- 18.09.2026, 10:55:03
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Produkte bis zu 168 Prozent teurer: Wer verdient an den Lebensmittelpreisen?
foodwatch-Stichprobe zeigt auffällige Preissprünge seit 2021 - Organisation fordert unabhängige Preisbeobachtung
foodwatch hat die Preisentwicklung ausgewählter Produkte seit 2021 ausgewertet und dabei massive Preissprünge festgestellt: Einzelne Lebensmittel kosten heute fast dreimal so viel wie zu Beginn der Teuerungswelle. Doch warum die Preise so stark steigen und wer entlang der Wertschöpfungskette davon profitiert, bleibt für Konsument:innen völlig undurchsichtig. foodwatch fordert mehr Transparenz im Lebensmittelmarkt und startet deshalb eine Petition für eine unabhängige Preisbeobachtungskommission, bessere Vergleichbarkeit und die Umsetzung der angekündigten Stärkung der Bundeswettbewerbsbehörde.
Immer wieder melden Konsument:innen bei foodwatch Produkte, deren Preise in den vergangenen Jahren auffällig stark gestiegen sind. Diesen Hinweisen ist die Organisation mithilfe von Daten der Plattform preisrunter.at nachgegangen. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beispielsweise bei einem Sauerrahm, dessen Preis von 0,49 Euro im Jahr 2021 auf 0,99 Euro 2026 stieg – ein Plus von 102 Prozent. Überaus stark fiel der Anstieg bei einer gemeldeten Back- und Kochschokolade aus: Hier erhöhte sich der Preis des Produkts von 1,49 Euro auf 3,99 Euro – ein Plus von 168 Prozent.
Ob und in welchem Ausmaß diese Preissprünge durch gestiegene Produktionskosten erklärbar sind oder ob auch höhere Gewinnmargen eine Rolle spielen, können Konsument:innen nicht nachvollziehen. Problematisch ist dieser Mangel an Transparenz vor allem angesichts der hohen Marktkonzentration im österreichischen Lebensmittelhandel: Die vier größten Handelsketten kontrollieren rund 91 Prozent des Marktes. Expert:innen weisen seit Jahren darauf hin, dass diese Konzentration den Konzernen erhebliche Marktmacht gegenüber Konsument:innen verschaffen kann.
Preise der Lebensmittel stiegen seit Teuerung höher als die Gesamtinflation
Seit Beginn der Teuerung im August 2021 sind die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Österreich insgesamt um 31,2 Prozent gestiegen. Die allgemeine Inflation betrug im selben Zeitraum 28,3 Prozent. Lebensmittel verteuerten sich damit stärker als das allgemeine Preisniveau und haben seit der Inflation erheblich zur finanziellen Belastung der Haushalte beigetragen.
„Auch wenn die Interessenvertretungen der Handelskonzerne sich offensichtlich davor fürchten: Der extrem hoch konzentrierte Lebensmittelmarkt in Österreich muss endlich transparenter werden. Konsument:innen haben ein Recht darauf zu wissen, wohin ihr Geld beim Einkauf fließt – gerade bei solchen Preissteigerungen. Wie Lebensmittelpreise zustande kommen, ist derzeit eine Blackbox. Das muss sich ändern“, fordert Markus Linkeseder von foodwatch Österreich.
Zugriffszahlen zeigen: Preisradar der Statistik Austria für Preisvergleich am Regal ungeeignet
Im Jänner wurde ein Online-Preisradar als Instrument für mehr Preistransparenz bei Lebensmitteln vorgestellt. Doch das Tool der Statistik Austria erweist sich für den konkreten Preisvergleich als unbrauchbar. Die Nutzung brach nach dem Start deutlich ein: Fast 70 Prozent aller erfassten Zugriffe entfielen auf die erste Woche, danach sanken die Aufrufe rapide. Für einen alltagstauglichen Preisvergleich fehlen zudem direkte, aktuelle Vergleichsmöglichkeiten einzelner Produkte zwischen den Supermärkten.
„Auch hier braucht es mehr Transparenz. Menschen brauchen Preisvergleiche, um entscheiden zu können, wo sie günstiger einkaufen gehen können. Und Vergleichsportale brauchen die nötigen Daten der Supermärkte, um dieses Angebot schaffen zu können. Bessere Vergleichsmöglichkeiten könnten laut der Bundeswettbewerbsbehörde Preise um bis zu vier Prozent senken“, so Linkeseder weiter.
Regierung muss angekündigte Maßnahmen endlich umsetzen und weiterdenken
Bereits 2025 hatte die Bundesregierung mehr Markttransparenz angekündigt. In Österreich existiert zwar bereits eine Preiskommission nach dem Preisgesetz. Diese ist jedoch ministeriell angesiedelt, wird vor allem beratend in konkreten Verfahren tätig und untersucht weder Preisentwicklungen noch Gewinnmargen im Lebensmittelhandel laufend und eigenständig.
Andere Länder zeigen längst, wie es gehen kann: Frankreich analysiert seit Jahren Preise, Kosten sowie Margen entlang der Lebensmittelkette und veröffentlicht die Ergebnisse regelmäßig. Auch in Spanien existieren bereits entsprechende Strukturen. foodwatch fordert von der Bundesregierung drei konkrete Maßnahmen:
- Eine unabhängige Preisbeobachtungskommission
- Einen gesetzlichen Rahmen für unabhängige Preisvergleichsportale
- Mehr Kompetenzen für die Bundeswettbewerbsbehörde
Mit einer Petition ruft foodwatch Konsument:innen dazu auf, den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen: Lebensmittelpreise müssen vom Acker bis ins Regal nachvollziehbar werden.
Weiterführende Informationen:
Rückfragen & Kontakt
foodwatch Österreich
Evelyn Horak
Telefon: +43 676 3316372
E-Mail: [email protected]
Website: www.foodwatch.at
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