- 14.09.2026, 15:39:02
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Moststraße unterstreicht Rolle als Wissenszentrum für Obstsortenkunde
Pomologentreffen in Amstetten und Präsentation des neuen Sortenbuchs – 336 Apfel- und Birnensorten dokumentiert
Drei Tage lang wurde das Mostviertel zum Treffpunkt der internationalen Obstsortenkunde (Pomologie): Fachleute und Streuobstexpertinnen und Streuobstexperten aus mehreren europäischen Ländern kamen von 11. bis 13. September zum Internationalen Pomologentreffen, ausgerichtet von der LEADER-Region und dem Tourismusverband Moststraße, nach Amstetten. Den öffentlichen Auftakt bildete die Präsentation des neuen Sortenbuchs mit Landesrat Anton Kasser sowie den Autorinnen Martina Schmidthaler und Gerlinde Handlechner bzw. dem Autor Mathias Weis.
Das neue Sortenbuch macht eindrucksvoll sichtbar, welches Wissen in der Region in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. 336 Sorten, darunter 138 Birnen- und 198 Apfelsorten, sind darin dokumentiert. Und dennoch ist die Sortenvielfalt des Mostviertels noch längst nicht vollständig erfasst. Rund 5.000 Obstproben aus der Bevölkerung, gesammelt bei den jährlichen Sortenbestimmungstagen der Moststraße, bildeten eine wesentliche Grundlage der jahrelangen Forschungsarbeit. Damit ist das Buch auch ein Gemeinschaftswerk der Region. Neu ist insbesondere die Verbindung von traditioneller Pomologie mit moderner Wissenschaft. Neben der klassischen Sortenbestimmung wurden genetische Untersuchungen herangezogen und Ergebnisse mit nationalen und internationalen Daten verglichen. Dass dabei auch heute noch neue Erkenntnisse entstehen, zeigte sich bei mehreren Sorten, deren bisherige Zuordnung durch die wissenschaftliche Arbeit neu bewertet werden konnte.
Wie wertvoll diese Arbeit ist, zeigt auch die Gefährdung einzelner Sorten: Von der Theilersbirne und vom Wieshaider Apfel aus Seitenstetten sind derzeit überhaupt nur jeweils ein einziger Baum bekannt. Mit dem Verlust solcher Bäume drohen nicht nur einzelne Sorten, sondern auch genetische Vielfalt und über Generationen gewachsenes Wissen zu verschwinden. Sortenvielfalt bedeutet in der Tat weit mehr als unterschiedliche Namen: Alte Äpfel und Birnen unterscheiden sich erheblich in Geschmack, Nutzung, Zucker-, Säure- und Gerbstoffgehalt sowie genetischen Eigenschaften. Neue Forschungsansätze – etwa rund um das Mikrobiom – eröffnen darüber hinaus zusätzliche Perspektiven für die Zukunft.
Landesrat Anton Kasser, selbst in der Landwirtschaft verankert, unterstrich bei der Präsentation die Bedeutung dieser Vielfalt: „Unsere alten Apfel- und Birnensorten sind ein großer Schatz für die Region. Diese Vielfalt ist nicht nur Teil unserer bäuerlichen Tradition, sondern auch mit Blick auf Biodiversität, veränderte klimatische Bedingungen und zukünftige Produkte von großer Bedeutung. Das neue Sortenbuch hilft dabei, dieses Wissen zu sichern, Sorten wiederzufinden und an kommende Generationen weiterzugeben.“
Die Neuauflage des Sortenbuchs entstand im Rahmen des LEADER-Projekts „Bewusstseinsbildung an der Moststraße“. Die Präsentation war zugleich Teil der niederösterreichweiten LEADER-wirkt-Tour 2026. Im Rahmen dieser Tour werden in allen 19 LEADER-Regionen Niederösterreichs konkrete Projekte vor den Vorhang geholt. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was durch regionale Initiative, Zusammenarbeit vor Ort und die Unterstützung von der Europäischen Union, Bund und Land Niederösterreich entstehen kann. Das Sortenbuch ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel: Jahrelang aufgebautes Wissen wird gesichert, wissenschaftlich weiterentwickelt und für Fachwelt und Bevölkerung zugänglich gemacht. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie Regionalentwicklung dazu beitragen kann, Kulturlandschaft, Biodiversität, Bildung und regionale Identität miteinander zu verbinden. Das neue Sortenbuch „Birnen & Äpfel – Vielfalt der Streuobstwiesen“ ist ab sofort um 34,90 Euro erhältlich und kann über den Moststraße-Shop bestellt werden.
Nähere Informationen: Evelyn Gutlederer, Marketing & Kommunikation bei der Moststraße, Telefon +43 676 360 9296, E-Mail [email protected], www.moststrasse.at
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