- 11.09.2026, 08:30:33
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MAV zu Foodwatch: Preisvergleiche greifen zu kurz – heimische Produktion braucht faire Rahmenbedingungen
Unterschiedliche Marktbedingungen: MAV lehnt generelles Verbot territorialer Lieferbeschränkungen ab und warnt vor Folgen für Produktion, Landwirtschaft und Versorgungssicherheit.

Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) weist pauschale Schuldzuweisungen an heimische Hersteller im Zusammenhang mit dem aktuellen Foodwatch-Preisvergleich zurück. Die Gegenüberstellung ausgewählter Verkaufspreise in Österreich und Deutschland zeigt Preisunterschiede, erklärt jedoch nicht deren Ursachen. Wer daraus politische Forderungen ableitet, muss die unterschiedlichen Markt- und Kostenbedingungen ebenso berücksichtigen wie die Preisgestaltung des Handels und die wirtschaftlichen Voraussetzungen heimischer Produktion.
„In der EU gibt es keine Einheitskosten. Preisvergleiche müssen deshalb die unterschiedlichen Kosten- und Marktbedingungen berücksichtigen. Wer einzelne Regalpreise gegenüberstellt, ohne die jeweiligen Marktbedingungen zu berücksichtigen, zeichnet ein unvollständiges Bild. Auch die wiederholte Veröffentlichung solcher Vergleiche ersetzt keine fundierte Ursachenanalyse“
, erklärt Günter Thumser, Geschäftsführer des MAV.
Unterschiedliche Kosten und Marktbedingungen prägen Preise
Energie- und Logistikkosten, Löhne und Sozialabgaben, Steuern sowie Pfand- und Recyclinggebühren können sich zwischen den Ländern erheblich unterscheiden. Hinzu kommen nationale Vorgaben und unterschiedliche Anforderungen an Vertrieb und Belieferung. Preisunterschiede sind deshalb für sich genommen kein Beleg für ungerechtfertigte Aufschläge.
Auch die Einkaufsvolumina sowie die Promotion- und Werbestrategien der Handelsunternehmen sind zu berücksichtigen. Gerade in Österreich prägen Aktionen, Rabattmarken und Kundenkarten den Lebensmitteleinkauf. Ein Vergleich regulärer Regalpreise bildet daher nicht automatisch jene Preise ab, die Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich bezahlen.
„Für die Belastung der Haushalte zählt, was an der Kassa bezahlt wird. Eine aussagekräftige Preisdebatte muss deshalb auch Aktionen und tatsächlich genutzte Vergünstigungen einbeziehen“
, so Thumser.
Den Verkaufspreis am Regal bestimmt der Handel
Die Endverkaufspreise für Markenprodukte und Eigenmarken werden vom jeweiligen Handelsunternehmen eigenständig festgelegt. Ein Regalpreis erlaubt daher keinen unmittelbaren Rückschluss auf den Abgabepreis oder den Ertrag des Herstellers. Auch Foodwatch hält in seiner Aussendung fest, dass der Preisvergleich allein die Ursachen der festgestellten Unterschiede nicht erklärt. „Aus einem höheren Verkaufspreis lässt sich nicht ablesen, wer welchen Anteil daran erhält. Pauschale Vorwürfe gegen Markenhersteller helfen den Konsumentinnen und Konsumenten deshalb nicht weiter“
, betont Thumser.
MAV lehnt generelles Verbot territorialer Lieferbeschränkungen ab
Der MAV weist die Forderung nach einem generellen Verbot territorialer Lieferbeschränkungen, sogenannter Territorial Supply Constraints (TSC), zurück. In der europäischen Diskussion dürfe der Wunsch des Handels nach den jeweils günstigsten Einkaufskonditionen nicht zum alleinigen Maßstab werden. Nationale Marktbedingungen, vertragliche Vereinbarungen und wirtschaftlich tragfähige Vertriebsstrukturen seien ebenfalls zu berücksichtigen. „Hersteller müssen im Rahmen des Wettbewerbsrechts weiterhin die Freiheit haben, ihre Vertriebswege und Vertriebspartner selbst zu wählen und marktgerechte Konditionen zu vereinbaren. Ein generelles Verbot würde aus unserer Sicht zu wenig zwischen ungerechtfertigten Beschränkungen und sachlich begründeten Vertriebsvereinbarungen unterscheiden“, erklärt Thumser.
Gerade angesichts der hohen Konzentration des österreichischen Lebensmittelhandels fordert der MAV, auch die Auswirkungen neuer Regeln auf das Kräfteverhältnis zwischen Handel und Herstellern zu berücksichtigen.
Heimische Qualität braucht eine wirtschaftliche Grundlage
Produktion in Österreich ist mit hohen Standortkosten verbunden. Löhne und Lohnnebenkosten, Qualitätsanforderungen und gesetzliche Vorgaben prägen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen heimischer Unternehmen. Investitionen in Qualität, Bio-Produktion oder Tierwohl benötigen ebenfalls eine tragfähige Finanzierung.
Der MAV warnt davor, die jeweils niedrigsten europäischen Preis- und Kostenniveaus zum Maßstab für die gesamte Lebensmittelproduktion zu machen. Ein zunehmender Wettbewerb über den billigsten Preis könne heimische Markenhersteller und die mit ihnen verbundenen landwirtschaftlichen Betriebe unter Druck setzen. „Wer hohe Qualität, verantwortungsvolle Produktion und regionale Wertschöpfung erwartet, muss auch deren wirtschaftliche Grundlagen berücksichtigen. Dauerhafter Druck auf die Erlöse trifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ebenso ihre Beschäftigten, landwirtschaftlichen Partner und Zulieferer“
, so Thumser.
Versorgungssicherheit braucht leistungsfähige Inlandsproduktion
Die Krisen der vergangenen Jahre haben die Bedeutung verlässlicher Lieferketten und einer leistungsfähigen heimischen Produktion verdeutlicht. Werden Produktionsstandorte geschwächt oder aufgegeben, drohen Wertschöpfung und Arbeitsplätze verloren zu gehen. Gleichzeitig kann die Abhängigkeit von Importen steigen.
Ein fairer Preis sichert das Morgen
Für den MAV gehören leistbare Lebensmittel und eine zukunftsfähige heimische Produktion untrennbar zusammen. Ein fairer Preis ermöglicht es Herstellern, ihre Kosten zu decken und in Qualität, Innovation und Produktionsstandorte zu investieren. Davon profitieren auch Beschäftigte, die heimische Landwirtschaft und regionale Zulieferer. „Der billigste Preis denkt nur ans Heute. Ein fairer Preis denkt weiter: Er sichert die Voraussetzungen dafür, dass wir auch morgen hochwertige Lebensmittel in Österreich produzieren können. Wer ausschließlich den niedrigsten Preis zum Maßstab macht, riskiert, dass wir kurzfristig an der Kassa sparen und langfristig mit verlorenen Arbeitsplätzen, geschlossenen Produktionsstätten und wachsender Importabhängigkeit bezahlen“
, betont Thumser.
„Was wir morgen noch in Österreich produzieren können, entscheidet sich auch daran, welchen Wert wir dieser Produktion heute geben. Ein fairer Preis ist deshalb eine Investition in heimische Qualität, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit“
, so Thumser abschließend.
Über den Österreichischen Verband der Markenartikelindustrie
Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) wurde 1925 gegründet und repräsentiert rund 100 national und international tätige Hersteller aus dem FMCG-Bereich (Fast Moving Consumer Goods). Als freiwillige Interessenvertretung setzt sich der MAV für die nachhaltige Förderung der Marke als Symbol für Qualität, Innovation und fairen Wettbewerb ein. Ein europaweit einzigartiges Zeichen setzt der MAV mit seiner jährlichen Gemeinschaftskampagne, die 2026 bereits zum 30. Mal umgesetzt wurde. Präsident ist Josef Braunshofer, Geschäftsführer ist Günter Thumser. www.mav.at
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Günter Thumser
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