- 16.09.2026, 14:15:03
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Dachverband der Sozialversicherungsträger und ÖÄK weisen Verunsicherung zu Wartezeiten durch privaten Versicherungsvermittler zurück
Niemand muss sich in Österreich fürchten, im Akutfall nicht versorgt zu werden – Kritik an unseriöser Studienmethodik eines Anbieters privater Zusatzversicherungen
Peter McDonald, Vorsitzender des Dachverbands der Sozialversicherungsträger (DVSV) und Edgar Wutscher, dritter Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) weisen die heute von krankenversichern.at verbreitete Darstellung zu angeblich dramatisch steigenden Wartezeiten auf Kassenarzttermine zurück. Niemand muss sich in Österreich davor fürchten, im medizinischen Akutfall nicht versorgt zu werden. Die von krankenversichern.at selbst beschriebene Erhebung untersucht ausdrücklich keine Akutfälle, sondern planbare Routine- und Vorsorgeanliegen - trotzdem wird mit ihren Ergebnissen der Eindruck erzeugt, die medizinische Versorgung in Österreich sei generell nicht ausreichend gesichert. Das ist keine seriöse Interpretation der eigenen Daten.
Studie lässt wesentliche Faktoren außer Acht
Die Erhebung basiert auf verdeckten Testanfragen bei einzelnen Kassenordinationen zwischen Mai und September 2026. Dabei wurden unter anderem, die für die Sommermonate nicht untypischen, urlaubsbedingten Ordinationsschließungen nicht berücksichtigt. Gleichzeitig werden die erhobenen Wartezeiten als Beleg für eine generelle Verschlechterung der Versorgungslage dargestellt. Der Dachverband hält fest: Wartezeiten bei planbaren Untersuchungen und Behandlungen sind ein relevantes Thema, das anhand belastbarer Versorgungsdaten laufend beobachtet und bearbeitet wird. Sie sind aber klar von der Versorgung bei akutem medizinischem Bedarf zu unterscheiden.
Andere Erhebungen zeigen ein deutlich differenzierteres Bild
Versorgungsdaten der Sozialversicherung zeigen ein anderes Bild: Eine von der ÖGK beauftragte Wartezeitenerhebung weist österreichweit eine mediane Wartezeit von 15 Tagen auf einen Facharzttermin aus. Bei akuten Anliegen erhielten Patientinnen und Patienten bereits innerhalb einer Woche einen Termin; bei Routineuntersuchungen lag die mediane Wartezeit bei 28 Tagen. Unterschiede zu den nun veröffentlichten Zahlen ergeben sich insbesondere aus der unterschiedlichen Methodik, der Auswahl der Fachrichtungen und den regionalen Gegebenheiten. Beide Erhebungen zeigen zugleich, dass es regionale Unterschiede bei der Terminverfügbarkeit gibt.
Die Erhebung von krankenversichern.at kann zwar Hinweise auf die Verfügbarkeit planbarer Termine liefern, sie untersucht aber ausdrücklich keine Akutfälle und kann daher auch keine Aussage darüber treffen, ob Menschen im medizinischen Notfall versorgt werden. Genau diesen Eindruck erweckt die öffentliche Kommunikation jedoch. Die Schlussfolgerung geht damit deutlich über das hinaus, was die erhobenen Daten tatsächlich aussagen können. Besonders kritisch sehen Sozialversicherung und Ärztekammer die Vermischung eines wissenschaftlichen Anspruchs mit einem, dem Anschein nach, klaren Geschäftsinteresse.
„Wer in Österreich akut krank wird, erhält die entsprechende Versorgung, unabhängig davon, ob er oder sie eine private Zusatzversicherung abgeschlossen hat. Das ist die Stärke unseres öffentlichen Gesundheitssystems. Wartezeiten auf einen planbaren Facharzttermin mit der Notfallversorgung gleichzusetzen, ist sachlich nicht haltbar. Damit verunsichert man unsere Versicherten, statt die Versorgung dort zu verbessern, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Bedarfserhebungen und Studien sind aus wissenschaftlicher Sicht wertvoll, sie müssen aber auf seriösen Daten und einer fundierten Methodik und nicht auf selektiv aufbereiteten Zahlen basieren“, so Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger.
„Die österreichische Ärztekammer arbeitet gemeinsam mit der Sozialversicherung am Versorgungsaubau im Kassenbereich. Unsere Kassenärzte leisten täglich großartige Arbeit, die kolportierten Zahlen von krankenversichern.at entsprechen nicht der medizinischen Realität. Wartezeiten im niedergelassenen Bereich sind ein Thema, dem wir uns bewusst sind und annehmen: Gemeinsam mit der Sozialversicherung arbeiten wir an einem einheitlichen Gesamtvertrag, der in diesem Bereich weiter Verbesserungen bringen soll. Panikmache, wie von krankenversichern.at betrieben, ist unseriös und populistische Rhetorik“, ergänzt auch Edgar Wutscher, dritter Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte.
Versorgung verbessern, statt Verunsicherung zu schüren
Die österreichische Sozialversicherung setzt sich gemeinsam mit der Österreichischen Ärztekammer kontinuierlich für den Ausbau des Kassenstellenangebots und die Verkürzung von Wartezeiten bei planbaren Facharztterminen ein. Die Regionalen Strukturpläne Gesundheit (RSG) 2030 sehen dafür einen deutlichen Ausbau der ambulanten Versorgung vor. Ein zentraler Baustein sind die Primärversorgungseinheiten (PVE), deren Zahl österreichweit bis 2030 auf 257 Standorte steigen soll. Sie bieten längere Öffnungszeiten und multiprofessionelle Versorgung und können damit auch zur Entlastung der fachärztlichen Versorgung beitragen.
Rückfragen & Kontakt
Dachverband der Sozialversicherungsträger (DVSV)
Caroline Göschl, BA MA
Telefon: +4366488839072
E-Mail: [email protected]
Website: http://www.sozialversicherung.at/
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