• 15.09.2026, 10:13:32
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Ferien verkürzen, Betreuung verbessern: Wiener Unternehmerinnen fordern praxistaugliche Lösungen

FiW-Wien-Umfrage zeigt: Für 61 Prozent sind die Sommerferien zu lang – gleichzeitig scheitert Vereinbarkeit vor allem an Kosten, fehlenden Plätzen und unflexiblen Betreuungszeiten

Wien (OTS) - 

Wien, 15. September 2026 – Die aktuelle Debatte über eine Verkürzung der Sommerferien trifft einen Nerv bei Wiens Unternehmerinnen. Nachdem WKÖ-Präsidentin Martha Schultz eine Verkürzung der Sommerferien von neun auf sechs Wochen vorgeschlagen hat, legt Frau in der Wirtschaft Wien nun konkrete Zahlen aus Wien vor: Eine aktuelle Befragung unter selbstständigen Wienerinnen mit Betreuungspflichten zeigt deutlich, wie stark die langen Ferien den unternehmerischen Alltag belasten.

„Die Diskussion über sechs statt neun Wochen Ferien ist absolut legitim. Die Befragung untermauert: Viele Unternehmerinnen erleben die neun Wochen tatsächlich als zu lang. Aber wir dürfen die Diskussion nicht bei der Länge der Ferien beenden. Für Selbstständige geht es um die gesamte Betreuungslücke – und darum, ob Betreuung leistbar, verlässlich und mit dem Arbeitsalltag vereinbar ist“, sagt Verena Wiesinger, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien.

61 Prozent empfinden Sommerferien als zu lang

Die Ergebnisse der von UMFRAGO im Auftrag von Frau in der Wirtschaft Wien durchgeführten Befragung sprechen eine klare Sprache: 61 Prozent der 471 befragten Unternehmerinnen bewerten die Sommerferien als zu lang. Gleichzeitig benötigen 69 Prozent zumindest fünf Wochen Ferienbetreuung, 41 Prozent sogar mehr als sechs Wochen.

Damit zeigt sich ein strukturelles Problem: Der Betreuungsbedarf endet nicht nach wenigen Ferienwochen – und lässt sich für viele Unternehmerinnen auch nicht langfristig und starr planen.

Fehlende Betreuung wird zum wirtschaftlichen Problem

Die fehlende Ferienbetreuung bleibt nicht auf die Familie beschränkt, sondern wirkt unmittelbar auf die Unternehmen.

Im Durchschnitt bewerten die Unternehmerinnen die Beeinträchtigung ihres Unternehmens mit 3,5 von 5 Punkten. Die Hälfte gibt eine starke oder sehr starke Beeinträchtigung an.

Die konkreten Folgen:

  • 64 Prozent können administrative Aufgaben nicht wie gewohnt erledigen.
  • 63 Prozent mussten bereits Termine verschieben.
  • 60 Prozent haben Urlaub genommen, obwohl eigentlich Arbeit notwendig gewesen wäre.
  • 51 Prozent haben weniger Zeit für die Akquise.
  • 45 Prozent haben weniger Zeit für die Betreuung ihrer Kundinnen und Kunden.
  • 37 Prozent berichten von Umsatzverlusten.
  • 32 Prozent mussten bereits Aufträge oder Kundinnen und Kunden ablehnen.

„Für Unternehmerinnen kann Urlaub, der eigentlich der Kinderbetreuung dient, bedeuten, dass Aufträge nicht angenommen werden können und Umsatz verloren geht. Genau deshalb müssen wir Ferienbetreuung auch als Wirtschafts- und Standortthema betrachten“, so Wiesinger.

Kosten sind größte Hürde

Die größte Herausforderung ist laut Befragung die Leistbarkeit: 73 Prozent nennen hohe Kosten als Problem. Jeweils 37 Prozent nennen kurzfristigen Betreuungsbedarf und die fehlende Vereinbarkeit mit ihren Arbeitszeiten. 38 Prozent der Befragten zahlen bereits 200 Euro oder mehr pro Betreuungswoche. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass viele Frauen deshalb bewusst auf kostenpflichtige Angebote verzichten und Betreuung selbst oder innerhalb der Familie organisieren.

Besonders gefragt sind daher konkrete Unterstützungen:

  • 77 Prozent würden vergünstigte Feriencamps nutzen.
  • 68 Prozent wünschen sich finanzielle Unterstützung für Ferienbetreuung.
  • 50 Prozent wünschen sich eine zentrale Übersicht verfügbarer Ferienbetreuungsplätze.
  • 41 Prozent würden ein Netzwerk zur Organisation von Kinderbetreuung nutzen.
  • 29 Prozent sehen Bedarf an kurzfristiger Notfallbetreuung.

FiW Wien: Ferien und Betreuung gemeinsam neu denken

Frau in der Wirtschaft Wien will deshalb die aktuelle Debatte über die Ferienlänge mit einer konkreten Forderung nach einem besseren Betreuungssystem verbinden. „Wenn wir wollen, dass Frauen gründen, Unternehmen führen und wachsen können, müssen wir ihnen auch die Rahmenbedingungen dafür geben. Dazu gehört eine Ferienregelung, die zur Lebensrealität von Familien passt – und gleichzeitig eine Betreuung, die auch zum Arbeitsalltag von Unternehmerinnen passt“, sagt Wiesinger.

FiW Wien spricht sich daher für eine Gesamtlösung aus drei Säulen aus:

1. Sommerferien neu denken:
Die Diskussion über eine Verkürzung der neunwöchigen Sommerferien auf sechs Wochen soll sachlich und faktenbasiert geführt werden. Entscheidend ist dabei eine bessere Verteilung der Ferien und eine stärkere Abstimmung mit den tatsächlichen Betreuungsmöglichkeiten.

2. Ferienbetreuung ausbauen und leistbar machen:
Es braucht mehr geförderte und qualitativ hochwertige Ferienangebote – insbesondere für jene Altersgruppen, die von klassischen Feriencamps und bestehenden Fördermodellen nicht ausreichend erreicht werden.

3. Betreuung an die Arbeitsrealität anpassen:
Für Selbstständige reichen Betreuungsangebote von 9 bis 15 Uhr vielfach nicht aus. Gefragt sind längere und flexible Betreuungszeiten, tageweise Buchbarkeit sowie kurzfristig verfügbare Plätze.

„Unser Ziel darf nicht sein, dass Unternehmerinnen neun Wochen lang versuchen, irgendwie Betreuung zu organisieren. Unser Ziel muss sein, dass sie auch in den Ferien verlässlich arbeiten, Aufträge annehmen und für ihre Kundinnen und Kunden da sein können. Das ist Vereinbarkeit, die in der wirtschaftlichen Realität ankommt“, so Wiesinger abschließend.

Über Frau in der Wirtschaft Wien

Frau in der Wirtschaft Wien (FiW Wien) ist das wirtschaftliche Frauennetzwerk der Wirtschaftskammer Wien und vertritt die Interessen von rund 54.000 unternehmerisch aktiven Frauen in Wien – von Kleinstunternehmerinnen und Ein-Personen-Unternehmen bis zu Unternehmerinnen, Managerinnen und Frauen in Führungspositionen. Als Gründerin ist man automatisch Teil des Netzwerks; auch Frauen, die erst auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind, können das Netzwerk nutzen. FiW Wien versteht sich als Interessenvertretung, Service- und Netzwerkplattform: Das Netzwerk bringt die Anliegen von Unternehmerinnen in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit ein, bietet Austausch und Vernetzung, Fachvorträge, Workshops und Veranstaltungen und unterstützt Frauen dabei, unternehmerisches Know-how auszubauen und Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen.

Unter der Landesvorsitzenden Verena Wiesinger setzt FiW Wien aktuell unter anderem auf persönliche Vernetzung und Unternehmenseinblicke: Zu den kommenden Formaten zählen FiW Connects am 21. September sowie 5. Oktober, „Aufsichtsratskompetenz Kompakt“ am 19. Oktober, „FiW goes Backstage“ am 10. November sowie die FiW Unconference am 14. Dezember. Die Backstage-Reihe bringt Unternehmerinnen zudem direkt mit erfolgreichen Wiener Unternehmen und deren Führungspersönlichkeiten zusammen. Über alle Veranstaltungen wird regelmäßig im Newsletter informiert.

Mehr Infos unter Frau in der Wirtschaft Wien - Wien - WKO

Die Umfrage wurde von UMFRAGO – Institut für Digitale Markt- und Meinungsforschung durchgeführt, mit KI-moderierten Interviews über feedbk.ai (www.feedbk.ai). Im August und September 2026 wurden 471 Wiener Unternehmerinnen mit Betreuungspflichten befragt.

Rückfragen & Kontakt

Wirtschaftskammer Wien
Mag. Anna Trummer
Telefon: 0660 4816667
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.wko.at/wien/news

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