• 15.09.2026, 11:08:02
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GLOBAL 2000: TFA-Belastung im Grundwasser in fünf Jahren mehr als verdoppelt

Belastungsmuster spricht für wesentlichen Beitrag von PFAS-Pestiziden

Wien, am 15.September (OTS) - 

Eine neue wissenschaftliche Auswertung amtlicher Messdaten zeigt eine deutliche Zunahme der TFA-Belastung im österreichischen Grundwasser. Die Konzentration der Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) ist an allen 16 wiederholt untersuchten Messstellen innerhalb von rund fünf Jahren gestiegen – im Mittel von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter. An keiner einzigen Messstelle blieb sie gleich oder ging zurück.

„Diese Zahlen offenbaren nicht nur ein Belastungsproblem, sondern eines, das sich rasch verschärft. Genau diese Kombination aus bereits hohen Konzentrationen und weiterem Anstieg macht den Befund so beunruhigend. Wir müssen diesen Anstieg dringend bremsen. Ein zentraler Hebel ist der Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und fluorierten Gasen“, erklärt Helmut Burtscher-Schaden, Erstautor der Studie und Umweltchemiker bei GLOBAL 2000.

Die Analyse von Helmut Burtscher-Schaden (GLOBAL 2000), Thilo Hofmann (Universität Wien), Angeliki Lyssimachou (PAN Europe), Mattias Öberg (Karolinska Institutet) und Hans Peter Arp (Norwegian Geotechnical Institute / NTNU Trondheim) wurde in einem gemeinsamen wissenschaftlichen Preprint veröffentlicht. Die zugrunde liegenden Messdaten hat das Landwirtschaftsministerium (BMLUK) auf Anfrage von GLOBAL 2000 nach dem Umweltinformationsgesetz offengelegt.

Höchste Belastung in ackerbaulich geprägten Regionen

Insgesamt untersuchte das BMLUK in beiden Messprogrammen jeweils rund 100 Grundwassermessstellen, überwiegend an unterschiedlichen Standorten. "Die höchsten mittleren TFA-Konzentrationen zeigten sich 2024 – wie bereits 2018/2019 – in den ackerbaulich stark geprägten Bundesländern Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark. Deutlich niedrigere TFA-Werte fanden sich in Vorarlberg, Tirol, Wien, Salzburg und Kärnten“, berichtet Burtscher-Schaden, der die TFA-Belastungen auch mit Nitrat- und Pestizidrückständen verglichen hat.

Wo hohe TFA-Konzentrationen gemessen wurden, waren überwiegend auch die Belastungen mit Nitrat und Pestizidrückständen höher. Burtscher-Schaden: „Dieses räumliche Muster ist ein weiterer Hinweis auf einen deutlichen Beitrag von PFAS-Pestiziden zur TFA-Belastung des Grundwassers in ackerbaulich geprägten Regionen."

Deutlich über dem EU-Grenzwert und fortpflanzungsgefährdend

Für toxikologisch relevante Abbauprodukte von Pestiziden gilt im Grundwasser ein EU-Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. TFA ist ein solches toxikologisch relevantes Abbauprodukt. Die mittlere TFA-Konzentration an den 2024 untersuchten Messstellen lag bei 2,4 Mikrogramm pro Liter – rund 24-mal über diesem Wert.

Auch die toxikologische Bewertung hat sich verschärft: Im Juni 2026 empfahl die EU-Chemikalienagentur ECHA, TFA als fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 1B. Folgt die EU-Kommission dieser Empfehlung, gilt TFA europaweit als giftig für die Fortpflanzung. Im Juli senkte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA die akzeptable tägliche Aufnahmemenge um mehr als 70 Prozent.

Mattias Öberg, Toxikologe am schwedischen Karolinska Institutet und Ko-Autor der Studie: “Was in Österreich gemessen wurde, ist mehr als ein lokaler Befund: TFA reichert sich weltweit an, und was heute entsteht, bleibt im Wasserkreislauf. Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob die heutigen Konzentrationen bereits schädlich sind, sondern auch, welches Niveau wir künftigen Generationen hinterlassen. Wer erst handelt, wenn gesundheitsbasierte Richtwerte überschritten sind, hat die Entscheidung längst getroffen.”

Was jetzt zu tun ist

GLOBAL 2000 fordert von Bundesregierung und EU-Kommission einen raschen Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und eine entschlossene Umsetzung des europäischen PFAS-Gruppenverbots ("Beschränkungsvorschlag"). Zudem braucht es ein dauerhaftes TFA-Monitoring mit wiederholten Messungen an denselben Standorten. Denn an die nun vorliegenden Befunde knüpft das europäische Wasser- und Pestizidrecht konkrete Handlungspflichten, die in die direkte Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums fallen.

„Wenn toxikologisch relevante Abbauprodukte von Pestiziden das Grundwasser über 0,1 Mikrogramm pro Liter belasten können, müssen die betreffenden Zulassungen überprüft und gegebenenfalls geändert oder aufgehoben werden. Die österreichischen Ergebnisse sind deshalb auch ein Warnsignal für die EU: Andere Mitgliedstaaten sollten ihre Grundwasserdaten auf vergleichbare Entwicklungen prüfen und die Einträge von TFA und seinen Vorläuferstoffen konsequent reduzieren“, sagt Angeliki Lyssimachou, Senior Scientist bei PAN Europe.

Amtliche Berichte zeigen den TFA-Anstieg nicht

Das BMLUK hat beide Messserien in seiner eigenen Berichtsreihe veröffentlicht. Miteinander verglichen wurden sie dort nicht – der Anstieg bleibt in den amtlichen Berichten unsichtbar. "Politik und Behörden müssen die menschliche Gesundheit und unsere Wasserressourcen vor dauerhafter chemischer Belastung schützen. Das heißt jetzt: PFAS-Pestizide vom Markt nehmen und Bäuerinnen und Bauern beim Umstieg auf Alternativen unterstützen. Landwirtschaftsministerium und Landwirtschaftskammer müssen dafür die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Dass dieser deutliche Anstieg der TFA-Belastung in den amtlichen Berichten nicht vorkommt, ist erklärungsbedürftig. Wir werden dieser Frage nachgehen und dazu in den kommenden Tagen weitere Informationen vorlegen“, sagt Alexandra Strickner, Politische Geschäftsführerin von GLOBAL 2000.

Fakten

  • TFA ist ein ausgesprochen mobiles PFAS. Es wird in der Umwelt praktisch nicht abgebaut und lässt sich mit herkömmlicher Trinkwasseraufbereitung kaum entfernen. Es entsteht unter anderem beim Abbau fluorierter Pestizide, Kältemittel, Arzneimittel und Industriechemikalien.
  • Die Höhe der TFA-Belastung im Grundwasser ist ohne Beispiel: An 104 Messstellen mit Daten zu beiden Parametern lag die mittlere TFA-Konzentration 264-mal so hoch wie die mittlere Summe der übrigen 27 PFAS, die an denselben Messstellen 2022 gemessen wurden.
  • Im Vergleich der beiden vollständigen Messserien lag die durchschnittliche TFA-Belastung 2024 mit 2,42 Mikrogramm pro Liter mehr als dreimal so hoch wie 2018/2019 mit 0,78 Mikrogramm pro Liter. Weil dabei jedoch überwiegend unterschiedliche und gezielt „belastungsorientiert“ ausgewählte Messstellen beprobt wurden, ist dieser Vergleich kein Beleg für den zeitlichen Trend. Belastbar ist die Verdopplung an den 16 wiederholt beprobten Messstellen.


Das Preprint wurde auf chemrxiv.org veröffentlicht.

Das Factsheet zur Analyse finden sie hier.

Detailinformationen zu den einzelnen Bundesländern auf Anfrage an [email protected]

Rückfragen & Kontakt

Dr. Helmut Burtscher-Schaden
Umweltchemiker GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 34
[email protected]

Christoph Gerhardt
Pressesprecher GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 26
[email protected]

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