinger.

„Lunge digital“: Digitalisierung und KI im Mittelpunkt der ÖGP-Jahrestagung

„Die robotische Bronchoskopie zeigt beispielhaft, wie rasch sich die technischen Möglichkeiten in der Pneumologie weiterentwickeln“, so Meilinger. Wie stark neue Technologien die Pneumologie verändern und welche Möglichkeiten sich daraus für Diagnostik und Versorgung ergeben, ist auch eines der zentralen Themen der diesjährigen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Die 50. Jahrestagung der ÖGP findet unter dem Motto „Lunge digital“ von 22. bis 24. Oktober 2026 im Salzburg Congress statt und wird zum zehnten Mal gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (OGTC) abgehalten. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen der digitalen Medizin – darunter Telemedizin, künstliche Intelligenz in der Diagnostik und neue Ansätze für eine digital vernetzte Patientenversorgung.

„Wir erleben derzeit eine unglaublich spannende Phase in der Pneumologie: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen uns Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren. Bei unserer Jahrestagung werden wir präsentieren und diskutieren, was heute schon möglich ist, wohin die Reise geht und vor allem, wie unsere Patient*innen von diesen Entwicklungen profitieren können“, so Meilinger abschließend.

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