- 21.09.2026, 15:15:02
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Fünf Jahre Beratungsstellen für Gewaltprävention: Gewaltschutz ist stetige Weiterentwicklung
Zusammenarbeit und Vernetzung zentrale Säulen des österreichischen Gewaltschutzes – ca. 61.900 Gefährder seit September 2021 einem verpflichtenden Anti-Gewalttraining unterziehen
Seit fünf Jahren sind die Beratungsstellen für Gewaltprävention ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Gewaltschutzarchitektur. Aus diesem Anlass kamen Vertreterinnen und Vertreter von Polizei, Gewaltschutzeinrichtungen und Beratungsstellen im Bundeskriminalamt in Wien zusammen, um Bilanz zu ziehen und über die weitere Zusammenarbeit und Entwicklung zu diskutieren.
„Gewaltschutz ist stetige Weiterentwicklung. Wir haben ein solides Fundament geschaffen, auf dem wir weiter aufbauen können. Die Fußfessel – sowohl für Gefährder in der Privatsphäre als auch für extremistische Gefährder – ist aktuell in Vorbereitung“, betonte Innenminister Gerhard Karner.
Gewaltschutz als gemeinsame Aufgabe
Polizei, Gewaltschutzzentren, Beratungsstellen, Justiz sowie Sozial- und Gesundheitseinrichtungen übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend sind klar definierte Zuständigkeiten, funktionierende Schnittstellen und ein kontinuierlicher fachlicher Austausch. Auch bei der Erstellung des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen setzte die Bundesregierung auf die Einbindung von Expertinnen und Experten aus Gewaltschutz und Zivilgesellschaft.
„Die Scham muss die Seite wechseln. Das heißt auch: Täter werden konsequent in die Verantwortung genommen. Die Beratungsstellen für Gewaltprävention tun genau das und sind deshalb eine zentrale Säule im österreichischen Gewaltschutznetz. Gleichzeitig stärken sie positive Männlichkeitsbilder, in denen Konflikte ohne Gewalt gelöst werden. Diesen Ansatz unterstreicht auch der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen: Die Bundesregierung hat damit einen klaren Fahrplan vorgelegt, wie wir unser Gewaltschutznetz konsequent weiter ausbauen“, sagte Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner.
„Für die Polizei bedeutet Gewaltschutz, Gefährdungen früh zu erkennen, konsequent zu handeln und Betroffene rasch in das bestehende Hilfesystem zu führen. Das Bundeskriminalamt trägt dazu bei, diese Strukturen österreichweit weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit zu stärken“, sagte Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer.
Österreich als Vorreiter beim Gewaltschutz
Österreich verfügt über ein über Jahrzehnte gewachsenes System zum Schutz vor Gewalt. Einen wesentlichen Meilenstein bildete das Gewaltschutzgesetz im Jahr 1997. Seither wurden die gesetzlichen Grundlagen und Unterstützungsangebote kontinuierlich weiterentwickelt:
- Einführung der sicherheitspolizeilichen Fallkonferenz für Hochrisikofälle
- automatisches Waffenverbot für Gefährder
- Verpflichtendes Anti-Gewalttraining für Gefährder
- Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen
- Gewaltambulanzen zur professionellen Wahrnehmung von körperlichen Folgen von Gewalt
- Ausbau der Präventionsbediensteten von 500 auf knapp 1.400
Aktuell arbeitet eine interministerielle Arbeitsgruppe an Maßnahmen zur Überwachung von Gefährdern in der Privatsphäre und von extremistischen Gefährdern – dem sogenannten digitalen Tracking. Damit soll die Verantwortung dorthin verschoben werden, wo sie hingehört: zum Täter.
Fachlicher Austausch und unterschiedliche Perspektiven
Im Rahmen der Veranstaltung beleuchteten Expertinnen und Experten das österreichische Hilfesystem aus unterschiedlichen Perspektiven. Petra Warisch vom Bundeskriminalamt, Ursula Luschnig von der Beratungsstelle für Gewaltprävention Kärnten, Christina Riezler vom Bundesverband der Gewaltschutzzentren sowie Dina Nachbaur von den Beratungsstellen für Gewaltprävention Neustart brachten ihre Erfahrungen in Impulsvorträgen ein. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit Martin Rachlinger von der Beratungsstelle für Gewaltprävention Salzburg, Andrea Laske vom Gewaltschutzzentrum Tirol, Christina Riezler vom Dachverband Opferorientierte Täterarbeit und Georg Zöchbauer von der Landespolizeidirektion Niederösterreich. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus der täglichen Praxis sowie Möglichkeiten, die Zusammenarbeit und Vernetzung weiter zu stärken.
„Fünf Jahre Beratungsstelle für Gewaltprävention zeigen, dass die Arbeit mit Gefährdern und Gefährderinnen ein unverzichtbarer Bestandteil des Gewaltschutzes ist. Durch die gesetzliche Anbindung an Betretungs- und Annäherungsverbote erreichen wir auch Menschen, die sonst niemals eine Beratungsstelle aufgesucht hätten. Die Gespräche zielen darauf ab, das eigene Verhalten zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen. Gewaltschutz gelingt nur gemeinsam“, unterstrich Ursula Luschnig, Leiterin der Beratungsstelle für Gewaltprävention der Caritas Kärnten.
Das fünfjährige Bestehen der Beratungsstellen für Gewaltprävention steht damit für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Gewaltschutzes. Das gemeinsame Ziel bleibt, Gewalt möglichst frühzeitig zu verhindern und Betroffene wirksam zu schützen.
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